Kolumne
Löwinnen und Supersturm

Randnotiz zum Frauenfussball: Was man besser kennen lernt, das interessiert einen mehr.

Arno Renggli
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Die US-Amerikanerin Abby Dahlkemper (links) im Kopfballduell gegen Schwedens Stina Blackstenius am FIFA Women's World Cup 2019 in Frankreich. (Bild: Peter Powell/EPA, Le Havre, 20. Juni 2019)

Die US-Amerikanerin Abby Dahlkemper (links) im Kopfballduell gegen Schwedens Stina Blackstenius am FIFA Women's World Cup 2019 in Frankreich. (Bild: Peter Powell/EPA, Le Havre, 20. Juni 2019)

Habe ich mir am Frauenstreiktag als Akt der Solidarität das Frauenfussball-WM-Spiel England – Argentinien angeschaut? Natürlich nicht! Ich schaute, weil ich wollte. Wie so oft dieser Tage. Wenn eine Fussball-WM ist – ob Frauen oder Männer – fiebere ich mit.

Zugegeben, ich brauchte ein Schlüsselerlebnis, um mich für Fussballerinnen zu begeistern. Als Kind beschloss ich, England-Fan zu sein. Das habe ich nie mehr weggebracht. Und so habe ich mit Englands Fussballern jahrzehntelang mitgelitten. Doch da traf an der letzten Frauen-WM das englische Team auf das deutsche. Und siegte! Es war nur der kleine Final, aber die Gefühle überbordeten, auch bei mir. Seither bin ich nägelkauender Fan der «Lionesses».

Was man besser kennen lernt, das interessiert einen mehr. Mittlerweile weiss ich, welches die Topspielerinnen diverser Länder sind. Frankreich finde ich toll – oder Holland mit dem super Sturmtrio. Und die Amis sind echt zum Fürchten. Spektakulär sind die Spiele, emotional erst recht. Klar, das Tempo ist nicht ganz so hoch wie bei den Männern. Was aber kaum stört, da die Spielerinnen kleiner sind. Als ich kürzlich auf ein parallel laufendes Spiel mit Männern zappte, wirkten diese im Vergleich riesig, Spielfeld und Tore schienen zu schrumpfen, ein klaustrophobisches Gefühl machte sich breit. Doch ich werde mich schon wieder an Männerfussball gewönnen. Jetzt sind erst die Frauen dran. Heute starten die Achtelfinals. Ich bin dabei! Und nicht aus Solidarität.