Corona-Krise

Intensivpflegfachfrau im Unispital Zürich: «Wir machen uns bereit, Überstunden zu leisten»

Melina Romagnoli mit einem Kollegen in Schutzkleidung.

Melina Romagnoli mit einem Kollegen in Schutzkleidung.

Melina Romagnoli, 27, ist Intensivpflegfachfrau im Unispital Zürich und schildert die letzten Wochen, in denen ihre Arbeit aussergewöhnlicher wurde, als sie ohnehin schon ist.

«Es begann mit einem Mail des Spitaldirektors Gregor Zünd und der Weisung, wir müssten uns an neue Regeln halten wegen des Coronavirus: Händeschütteln war ab sofort verboten. Patienten durften damals noch zwei Besucher pro Tag empfangen.

Zu diesem Zeitpunkt waren wir alle noch sehr gelassen. Wir machten uns keine grossen Sorgen wegen des Coronavirus. Denn wir auf der Inneren Medizinstation sehen täglich viel Leid und sind oft mit dem Tod konfrontiert. Eine gewisse Schutzmauer haben wir uns alle angeeignet. Ebenfalls haben wir es relativ oft mit Grippepatienten zu tun, auch mit jungen, denen es so schlecht geht, dass sie eine maschinelle Beatmung benötigen oder sogar daran sterben.

Die Covid-19-Patienten füllten bald alle Kojen

Doch die Mails der neuen Taskforce kamen nun fast täglich mit neuen Informationen und Anweisungen. Im Verlauf der letzten Wochen bereiteten wir uns für den Ansturm der Coronavirus-Patienten vor. Das Universitätsspital Zürich hat sechs Intensivstationen mit unterschiedlichen Fachgebieten. Eine erste Intensivstation wurde zur Isolationsstation ausgerüstet. Als dort die Isolationskojen mit Covid-19-positiven Patienten belegt waren, wurde die ganze Station in eine Isolationseinheit umgewandelt.

Die letzten Tage nun waren sehr dynamisch. Wir nahmen viele Patienten auf und mussten andere schnell verlegen. So, dass wir immer genügend freie Betten hatten für neue Fälle. Nebst den Coronapatienten haben wir ja noch andere, schwerkranke Menschen.

Eine alte, für Renovationen geleerte Intensivstation wurde im Eiltempo wieder in eine funktionsfähige Station umgewandelt. Dorthin werden wir die nächsten Covid-19-Patienten bringen, wenn die erste Station voll ist. Jede der sechs Intensivstationen muss dafür drei freiwillige Pflegepersonen bereitstellen. Danach würde als dritte meine Intensivstation zur Covid-19-Zone. Unsere Küche, also der Aufenthaltsraum, wurde ausgeräumt und in einem anderen Raum wieder aufgebaut. Sogar das Waschbecken wurde ummontiert. Schleusen wurden entwickelt, Schulungen durchgeführt.

Geräte aus den Operationssälen für die Kranken

Parallel wurde der Nordtrakt mit weiteren 40 Betten und Beatmungsgeräten aufgerüstet. Die Beatmungsgeräte stammen aus der Anästhesie, beziehungsweise aus den Operationssälen, wo nun nur noch überlebenswichtige Operationen durchgeführt werden. Diese Bettenplätze werden mehrheitlich von den Anästhesiepflegern betreut.

Das klingt im ersten Moment gut, jedoch sind all die zusätzlichen Betten und Patienten mit der gleichen Anzahl Intensivpersonal zu bewältigen. Doch wir bekamen Hilfe von Medizinstudenten im 6. Semester. Diese haben sich freiwillig gemeldet, da sie momentan keine Uni haben. Sie wurden durch unsere Berufsbildner eingeführt und arbeiten jetzt schon an den Betten. Ich bin wirklich beeindruckt, wie schnell das alles ging.

Angespannt in der Ungewissheit

Momentan ist die Situation unter Kontrolle. Wir haben genügend freie Betten. Aber wir machen uns mehr Sorgen als zu Beginn. Denn wir sehen auch, dass es auch junge Personen gibt, welche auf der Intensivstation landen und mit dem Virus infiziert sind.

Wir sind angespannt, weil wir nicht wissen, wann es wirklich losgeht. Und wenn, wie hart wird es? Niemand kann das beantworten. Unsere Ärzte sind der Meinung, dass noch viele Patienten kommen werden. Wir machen uns bereit, Überstunden zu leisten und zu tun, was nötig ist, damit die Kranken wieder gesund werden.»

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