Kolumne
Heimlich versöhnt

Scharfgezeichnet

Kaspar Enz
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Eine Einigung schien unmöglich. Zu lange schon schwelte der kalte Bruderkrieg. Zu hoch scheint die Mauer zwischen den beiden Seiten zu sein, im Fels wie in den Köpfen. Eine Wiedervereinigung scheint utopisch, befürchten doch die einen eine feindliche Übernahme durch die andern. Kein Wunder, bei der Drohkulisse, die dort steht.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: Ein Gipfeltreffen historischen Ausmasses wurde angekündigt. Ein Händeschütteln der verfeindeten Vettern. Ohne Zweifel liessen sich die Toggenburger und Wildhauser Bergbahnen vom Klima der Entspannung inspirieren, das zwischen Nord- und Südkorea weht, als sie sich vom Bund zum Treffen einladen liessen. Was Pjöngjang und Seoul können, können Unterwasser und Wildhaus auch. Wer weiss, vielleicht gibt es doch noch einen gemeinsamen Toggenburger Skipass!

Doch die Toggenburger lernen auch aus den Fehlern der Vorbilder. Vom Gipfel mit Kim Jong Un erhofft sich Donald Trump schon den Nobelpreis. Doch seine Minister plaudern bereits herum, was der Gipfel bringen soll, jeder, was ihm passt. Und Kim tönt plötzlich bockig. Das darf im Toggenburg nicht passieren! So hielt man die Traktanden dort so geheim wie den Appenzeller Kräutersulz. Und so schuf der Gipfel etwas Einigkeit. Alle Beteiligten sind sich darüber einig, was sie über das Treffen sagen: nämlich nichts.