ApropoS
Stell’s auf, eck an!

Kunst im öffentlichen Raum regt an, meistens auf. Doch nach welchem Muster es Lob der Kritik gibt, ist kaum voraussehbar.

Sabine Altorfer
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Sabine Altorfer

Sabine Altorfer

Bild: Sandra Ardizzone

Ein Metallquader, den Wildhüter beim Schafezählen per Helikopter in der Wüste von Utah gefunden haben, sorgt für Verwirrung. Für positive Verwirrung, Spekulationen und liebenswürdige Witze. Allen scheint klar: Das Ding ist für nichts zu gebrauchen, also ist es Kunst. Selbst die Umweltbehörde von Utah witzelte – und schob lapidar nach: Eigentlich sei es verboten, unbewilligt Kunstwerke aufzustellen.

Paradox ist, dass bewilligte Kunstwerke meist negative Schlagzeilen auslösen – wie kürzlich in England: Nach 30 Jahren Bemühen wurde ein Denkmal für Mary Wollstonecraft enthüllt. Doch, oh Schock! Die Frauenrechtlerin stand nackt auf dem Sockel und sah aus wie eine Barbiepuppe. Man regt sich aber auch auf, wenn man die Kunst nicht sieht. Als Melania Trump im Rosengarten des Weissen Hauses eben noch schnell eine Skulptur von Isamu Noguchi enthüllte, sah man auf den Fotos nur die First Lady auf dem Betonpodest. Sein nächstes Werk stellt der Künstler wohl in die Wüste.