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"Wie ein schlaffer Sack"

Wer raucht, ist COPD-gefährdet: Die Lungenkrankheit wird im Kantonsspital Aarau traditionell chirurgisch und neu auch mit minimalinvasiven Techniken behandelt.

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COPD - vor allem Raucher triffts

COPD - vor allem Raucher triffts

W.R. WAGNER / PIXELIO.DE

Die Zahlen sind so eindrücklich wie beklemmend: Rund 400 000 Personen in der Schweiz leiden gemäss Angaben der Lungenliga Schweiz an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, kurz COPD. Diese ist weltweit die vierthäufigste Todesursache.

Für Sarosh Irani, den Chefarzt der Pneumologie am Kantonsspital Aarau, sind diese Zahlen nicht neu. Er verabschiedet eben eine Patientin aus der Sprechstunde: Eine 52-jährige Primarlehrerin, die seit 30 Jahren raucht – «und seit einiger Zeit am Morgen vermehrt hustet und festgestellt hat, dass ihr während der Turnlektion mit den Kindern immer schneller ‹der Schnauf ausgeht›». Der Lungenfunktionstest mit dem Spirometer beim Hausarzt zeigte denn auch: Da liegt was mächtig im Argen.

«70 Prozent sind Raucher»

COPD: Eine typische Raucherkrankheit? «70 Prozent der Betroffenen sind oder waren Raucher», bestätigt Sarosh Irani. Denn: Wer raucht, leitet eine Menge Schadstoffe direkt in die Lunge. Dort zerstören diese Stoffe die Lungenbläschen und das wichtige elastische Stützgewebe, das dafür sorgt, dass die Lunge ungehindert ihre Arbeit machen kann. «Vereinfacht gesagt: Bei einem COPD-Patienten hängt die Lunge wie ein schlaffer Sack im Brustkorb, was den lebenswichtigen Gasaustausch mit Sauerstoff und Kohlendioxid behindert », sagt Sarosh Irani. In der Folge kommt es zu einer Überblähung des Brustkorbs (Lungenemphysem), zu Atemnot und Sauerstoffmangel.

Auch Nichtraucher können – wenn auch deutlich seltener – eine COPD entwickeln. «In Entwicklungsländern beispielsweise sind sehr viele Frauen, die am offenen Feuer kochen, betroffen», weiss Sarosh Irani. In unseren Breitengraden ist dies wohl weniger ein Thema; dafür sind Menschen, die in ihrem Beruf einer starken Belastung mit Staub ausgesetzt sind, gefährdet. Auch erbliche Einflüsse werden diskutiert.

Meist spät diagnostiziert

Erste Anzeichen sind morgendlicher Husten mit Auswurf, zunehmende Atemnot und Erschöpfung bei körperlicher Aktivität. Ein Teufelskreis: «Man bewegt sich weniger, baut Muskeln ab, der überblähte Brustkorb drückt auf den Magen, man isst weniger, verliert Gewicht», zählt Sarosh Irani auf. Bei COPD-Patienten seien auch Herz- und Gefässkrankheiten verbreitet, ebenso Depressionen. «Das Heimtückische ist, dass die Krankheit – wenn sie dann endlich diagnostiziert wird – meist schon sehr stark fortgeschritten ist.»

Heilen lässt sich COPD nicht. «Zerstörtes Lungengewebe bleibt zerstört », bestätigt Sarosh Irani. Doch gibt es Möglichkeiten, das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. «Dabei kommt es vor allem darauf an, welche Bereiche der Lunge in welchem Ausmass geschädigt sind.»

Sofortiger Rauchstopp angezeigt

Bei der eingangs erwähnten Primarlehrerin zeigt das Computertomogramm, dass die traditionelle chirurgische Lungenvolumenreduktion, bei der das am meisten zerstörte Lungengewebe entfernt wird, nicht erfolgversprechend ist. Die Frau wäre – sofern die von Sarosh Irani verordneten Medikamente, die Bewegungstherapie und der sofortige Rauchstopp keine Besserung herbeiführen – eine Kandidatin für die «endoskopische Lungenvolumenreduktion».

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Beim einen Verfahren werden sogenannte «Coils», kleine Drahtspiralen, die sich, wenn losgelassen, zu kugeligen Gebilden spreizen, ins Lungengewebe eingesetzt. Dies wird im Kantonsspital Aarau ganz neu angeboten. Beim anderen Verfahren erhält der Patient mehrere Lungenventile eingesetzt, die mithelfen, den Druckausgleich im Brustkorb wieder herzustellen

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