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Jan E. Brucker: «Beim Wohnen bin ich Traditionalist»

Hotelier-Präsident Jan E. Brucker überlässt für einmal seinen Lieblingsplatz auf dem farbigen Sessel der Vizsla-Hündin Chili.MATHIAS MARX

Hotelier-Präsident Jan E. Brucker überlässt für einmal seinen Lieblingsplatz auf dem farbigen Sessel der Vizsla-Hündin Chili.MATHIAS MARX

Sein Faible für Architektur und Design lebt der Hotelmanager Jan E. Brucker (59) in seinem Haus aus den 1960er-Jahren aus. Mit viel Fingerspitzengefühl hat er es mit Möbeln aus verschiedenen Kulturen eingerichtet.

Auf den ersten Blick wirkt das Haus von aussen mit der dunkelgrauen Fassade fast wie ein Bunker. Von der Strasse her erlaubt es kaum Einblick. Wie anders fühlt man sich dann aber im Innern: Der Eingangsbereich mit den knallig-orangefarbenen Wänden führt zu einem grossen Wohn-Ess-Bereich, der zu allen Seiten über viel Lichteinfall verfügt. Vizsla-Hündin Chili rennt herbei und zeigt dem Besuch sogleich, wo der Platz des Hausherrn ist. Normalerweise. Doch jetzt nimmt sie den antiken Sessel mit dem bunten Polsterüberzug selbst in Beschlag. Zum Glück ohne scharfes Knurren.

Es sei Liebeauf den ersten Blick gewesen, erzählt Jan E. Brucker, Direktor des Zürcher Hotels Widder und Präsident der Swiss Deluxe Hotels. Nach all den Wanderjahren in Hotels in der ganzen Welt wollte er sich mit seiner Frau und den drei Kindern vor rund zehn Jahren endlich sesshaft machen. Als kalifornischer Bungalow wurde das Haus ausgeschrieben. Und so wirkt es auch: luftig, grosszügig und mediterran.

Haus aus den 1960er Jahren

Man staunt, dass dieses Haus bereits 1960 erbaut wurde und trotzdem seine Modernität behalten konnte. Jan Brucker steht vom schwarzen Hoffmann-Sofa vor dem Cheminée auf, geht zum Fenster und öffnet es: «Alle Fenster lassen sich in den Wänden verstauen.» Davor hat es Paneele, die man zuziehen kann. «Sie geben bei Sonne ein wunderbares Schattenspiel», schwärmt der Hotelier.

Der grosszügige Raum kann mit Schiebewänden unterteilt werden, die sich ebenfalls in den Wänden versenken lassen. Nur die Küche haben die Bruckers ausgewechselt. Ansonsten ist das 6-Zimmer-Haus immer noch im Originalzustand, wie es der Architekt, ein Nachkomme aus der Bally-Dynastie, seinerzeit erbaut hatte: mit dem Linoleumboden, grauen Wänden und Türen, die bis zur Decke reichen.

Abstand zum Berufsalltag

Am liebstenhält sich Jan Brucker am Esstisch auf. Von dort aus geniesst man einen wunderbaren Blick über den Zürichsee und in die Berge. «Aber die meiste Zeit verbringe ich eben doch im Hotel», meint der 59-Jährige, der in jungen Jahren gerne Architekt geworden wäre wie sein Vater. Das lebe er jetzt vor allem im Hotel aus, denn dort gebe es immer wieder Umbauten. «Da kann ich meine Kreativität tagtäglich ausleben.» Das Wohnen ist ihm deshalb wichtig, weil er damit etwas Abstand vom Berufsalltag erhalten kann. «Ich umgebe mich auch gerne mit ausgesuchten Möbeln aus verschiedenen Kulturen. Ich bin ein Traditionalist.» Neben Design-Möbeln von Eileen Gray oder den Sofas von Josef Hoffmann aus der Wiener Werkstätte steht zum Beispiel ein Dresdner Barockschrank aus Schwerin aus dem 18. Jahrhundert im Wohnzimmer. «Er gehörte einst meinen Ururgrosseltern.» Aber auch der Bürostuhl seines Grossvaters hat hier seinen festen Platz.

Was zudem auffällt, ist die ausgesuchte Kunst an den Wänden. Auch hier findet das Ehepaar den gekonnten Mix zwischen alt und modern. Ein Landschaftsbild seiner Vorfahren aus Mecklenburg-Vorpommern findet hier ebenso Platz wie das grafische Bild der österreichischen Künstlerin Esther Stocker oder das New-York-Bild von Helle Jetzig.

Kein Wunder, dass Jan Brucker in seinen Ferien gerne auch zu Hause bleibt, statt in der Welt herumzureisen. Obwohl er immer wieder in seinen Lieblingshotels wie zum Beispiel im Peninsula Hotel in Schanghai absteigt. «Abgesehen davon gibt es auch in der Schweiz ein paar sehr empfehlenswerte Hotels», macht er Werbung in eigener Sache. Gerade die traditionsreichen Häuser hätten in den letzten Jahren mit grossen Investitionen gezeigt, wie man das Bewahren der Traditionen mit den heutigen Ansprüchen der modernen Reisenden kombiniert. «Einen gewissen Luxus soll man sich in den Ferien doch gönnen.» Den möchte auch er nicht missen. Obwohl seine Frau davon träumt, mal in einer einfachen Skihütte Ferien zu machen. Noch konnte sie ihn mit dieser Idee nicht überzeugen.

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