Wenn sich in den nächsten Tagen am Davoser WEF die mächtigsten Politiker und Wirtschaftsbosse der Welt treffen, kann es gut sein, dass an den zahlreichen Konferenzen, After-Partys oder privaten Meetings plötzlich zerfranste Freundschaftsbändchen oder Hightech-Gadgets aus den Jacket-Ärmeln hervorblitzen. Schliesslich hat der Mann im Anzug nicht besonders viele Möglichkeiten, seine modische Persönlichkeit auszudrücken.

Bisher bot ihm einzig die Krawatte eine gewisse Freiheit, eine individuelle Note ins Outfit zu bringen. Nun aber hat der modisch ambitionierte Mann eine neue Körperstelle entdeckt: das Handgelenk. Und hier toben sie sich nun immer öfter aus. «Damit kann man zweifellos dem eigenen Look mehr Persönlichkeit verleihen», betont auch Stil-Experte Jeroen van Roojen. «Aber es erfordert einiges Können.»

Dieses Phänomen konnte man erstmals während der Männermodeschauen in Mailand und Paris feststellen, nun ist es längst auf andere Städte übergesprungen und auch in der Schweiz immer öfter sichtbar. So posierte Unternehmer Philipp Gaydoul kürzlich für das Magazin «Bolero» im Anzug und Freundschaftsbändchen am Handgelenk. Der Davoser Hotelier Ernst Wyrsch trägt zum Beispiel ein Magnet-Armband. Wir stellen zehn Varianten dieses Handgelenk-Schmucks vor und verraten, was sie über ihre Träger aussagen.

Goldkettchen

Noch immer haben die Goldketten das Mafioso- und Zuhälter-Image – je protziger und grösser, je verruchter. Männer brauchen deshalb sehr viel Fingerspitzengefühl, wenn sie so etwas tragen wollen. Dabei gibt es mittlerweile ganz elegante Varianten. Hier gilt definitiv: Weniger ist mehr.

Jeroen van Roojen: Eher etwas für Südländer, dann aber bitte mit Kruzifix. An blassen Schweizern eher ein bisschen schmierig.

Silvia Schaub: Wer damit nicht wie ein Macho wirkt, hat wirklich Stil.

Freundschaftsbändchen

Die Träger der farbigen, oft von irgendjemandem selbst geknüpften, Bänder sind der Studentenszene zwar längst entwachsen. Trotzdem lassen sie die Bändchen auch als Unternehmer oder Banker am Handgelenk. Damit signalisieren sie: Ich bin auch ein Privatmensch und habe Freunde – oder sogar Kinder, die mir das Band geknüpft haben. Deshalb muss ich es tragen, bis es abfällt.

Jeroen van Roojen: Ein liebenswertes, harmloses Accessoire, eher etwas für die zarteren bzw. liebenswerteren Typen.

Silvia Schaub: Da stecken wahre Romantiker dahinter, die ihre sensible Seite diskret zeigen.

Gummi-Armbänder

An sich ist die Zeit dieser Solidaritätsbekundung längst abgelaufen – zumindest im Falle von Lance Armstrong, der die gelben Silikonbänder als einer der Ersten lancierte. Doch sie sind nicht kleinzukriegen und tauchen immer wieder auf, wenn es um Charity-Anliegen geht. Die Männer zeigen damit, dass sie sozial engagiert sind und Geld spenden – auch wenn es nur ein Franken ist für ein Gummiband.

Jeroen van Roojen: Das hat sich gründlich entzaubert, dieser Marketingschmarren!

Silvia Schaub: Ein bisschen fantasielos, seine Spendierfreudigkeit auf diese Art zu präsentieren.

Technikarmbänder

Sie zeichnen alles auf, was der Mann den lieben langen Tag geleistet hat: Schritte, Schlafqualität, Bewegungsverhalten. Manche dieser Technikgadgets warnen auch, wenn man zu lange sitzt. Ein Spielzeug für den Mann, das ihn anspornt, gegen sich selbst in den Wettkampf zu treten.

Jeroen van Roojen: Ein bisschen freaky und nerdy, aber spannend. Sieht zwar blöd aus, aber spornt an.

Silvia Schaub: Da verstecken sich Egomanen und Narzissten dahinter, die lieber ihre persönlichen Rekorde jagen und dafür das Umfeld vergessen.

Manschettenknöpfe

Ein Klassiker, der sich über Jahrhunderte gehalten hat und auch heute noch nichts von altmodischer Allüre haben muss. Sie zeugen vielmehr vom Fingerspitzengefühl ihrer Träger. Denn damit kann man sich ein persönliches Markenzeichen geben und viel Individualität in seinen Look bringen.

Jeroen van Roojen: Toll und zeitlos gut, eine Möglichkeit, in ein perfektes Outfit einen kleinen Akzent zu bringen.

Silvia Schaub: Für Männer mit Klasse und Modebewusstsein, die an einem kleinen, diskreten Ort, auch mal ein bisschen Humor und Ironie zeigen.

Uhren

Bislang waren sie neben den Manschettenknöpfen lange das einzige Accessoire, womit Männer sich schmückten. Aber nur um die Zeit abzulesen, trägt man sie heute längst nicht mehr. Egal ob mit einer IWC oder einer Swatch – Mann gibt damit ein Statement ab. Ein Accessoire, mit dem man sich positionieren und kommunizieren kann.

Jeroen van Roojen: Nach wie vor der wichtigste Schmuck. Neben der klassischen, mechanischen Luxusuhr sieht man auch vermehrt wieder Plastik-Quarzuhren, vor allem bei Avantgardisten, die den ganzen orthodoxen Retro-Stil der Luxusmarken müde sind.

Silvia Schaub: An der Uhr des Mannes lässt sich ablesen, ob er zum Aufschneider oder Gebrauchsmensch tendiert, ob er auf Understatement macht oder über Leidenschaft verfügt.

Lederarmbänder

Mit Lederarmbändern kann man eigentlich wenig falsch machen, solange sie einigermassen gepflegt aussehen und nicht schon das halbe Leben erzählen. Wer ein modisches Statement abgeben möchte, sollte sie wie Johnny Depp als breite Ledermanschette tragen. Totenköpfe sind tabu.

Jeroen van Roojen: Cool, kernig und maskulin, kann einem Outfit einen leicht romantischen Dreh geben. Am schönsten geflochtenes Leder und Silberverschlüsse.

Silvia Schaub: Männer, die auf Nummer sicher gehen. Solange die rebellische Ader nur am Handgelenk durchblitzt – kein Problem.

Magnetarmbänder

Dieses Accessoire, das den Energiefluss beeinflussen oder elektromagnetische Störfelder verhindern soll, taucht oft auf, obwohl es eigentlich nur eines signalisiert: Ich fühl mich nicht wohl in meiner Haut. Immerhin gibt es inzwischen Modelle, die man nicht auf den ersten Blick als solchen esoterischen Plunder erkennt.

Jeroen van Roojen: Dies bitte nur, wenn man auch eine aufgerollte Yoga-Matte unter dem Arm trägt.

Silvia Schaub: Hände weg vor diesen Männern, die ihre eigene Balance noch nicht gefunden haben.