«Jung & Alt»-Kolumne
Schöftland? Nein danke, ist grad gut so

In der «Jung & Alt»-Kolumne schreibt unser Autor Ludwig Hasler, 77, alternierend mit Samantha Zaugg, Journalistin, 27. Diese Woche fragt sich Zaugg, wieso alte Menschen nicht in WGs wohnen.

Samantha Zaugg
Samantha Zaugg
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Das Einfamilienhaus ist die bevorzugte Wohnform der meisten älteren Menschen.

Das Einfamilienhaus ist die bevorzugte Wohnform der meisten älteren Menschen.

Bild: Keystone

Lieber Ludwig

Interessant, wie du das Thema wohnen drehst. Dieses Verhäuseln, wie du das nennst. Dass ihr Alten Hilfe ins Haus holt, um möglichst lange autonom zu bleiben. Spitex, Mahlzeitendienst, Haushaltshilfe. Vielleicht hat das doch auch damit zu tun, worauf ich hinaus wollte. Die Frage, wie man als alter Mensch so wohnt, zielte eigentlich darauf ab, ob ihr auch Probleme habt, Wohnungen zu finden. Für viele Junge ist das nämlich ein Ding.

Da sind mal die Mieten. Die werden immer teurer. Zürich ist unanständig. Aber auch sonst steigen die Preise. Im Mittelland solls noch günstige Mietwohnungen geben. In Schöftland oder so was. Aber nützt halt auch nichts, da will ja niemand hin. Item.

Es gibt auch Leute, die besitzen das Haus, in dem sie leben. Aber das sind halt oft keine jungen Leute. Am meisten Häuser und Wohnungen gehören Menschen zwischen 66 und 75 Jahren. Um das klarzustellen: Es ist nicht so, dass ich den Alten ihre Häuser nicht gönnen mag. Aber ich frag mich halt, ob es Sinn macht, dass einige von ihnen so viel Wohnraum haben. Und dabei oft alleine sind. Dir scheints ähnlich zu gehen. Du findest Alters-WGs ein tolles Modell. Scheint aber selten zu sein. Warum weiss ich nicht.

Von uns Jungen kann ich sagen: Viele von uns leben gerne in WGs. Ich glaube, die WG ist keine Verlegenheitswohnform mehr. Wir leben nicht nur in Wohngemeinschaften, weil wir in der Lehre sind oder studieren und kein Geld haben. Wir bleiben noch da, wenn wir uns eine eigene Wohnung leisten könnten. Obwohl, vielleicht ist das auch verkürzt. Wir könnten uns ja eigene Wohnungen leisten. Aber dann halt nicht in der Stadt. Oder vielleicht schon, aber dafür hätten wir kein Geld mehr, um mal auswärts zu essen, in die Ferien zu gehen oder sonst was Spassiges zu unternehmen. Womöglich kommen die WGs doch aus einer pragmatischen Motivation.

Ich hab auch schon über Generationen-WGs nachgedacht. So was gibt’s ja schon. Wohnen gegen Hilfe. Junge kriegen ein Zimmer und arbeiten dafür was im Haus. Klingt gut, aber bin skeptisch, ob das langfristig taugt. Ich glaub, das ist gut für Leute in Lehre oder Studium. Aber danach? Wenn junge Menschen in einen bestehenden Haushalt einziehen, bleibt es bei der Hausordnung der Alten. Machtgefälle und Hierarchie sind vorprogrammiert. Schwierig. Denn zu einem guten Generationenverhältnis gehört auch echte Emanzipation. Du siehst, ich hab auch keine schlaue Lösung.

Dafür noch eine Frage. Wohnen tut man ja auch noch ganz anders. Im eigenen Körper. Wie lebt es sich in einem alten Körper? Wie geht man da mit Veränderungen um? Kann man da auch generalsanieren und dann von den Steuern abziehen? Wie bei der Eigentumswohnung.

Samantha

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