Wer schon einmal eine Farbdrucker-Patrone in der Hand hatte, kann sich bestimmt an den exotischen Farbnamen erinnern. Genau: Magenta. Zusammen mit Schwarz, Gelb und Blau kann der Drucker damit jede Farbe mischen. Dieses Magenta, das wir höchstens fürs Kinderzimmer in unseren vier Wänden einsetzen würden, macht nun Furore als politische Farbe. Nicht nur die FDP in Deutschland, auch die Grüne Partei der Schweiz haben sie auf ihren neuen visuellen Auftritt gehievt. Warum ausgerechnet Magenta?

Vielleicht deshalb, weil es eine Farbe ist, die sich vor allem über Abgrenzung erklärt. Sie unterscheidet sich von Rosa, weil ihr kein Weiss beigemischt ist. Sie vereint zwar wie das Violett die Farben Rot und Blau, tendiert allerdings stärker in Richtung Rot. Pink können Farbanfänger nur dann für Magenta halten, wenn sie übersehen, dass Pink ein stark gesättigtes Rosa ist. Von Magenta spricht man allerdings meist nur im Zusammenhang mit der Druck- oder Lichttechnik. Denn Magenta ist keine Spektralfarbe. Das heisst, sie kann keiner einzelnen Wellenlänge zugeordnet werden und muss daher aus Rot und Blau gemischt werden.

Von Fuchsia zu Magenta

Dafür fällt sie auf, ja sie schreit geradezu: «Hallo, da bin ich!». Nicht ganz so penetrant und plakativ wie ein sattes Rot, aber doch unübersehbar. Dieses Auftrumpfen passt zur Geschichte der Farbe, die mit ihren 156 Jahren verhältnismässig jung ist. Trotz Blüten wie denen der Malve gibt es in der Natur nämlich keinen magenta-farbenen Farbstoff oder ein entsprechendes Pigment. Erfinder ist François-Emmanuel Verguin, der die Farbe zunächst Fuchsia nannte und in Magenta umtaufte, als die französische Armee nahe der gleichnamigen italienischen Stadt die österreichischen Truppen besiegte.

«Magenta ist das Schlimmste, was man machen kann», meinte der deutsche Farbforscher Axel Venn in einem Interview im Zusammenhang mit der Telekom-Werbung, die den Farbton in Deutschland seit Jahren besetzt. «Das bedeutet Verrat.» Ganz anders schätzt Patrick Crivellari die Farbe ein: «Sie wirkt verjüngend und modisch und sie widerspiegelt auch ein bisschen die poppigen 1980er-Jahre», findet der Art Director der Werbeagentur Schaerer + Partner in Baden.

Magenta zur Profilschärfung

Dass die auffallende Farbe nun das politische Parkett erobert, mag wohl genau mit dieser Polarisierung zusammenhängen. Man könnte sagen, dass Magenta zur Profilschärfung dient in Zeiten politischen Einheitsbreis. Vielleicht aber ist es schlicht eine Notwendigkeit. «In der Politik sind viele Farben schon besetzt, da ist es schwierig mit einer neuen Farbe aufzutreten», betont Crivellari.

Gerade weil die Aussage einer Farbe so wichtig ist, drängt sich ein Blick auf die psychologischen Eigenschaften auf, die Farbpsychologen mit der Farbe verbinden. Auf der einen Seite steht sie für Idealismus, Dankbarkeit und Mitgefühl, auf der anderen Seite für Arroganz und Herrschsucht. Und gleichzeitig soll Magenta disharmonische Schwingungen ausgleichen sowie Harmonie und Ruhe, aber auch Glückseligkeit, Kummer und Melancholie ausstrahlen. Eine ziemlich breite Palette.

Die Grünen haben mit der Farbwahl zumindest ihr Ziel erreicht, Frische und Dynamik in ihren Werbeauftritt zu bringen. Vielleicht aber hatten sie einen ganz anderen Fokus im Vordergrund: Magenta ist nämlich die Komplementärfarbe zu Grün. Ob sie dabei auch inhaltlich eine Kehrtwende vollziehen wollen, wird sich spätestens im Wahlkampf zeigen.