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Handys bekommen Falten – doch wird sich die neue Technologie wirklich durchsetzen?

Premiere: Samsung-CEO Dong Jin Koh hat diese Woche ein faltbares Smartphone vorgestellt. Andere Hersteller werden nachziehen.

Premiere: Samsung-CEO Dong Jin Koh hat diese Woche ein faltbares Smartphone vorgestellt. Andere Hersteller werden nachziehen.

Seit es Smartphones gibt, sehen sie ziemlich gleich aus. Faltbare Displays könnten das nun ändern. Ob sie sich durchsetzen, ist aber alles andere als klar

Vor gut zehn Jahren hat das Smartphone unsere Welt verändert. Die Geräte selber jedoch sind seither zumindest äusserlich ziemlich gleich geblieben. Klar, ihre Bildschirme sind gewachsen, und sie sind flacher geworden: Jahr für Jahr vielleicht einen halben Millimeter. Doch das ist Nebensache, wenn man bedenkt, dass nun die grösste Entwicklung ansteht seit der Geburt des Smartphones: die Displays werden faltbar.

Das bietet für Designer neue Möglichkeiten: Handys lassen sich platzsparend zusammenklappen oder zu Tablets entfalten. Oder man kann sie sich wie einen Armreif ums Handgelenk wickeln. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. In einem Konzept-Video eines Herstellers besteht das Smartphone nur noch aus einem Bildschirm, der sich stets der Grösse anpasst, die man gerade braucht.

Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg. Doch 2019 ist das Jahr, in dem die ersten Falthandys von namhaften Herstellern auf den Markt kommen.

Glas würde brechen

Diese Woche hat Samsung gleichzeitig in London und San Francisco das Galaxy Fold präsentiert. Huawei dürfte bald folgen. Und auch vom anderen grossen chinesischen Hersteller, Xiaomi, ist in den kommenden Monaten ein faltbares Gerät zu erwarten. Ein neu eingereichtes Patent von Apple lässt vermuten, dass auch das iPhone dereinst zusammengefaltet werden kann.

Voran schreitet Samsung: Am 26. Mai kommt mit dem Galaxy Fold das erste faltbare Gerät eines namhaften Herstellers auf den Markt. In zusammengefaltetem Zustand ist es ein Smartphone mit einem 4,6-Zoll-Bildschirm. Klappt man es wie ein Buch auf, kommt im Innern ein 7,3-Zoll-Bildschirm zum Vorschein, und man hält ein kleines Tablet in der Hand. Dank der neuen Falttechnologie wird der Bildschirm nicht durch ein hässliches Scharnier getrennt, sondern präsentiert sich als ganzheitliche Fläche. Da Glas dabei brechen würde, kommt eine knickbares Polymer zum Einsatz.

Wie beim 3D-TV?

Samsung ist überzeugt, dass so die Zukunft des Smartphones aussieht. Die variable Display-Grösse macht durchaus Sinn, sind doch die Menschen so von ihren Smartphones eingenommen, dass der Bildschirm eigentlich nicht gross genug sein kann. Doch wenn man das Gerät in die Hosentasche schiebt oder es im Gehen mit einer Hand bedienen möchte, sollte es eben kleiner sein. Dieses Dilemma sollen die Foldables lösen.

Ob sie es können, ist allerdings alles andere als gewiss. Die Meinungen sind geteilt: Die Frage sei nicht, ob faltbare Smartphones die Zukunft seien, sondern nur wann, sagt etwa der Analyst Patrick Moorhead gegenüber dem Tech-Portal «The Verge». Anders sieht das Christopher Mims, Tech-Kolumnist beim «Wall Street Journal». «Faltbare Telefone sind die 3D-TVs der mobilen Welt», proklamiert er.

Einst glaubte man auch von diesen Geräten, sie seien die Zukunft des Fernsehers. Und eine ganze Branche setzte ihre Hoffnung und Energie in sie. Doch die Nutzer wollten sie nicht.

Sicher ist, dass es für die Entwickler alles andere als trivial ist, ganze Handys zu falten. Das zeigt die lange Entwicklung. Erste Konzepte von faltbaren Bildschirmen wurden an Technik-Messen schon vor zehn Jahren gezeigt. Doch ein Display ist eben noch kein ganzes Gerät. Dem Vernehmen nach arbeitet Samsung schon seit 2012 intensiv an einem Foldable – der Veröffentlichungstermin wurde immer wieder verschoben.

Die Schwierigkeiten, mit denen sich Ingenieure und Designer bei der Entwicklung eines faltbaren Geräts herumschlagen müssen, kann man beim Flexpai des chinesischen Start-ups Royole beobachten. Es kam bereits Ende 2018 auf den Markt und kann sich rühmen, das erste Foldable zu sein. Doch punkto Qualität wurde dem Falt-Handy wenig positive Kritik zuteil. Der Faltmechanismus lässt jegliche Eleganz vermissen, und zusammengefaltet ist das Handy über 1,5 Zentimeter dick.

Ersteres wird Samsung zweifellos besser machen. Doch was die Dicke angeht, stösst auch der Elektronik-Riese an physikalische Grenzen. Die genauen Masse hat Samsung zwar noch nicht bekannt gegeben, doch aus der Ferne sieht das zusammengeklappte Gerät aus, als lägen zwei herkömmliche Smartphones übereinander.

