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Kevin Schläpfer: Der harte Kerl mit dem weichen Herz

Eishockey-Trainer Kevin Schläpfer lebt inmitten von Sammelstücken: Medaillen und Disney-Figuren im Wohnzimmer, Eishockey-Pucks im Keller.E. FREUDIGER

Eishockey-Trainer Kevin Schläpfer lebt inmitten von Sammelstücken: Medaillen und Disney-Figuren im Wohnzimmer, Eishockey-Pucks im Keller.E. FREUDIGER

Derzeit steht er mit seinem Eishockey-Club EHC Biel ganz unten. Doch bei seinen Kindern ist Trainer Kevin Schläpfer (44) Tabellenführer. Denn der Papi ist ein «Kind im Mann» und wohnt mit viel Disney und einem erwachsen gewordenen «Kinderzimmer» im Keller.

Nein, verabschieden tut sich Kevin Schläpfer nicht gerne. Auch jetzt nicht, wo sich seine Mannschaft – der EHC Biel – auf dem zweitletzten Tabellenplatz befindet. «Ich bin mir bewusst, dass alles schnell gehen kann und ich schnell entlassen werden könnte», sagt Schläpfer und zieht seine grossen Turnschuhe aus. Sein Traineramt sei auch der Grund, warum er noch in einer Mietwohnung wohne und kein Haus gekauft habe. Wer weiss, vielleicht verschlägt es den Baselbieter plötzlich in eine andere Ecke der Schweiz. Dennoch, weit wegziehen würde Schläpfer nicht. Seit er von seiner Frau getrennt lebt, ist seine Wohnung in Sissach seine Oase, und die muss sich in der Nähe der Kinder befinden.

Sammelstücke aus dem Disneyland

In seiner Wohnung hat sich der ehemalige Eishockeyprofi gut eingelebt. Er hat alles, was er brauche, sagt er. Einen Whirlpool im Garten, einen riesigen Flatscreen mit 1,60 Metern Durchmesser im Wohnzimmer, eine Küche und ein Schlafzimmer. Und eine Vitrine im Wohnzimmer mit den wichtigsten Pokalen der vergangenen Jahre. Darunter stehen auch etliche Sammelstücke von Ausflügen ins Disneyland Paris. Liebt der knallharte und manchmal sensible «Hockeygott» die Märchenwelt von Disney? Schläpfer nimmt einen Schluck Apfelschorle, kaut an einem Guetzli und sagt: «Im Disneyworld kann ich gut abschalten. Dort gibt es nur glückliche Menschen.» Und dann ergänzt er, ohne zu zögern: «Ja. Ich bin ein grosses Kind. Ich gebe es zu.» Endlich lacht er herzhaft. Seine Tochter Elisha (7) kuschelt sich an ihn. Sohn Lovis (8) spielt mit dem iPad.

Und etwas märchenhaft und verspielt hat Schläpfer auch seine Wohnung eingerichtet. Zum Beispiel der Kronleuchter über dem Esszimmertisch: Wer genau hinschaut, merkt, dass die roten Christbaumkugeln nicht nur Dekoration, sondern seit letzter Weihnacht fester Bestandteil der Leuchte geworden sind. Diese 4½-Zimmer-Wohnung sei eine ähnliche Wohnung wie jene, die er in Biel habe. Jeden Tag zu pendeln, wäre dem Sportsmann dann doch zu aufwendig. «Ich fühle mich hier zu Hause, ist meine Seele.» Vielleicht auch, weil seine Freundin Nicole vor kurzem hier eingezogen ist und sein ältester Sohn Elvis (12) ebenfalls hier wohnt.

Ein kleines Museum im Keller

Doch Schläpfers Seele befindet sich vor allem im Keller des Mehrfamilienhauses. Hier ist sein ganzer Stolz: der «Eishockeyraum». Ein kleines Museum aus knapp vierzig Jahren Schläpfer’scher Eishockey-Geschichte. Verabschieden tut sich der 90-Kilo-Muskelprotz in der Tat nicht gerne. «Als leidenschaftlicher Sammler finde ich es schade, wenn man Dinge und damit auch Erinnerungen wegwirft.» Und so hängen hier Leibchen mit der legendären 69 auf dem Rücken. Stationen wie SCL Tigers, EVZ, Lausanne, Lugano, Basel, Chur, Biel und Langenthal. Die 69 sei seine Lieblingszahl auf dem Trikot und im «richtigen» Leben. Er schmunzelt.

Aber auch Pucks sind hier feinsäuberlich aufgereiht – 150 an der Zahl. Cola-Fläschli von den Olympischen Spielen 1998 in Tschechien. Oder sein ganzer Stolz: die riesige Pin-Sammlung. Während Schläpfer in diesem Raum steht und erzählt, blüht sein Herz auf. Eishockey ist sein Leben, oder wie er es sagt: «Ohne Eishockey könnte ich nicht leben.» Und so zeugt auch ein «Töggeli-Kasten» mit Eishockey-Spielern von Schläpfers Vergangenheit. Das sei das Geschenk seiner Ex-Frau – ein Relikt aus den 80er-Jahren. Das sei der Olympia-Sieg der amerikanischen Amateure gegen die russische Militärmannschaft. Vermutlich stamme der Kasten aus einem Spielsalon. Die Musik, die Lichter und der Applaus funktionieren immer noch einwandfrei.

Und dann schaut Kevin Schläpfer doch noch in die Zukunft. Mal ein grosses Haus zu bauen, wäre schon ein Traum. Mit viel Licht, Glas und Platz für seine Sammelartikel.

Und natürlich müsste das Haus in Sissach stehen, denn hier ist Schläpfer aufgewachsen, hier ist seine Seele und hier sind seine Kinder. Und verabschieden tut sich Schläpfer bekanntlich nicht gerne. Auch von Sissach nicht.

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