Psychologie

Sie riss sich ihr halbes Leben lang die Haare aus – diese Krankheit hat einen Namen

Sie riss sich ihr halbes Leben lang die Haare aus – diese Krankheit hat einen Namen

Tatiana Lustrati schildert, wie sie rund 35 Jahre lang unter einem Zwang gelitten hat – und schliesslich Heilung fand

Einen Arztbesuch mit zehn Jahren erlebte Tatiana Lustrati als Übergriff. Das Kind reagierte, in dem es begann, sich die Haare auszureissen. Die heutige 45-Jährige meinte, mit ihrem Leiden allein zu sein. Doch es gibt sogar einen Namen dafür: Trichtotillomanie. Im Beitrag des Gesundheitsmagazins CheckUp erzählt die Betroffene, was ihr schliesslich geholfen hat.

Sie dachte, sie sei allein. «Die einzige Frau auf diesem Planeten, die das hat», sagt Tatiana Lustrati. Mit zehn Jahren begann sie, sich die Haare auszureissen. Zeitweise war dieser Zwang so stark, dass kahle Stellen sichtbar wurden.

Auslöser war ein Arztbesuch, wie die heute 45-Jährige in der Sendung «CheckUp» schildert. Wegen Haarausfalls war sie beim Dermatologen. Dieser riss ihr für Proben drei Kopfhaare aus, wollte der damals Zehnjährigen aber auch Haare in der Schamgegend entfernen.

Ab diesem Moment hatte Tatiana Lustrati den Impuls, sich am Kopf Haare auszureissen. «Ich habe das als Übergriff empfunden», sagt sie. «Das war für mich ganz schlimm.»

Ein Zwang, viele Therapieformen

Heute, fast ihr halbes Leben später, hat sie ihr Leiden überwunden. Denn dieses hat einen Namen. Trichotillomanie nennt sich der Zwang, sich selbst die Haare auszureissen. 

Torsten Spielmann ist ein Schweizer Therapeut, der sich gar auf dieses Krankheitsbild spezialisiert hat. Er therapiert Betroffene unter anderem mit Hypnose – und konnte Tatiana Lustrati von ihrem Zwang befreien. «Bei den meisten Patienten braucht das nur zwei bis drei Sitzungen», so der Therapeut.

Wissenschaftlich erwiesen ist die Wirkung der Hypnose in diesem Fall nicht. «Keine der heutigen Therapieformen ist ein Patentrezept», sagt Michael Rufer, Chefarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Immerhin: «Zur kognitiven Verhaltenstherapie gibt es die meisten Daten und diese zeigen, dass diese Therapieform zu deutlichen Erfolgen geführt hat.»

Vermehrt würden auch Strategien vermittelt, die auf Achtsamkeit basierten. So sollen Betroffene lernen, Emotionen zu kontrollieren und unangenehme Zustände auszuhalten. (smo)

Gesundheitsmagazin CheckUp jeden Montag um 18.20 Uhr mit stündlichen Wiederholungen – auf Tele Züri und Tele M1.

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