2000 Dollar für das Fold

Die Technologie im Innern braucht nun mal Platz. Und wenn auch alles kleiner wird, so scheint man bei den Akkus doch allmählich an eine Grenze gestossen zu sein. Was bedeuten könnte, dass die Foldables auch im Laufe der nächsten Jahre nicht viel dünner werden dürften. Und mal angenommen, das wäre doch der Fall: So stellt sich für den Kunden dennoch die Frage, ob er lieber ein Falt-Handy oder einfach ein halb so dünnes und halb so schweres herkömmliches Smartphone möchte.

Kompromisse sind bei der neuen Gerätekategorie ganz bestimmt unausweichlich. Ausserdem sind die neuen faltbaren Smartphones zumindest in der ersten Generation alles andere als günstig. 2000 Dollar wird das Galaxy Fold aller Voraussicht nach kosten. Die Stückzahl soll begrenzt sein.

Anfangs wird es dafür also bloss einen Nischenmarkt geben. Dennoch setzt die Branche langfristig darauf. Denn die Hersteller haben mit rückläufigen Absätzen zu kämpfen. Weltweit wurden 2018 vier Prozent weniger Smartphones verkauft als im Jahr zuvor. Die Nutzer sind nicht mehr bereit, ihre Mobiltelefone ständig zu erneuern. Das liegt auch daran, dass die Entwicklungsschritte Jahr für Jahr kleiner geworden sind.

Als Handys noch Natels waren

Während sich die Geräte der verschiedenen Hersteller insbesondere im Premium-Bereich stetig angeglichen haben, dürften die faltbaren Displays in Zukunft für mehr Formvielfalt sorgen. Das deutet sich bereits an.

Während das Samsung Fold das Display nach innen faltet und für den Smartphone-Modus einen zweiten Bildschirm nutzt, setzt der Hersteller Xiaomi auf eine doppelte Falttechnik. Das Gerät wird sowohl links als auch rechts eingeklappt, und zwar so, dass der Bildschirm aussen liegt und das Telefon ganz umhüllt.

Und wer bei Falt-Smartphone an die Klapphandys mit Tastatur denkt, die in den frühen Nul- ler-Jahren populär waren, als Handys noch Natel hiessen und in ihrem Erscheinungsbild heterogener waren, liegt nicht ganz falsch. Motorola plant offenbar bereits eine Neuauflage des Modells Razr aus dem Jahr 2003: Ein längliches Smartphone, das man nach dem Gebrauch wie einen Schminkspiegel zusammenklappt.

So weit ist die Konkurrenz von Samsung

Es ist das erste Smartphone mit einem faltbaren Display, das es bereits zu kaufen gibt: Das Flexpai des Start-ups Royole wurde Ende 2018 lanciert und kostete 1388 Dollar. Der aufgeklappte Bildschirm wird zwar nicht durch ein hässliches Scharnier oder dergleichen in der Mitte getrennt, sondern bietet eine zusammenhängende glatte Fläche. Die klobige Faltkonstruktion sieht aber etwas abenteuerlicher aus. Das Massenpublikum lässt sich davon wohl kaum begeistern.

Bei Huawei dürfte es nächsten Monat soweit sein: Zu erwarten ist, dass der Tech-Riese aus China noch dieses Frühling ein faltbares Gerät zeigt. Der Konzept-Entwurf (siehe Bild unten; Quelle: letsgodigital) mit dem komplett randlosen Display sieht atemberaubend aus. Ob sich die Verkaufsversion aber davon unterscheidet, ist noch unklar. Klar hingegen, ist dass das Gerät mit einem 5G-Chip ausgeliefert wird.

Einen Release-Terim hat Xiaomi noch nicht bekanntgegeben, aber ein Video eines faltbaren Smartphones ins Netz gestellt: Darin zu sehen ist der Mitgründer des chinesischen Smartphone-Herstellers, wie er auf einem Tablet ein Video sieht, ehe er es zu einem Handy zusammenfaltet. Es wird sich dabei zwar erst um einen Prototypen handeln, interessant ist aber die Falttechnik: Das Gerät wird sowohl links als auch rechts eingeklappt, sodass der Bildschirm rundum das Gerät herumgeht.

Wer erinnert sich noch an das Klapphandy von Motorola? 2003 lancierte der US-Hersteller das Razr, bei dem sich Bildschirm und Tastatur auseinanderklappen liessen. Nun soll die Neuauflage mit einem faltbaren Display erscheinen. Während die anderen Hersteller demonstrieren, wie sich ein Tablet zu einem Smartphone falten lässt, zeigt Motorola die platzsparende Variante: Ein Smartphone wird wie ein Schminkspiegel nach Gebrauch zusammengeklappt und verstaut.

Und Apple? Es ist nicht zu erwarten, dass das faltbare iPhone bereits 2019 erscheint. Es passt zu Apple, erst einmal abzuwarten und aus den Fehlern der anderen zu lernen, ehe man selber ein faltbares Gerät lanciert. Dass hinter der Kulisse daran gearbeitet wird, ist klar. Auch hat Apple Patente für den Faltmechanismus eingereicht.

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