Tierwelt
Im Zoo gibts eine Giraffe für Löwen – in der Wildnis ist es noch viel brutaler

Die Empörung war gross, als im Zoo Kopenhagen das überzählige Giraffen-Junge Marius getötet und den Löwen verfüttert wurde. Wenn es um ihre Nahrung geht, verfahren viele Tiere noch brutaler und geschmackloser.

Walter Schmidt
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In Zoo gibts Giraffe für Löwe – in der Wildnis ist es noch viel brutaler
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Frischhalten: Oft lähmen Wespen ihre Beute.HO
Der Maulwurf lagert lebende Würmer ein.HO

In Zoo gibts Giraffe für Löwe – in der Wildnis ist es noch viel brutaler

In den Savannen Afrikas zerrt der Leopard nicht ganz verzehrte oder vorsorglich erbeutete Tiere in die Kronen von Akazien und frisst in den Tagen darauf immer wieder davon, ohne im Astwerk von Löwen oder Hyänen gestört zu werden. Dass sein Beutefleisch in der Hitze mürbe wird und dabei einen Hautgout entwickelt, scheint ihn nicht sonderlich zu stören. Als Feinschmecker muss er dadurch allerdings noch lange nicht gelten.

R.I.P: Marius

Die Tötung des eineinhalb Jahre alten Giraffenkalbs in Kopenhagen hat für öffentlichen Unmut gesorgt. Marius war nicht nur kerngesund, er wurde vor den Augen von Zoobesuchern - darunter Kindern - zerlegt. Nach der Tötung erhielt Zoodirektor Bengt Holst Morddrohungen. Der Zoo hatte die Massnahme mit den Regeln der EAZA begründet, wonach Inzucht bei Giraffen vermieden werden muss. Nun erwägt auch ein anderer dänischer Tierpark die Tötung einer gesunden Giraffe. Das im Jyllands Park Zoo in Jütland lebende Tier heisst zufällig ebenfalls Marius. Das Tier sei uninteressant für den Zoo geworden, weil seine Gene bereits im Europäischen Programm für gefährdete Arten vorhanden sind. (SDA)

Einen Kopfring kürzer

Der Europäische Maulwurf macht seine Beute sogar haltbar. Auf die nahrungsärmeren Wintermonate bereitet sich der schlecht sehende Tunnelbohrer auch dadurch vor, dass er Regen- und Ringelwürmer in seiner Erdhöhle einlagert. Denn der Maulwurf hält keinen Winterschlaf, auch wenn er Atemfrequenz und Körpertemperatur senkt und dadurch Energie spart. Fressen muss er jedoch immer wieder einmal etwas.

Am liebsten lässt er sich rechtzeitig gesammelte Würmer schmecken. Diesen hat er gleich beim Einlagern die ersten Kopfringe abgebissen, damit sie zwar weiterleben und schön frisch bleiben, aber nicht wegkriechen. Fluchtunfähig liegen sie dann «in seiner Speisekammer, bis sie gefressen werden», sagt Eva Goris, Sprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. Zusätzlich sammelt er noch intakte Frischkost: Würmer, die sich vor dem Bodenfrost in tiefere Erdschichten verkrümelt haben und dort häufig in eine Art Kältestarre gefallen sind.

Auf Lebendkonserven setzen auch die Gemeine Sandwespe und mit ihr verwandte Arten: Sie lähmen die Raupen von Schmetterlingen mit einem Stich, wodurch ihre Beute nicht nur leichter zu transportieren ist, sondern ausserdem «als Nahrung für die Larven lebend konserviert wird», sagt der Zoologie-Professor Ragnar Kinzelbach von der Universität Rostock. So bleiben sie in der kurz zuvor gegrabenen Neströhre eine Zeit lang frisch.

An jede angeschleppte Raupe legt die Gemeine Sandwespe ein Ei, aus dem die Larve erst noch schlüpfen muss, woraufhin sie sich gleich ans Fressen machen kann. Sollte sich eine herantransportierte Raupe noch regen, bevor die Sandwespe die Neströhre mit Steinchen verschlossen hat, sticht das Insekt die Raupe ein zweites Mal und spritzt dabei erneut ein Betäubungsmittel in ihr Opfer.

