Allergien
Jetzt wollen sich auch die Vorsichtigen impfen lassen - am liebsten in Etappen

Leute, die Angst vor einer allergischen Reaktion haben, wünschen oft eine Covid-Impfung in Etappen – bei den wenigsten ist das sinnvoll.

Anja Stampfli
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Impression aus dem Impfzentrum im St. Gallen

Impression aus dem Impfzentrum im St. Gallen

Bild: Benjamin Manser

Nennen wir sie Carla. Sie ist eine von drei Millionen Allergikerinnen in der Schweiz, und macht sich Sorgen, auch nach einer Covid-19-Impfung eine allergische Reaktion zu entwickeln. Da können Fachleute lange betonen, dass Allergien etwa auf Pollen, Nahrungsmittel, Hausstaub oder Latex das Risiko für eine Allergie auf die Impfung nicht erhöhen. Die Sorge bleibt. Doch nun, da Carla ein Restaurantbesuch nur noch mit einem Covid-Zertifikat gewährt wird, muss die Impfung her und zwar schnell.

Falschmeldungen verunsichern allergische Personen

Der Hausarzt schreibt Carla eine Zuweisung an ein Universitätsspital, wo sie in der allergologischen Abteilung einen Hauttest durchführen lassen soll, der zeigt, ob eine Allergie auf einen Hilfsstoff der mRNA-Impfstoffe (Pfizer/Biontech oder Moderna) oder den Impfstoff selber da ist.

«Wir nehmen die Ängste unserer Patientinnen und Patienten in Bezug auf eine Covid-19-Impfung sehr ernst und können diese zum Teil nachvollziehen. Es gibt im Internet leider viele Falschmeldungen», sagt Peter Schmid-Grendelmeier, Leiter des Allergiezentrums des Universitätsspitals Zürich. Doch bevor allergische Personen zum Hauttest kämen, würden ausführliche Gespräche zu ihrer Vorgeschichte geführt. «Meistens können wir daraus schon ableiten, dass eine schwere Allergie auf den Impfstoff praktisch ausgeschlossen werden kann.» Es hilft auch, wenn Besorgten während der Impfung eine Ärztin oder ein Arzt zur Seite gestellt wird, sagt Schmid-Grendelmeier, der sich seit 25 Jahren mit Allergologie beschäftigt.

Ein Hauttest, falls die Angst zu gross ist

«Wenn jemand wirklich grosse Angst vor diesen sehr seltenen Allergien hat, führen wir Hauttestungen auf unserer Allergologie-Station durch», so Schmid-Grendelmeier. Carla hat die Hauttestung durchführen lassen. Dabei wurden Tropfen der Impfstoffe selber, zweier Moleküle des Hilfsstoffes PEG/Macrogol sowie Tromethamin, Histamin und eine isotonische Kochsalzlösung (als Positiv- und Negativkontrolle) auf den Unterarm aufgebracht. Durch die Tropfen hindurch wird mit einer Spezialnadel etwa ein Millimeter tief in die Haut gestochen. Nach rund 15 Minuten kann die Sofortreaktion abgelesen werden.

Eine starke Rötung oder Quaddeln deuten auf eine allergische Reaktion hin. Wenn bekannt ist, dass der Patient zusätzlich auf ein PEG-haltiges Medikament (zum Beispiel Abführmittel) allergisch ist, oder er auf die erste Covid-19-Impfung heftig reagiert hat, kann es sinnvoll sein, die Impfung in mehreren Portionen durchzuführen.

Vier Stunden unter Beobachtung

Am Unispital Zürich werden solche etappierte Injektionen vorgenommen, sind aber nur selten notwendig. Etwa alle 14 Tage wird dort eine Person in Etappen geimpft. «Man muss auch den Aufwand einer solchen Etappen-Impfung berücksichtigen», sagt Schmid-Grendelmeier. «Die Person ist rund vier Stunden für eine Impfung im Spital unter ständiger Beobachtung.» Der oder die Betroffene bekommt vor der Impfung zwei Medikamente in Form eines Antihistaminikums. Dann erhalten sie als erste Dosis nur ein paar Prozent des Impfstoffes. Dann wird die Dosis gesteigert, so dass in drei bis vier Portionen die komplette Impfung gegeben werden kann. Während der ganzen Zeit misst ein EKG die Herztätigkeit. Ebenso wird die Sauerstoffsättigung permanent kontrolliert. Wenn nach einer Stunde alles in Ordnung ist, darf der Patient, die Patientin nach Hause. Bei Carla war die Testung negativ. Sie kann sich impfen lassen.

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