Rauchen

Zürcher Uni-Professor schreibt umstrittene Studie für Tabakindustrie

So sieht das «Plain Packaging» aus.

So sieht das «Plain Packaging» aus.

Eine neue Studie kommt zum Schluss, dass Zigarettenschachteln ohne Firmenlogos, dafür mit Warnhinweisen und abstossenden Bildern, Minderjährige nicht wie gehofft vom Rauchen abhalten. Bezahlt wurde die Studie vom Tabakgiganten Philip Morris.

Rauchen ist die Nummer eins unter den vermeidbaren Todesursachen. Eine Massnahme im Kampf gegen die Nikotinsucht liegt in der Gestaltung der Zigarettenpackungen. Diese sollen nach dem Konzept «Plain Packaging» jeglichen ästhetischen und mit den Zigarettenmarken verbundenen Reiz verlieren und im besten Fall abschreckend wirken.

Beim «Plain Packaging» wird auf das Firmenlogo und andere gestalterische Details verzichtet, die Schachtel wird zur Leinwand für abschreckende Bilder, welche die gesundheitlichen Folgen des Rauchens dokumentieren. 

Michael Wolf, Professor der Universität Zürich und sein Kollege Ashok Kaul von der Universität des Saarlandes haben die Auswirkungen dieses Verpackungsdesigns untersucht. Australien hat diese radikale Massnahme 2012 eingeführt, um vor allem Jugendliche zu schützen.

Gemäss der Studie der beiden Professoren gebe es keinerlei Beweise dafür, dass neutrale Verpackungen das Rauchverhalten von australischen Jugendlichen beeinflussen würde, wie der «Beobachter» berichtete. Die Studie wurde im Frühling 2014 an der Uni Zürich als «Working Paper» publiziert.

Pikant: Finanziell möglich gemacht hat diese Studie einer der grössten Tabakkonzerne der Welt: Philip Morris. Die Forscher betonen ihre Unabhängigkeit und Objektivität, ihre Studie wird jedoch von Tabakpräventionsspezialisten als nicht aussagekräftig bezeichnet, die angewandten Methoden und die analysierten Daten werden heftig kritisiert.

Die Universität Zürich sieht kein Problem darin, dass einer ihrer Professoren im Auftrag der Tabakindustrie forscht und weist darauf hin, dass Philip Morris keinen Einfluss auf den Inhalt des «Working Paper» genommen habe. Den Vertrag zwischen dem Wissenschaftler und dem Tabakmulti will die Uni jedoch nicht offenlegen.

Für die Universität Zürich besteht bei der Zusammenarbeit zwischen Wolf und Philip Morris kein Problem, die Richtlinien der Universität seien alle eingehalten worden, teilten die Verantwortlichen der Universität dem «Beobachter» mit. Den Vertrag wollen sie aber nicht offenlegen.

Trotz der Kontroverse nutzen Tabakkonzerne die Zürcher Studie als wichtiges Argument gegen neutrale Zigarettenpackungen.

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