Eine besondere Sandwespen-Art pikst ihr Raupen-Opfer sogar neunmal mit chirurgischer Präzision in verschiedene Körperringe und lähmt sie so mit wahrer Könnerschaft. Zusätzlich beisst sie der Raupe in den Kopf und presst diesen mit ihren Kieferzangen zusammen. So stellt sie vollends sicher, dass die Raupe sich nicht mehr bewegen kann.

Sie beissen ihnen alle Beine ab

Ähnlich wirkungsvoll verfahren auch Dolchwespen, die es auf Käferlarven abgesehen haben. Die Fluginsekten stechen ausgegrabene Engerlinge nur in solche Nervenknoten auf der Körperunterseite, die für die Fortbewegung der Larve nötig sind, und lähmen die motorischen Zentren anschliessend sehr gezielt mit einem dauerhaft wirkenden Nervengift.

Kurzen Prozess macht die in Mitteleuropa lebende Tönnchenwegwespe mit ihrem Larvenfutter. Sie überfällt Sack- und Glattbauchspinnen, injiziert diesen ein lähmendes Gift und beisst ihnen zusätzlich einen Grossteil oder gar alle der acht Beine ab, vor allem bei grösseren Spinnen. Dann schleppt sie ihre Beute in tonnenförmige Brutzellen aus Lehm, die sie zuvor an versteckten Stellen unter Holzbrettern oder in leeren Schneckengehäusen befestigt hat.

Die in Mitteleuropa ebenfalls heimische Bleigraue Wegwespe hingegen hat sich auf Wolfsspinnen spezialisiert. Wie die Tönnchenwegwespe beisst auch sie ihrer Beute oft vorsorglich die Beine ab, damit die Spinne sich nicht aus den eigens verschlossenen Erdnestern befreien kann, sollte sie vor der Zeit aus dem Betäubungsschlummer erwachen. Auch hier «leben die Larven der Wegwespen dann von diesem Futtervorrat, bis sie sich verpuppen», sagt der Biologe und Spinnen-Fachmann Theo Blick.

Die eingespritzten Nervengifte dienen in allen Fällen dazu, die Raupen oder Spinnen zwar an der Flucht zu hindern, jedoch nicht zu töten. Denn so leben die todgeweihten Beutetiere weiter, und dies bedeutet: Ihr eigenes Immunsystem ist noch aktiv und verhindert, dass der Spinnenkörper von Pilzen und Bakterien zersetzt wird und so als Nahrungsquelle für die Wespenlarven ausfällt. Diese fressen ihr bewegungsunfähiges Futter nach und nach auf, also bei lebendigem Leib.

Betäubungsgift in die Brust

Der Europäische Bienenwolf trifft sehr spezielle Vorkehrungen, damit seine gelähmte Beute in den Brutkammern nicht vergammelt, bevor sich die Larven daran gütlich tun können. Die Weibchen jagen in Mitteleuropa Honigbienen und bestücken jede ihrer Brutkammern, die sie in sonnige Steilwände graben, jeweils mit mehreren davon. Obwohl die Bienen nach dem Betäubungsstich in die Brust noch leben, würden sie wegen der hohen Temperaturen und der immensen Luftfeuchte in den Bruthöhlen schon nach wenigen Stunden von Schimmelpilzen befallen.

Deshalb beleckt das räuberische Insekt die Bienen ausgiebig und benetzt sie so mit seinem Speichel, wie der Regensburger Ökologe Erhard Strohm herausfand. Das Speichelsekret enthält Fette, die bewirken, «dass auf der betäubten Biene fast kein Wasser kondensiert». Und das wiederum behindert das Wachstum von Schimmelpilzen über Tage hinweg so erheblich, dass die Bienen von den Bienenwolf-Larven quasi frisch gefressen werden können.

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