Ernährung

Plastik auf dem Brot: Test zeigt, dass praktisch aller Honig Kunststoff enthält

Ob in- oder ausländisch, bio oder nicht: Aus 20 untersuchten Honigsorten enthielten 20 Plastik. Wem nach dem «Kassensturz»-Test der Appetit vergangen ist, hilft eine App weiter.

«Mutter, gib deinem Kinde Honig!», forderte die Honigbranche. Ein Werbespruch, der diese Woche einen unappetitlichen Beigeschmack erhalten hat. Die Konsumentensendung «Kassensturz» präsentierte am Dienstag die Resultate eines Honig-Tests. Der Befund: In allen 20 getesteten Honigsorten aus dem In- und Ausland konnten Plastikteilchen nachgewiesen werden. Für Konsumenten aus der Schweiz, die insbesondere im Schweizer Honig ein Qualitätsprodukt sehen, besonders erschreckend: Gerade der inländische Honig enthielt am meisten Plastik.

Während Plastik im Naturprodukt Honig gewiss nichts zu suchen hat, ist Plastik im Mund teilweise von der Industrie auch gewollt: So wird Mikroplastik in manchen Zahnpastasorten eingesetzt. Auch in anderen Pflegeprodukten wie Duschgels oder Peelingcrèmes werden die Teilchen als Schleifmittel für eine bessere mechanische Reinigung eingesetzt. Beim Duschen oder Zähneputzen gelangen die Mikropartikel in die Kanalisation und später in die natürlichen Gewässer.

Auch Plastikfasern aus der Kleidung finden beim Waschen und Trocknen den Weg in die Umwelt. Die Teilchen verbreiten sich auf den Feldern und Blüten, die Bienen nehmen die winzigen Plastikteilchen auf und transportieren sie in ihren Bienenstock.

Gegenüber dem «Kassensturz» erklärte Imker Richard Wyss, warum im Schweizer Honig mehr Plastik gefunden wurde als in ausländischen Produkten. Um eine höhere Honigqualität zu gewährleisten, seien die Siebe grobmaschiger. «Der Imker will einen naturreinen Honig. Das bedingt, dass der Pollen im Honig gelassen wird. Das Sieb darf also nicht zu fein sein», sagte der Präsident des Vereins Deutschschweizer und Rätoromanischen Bienenfreunde. Sind die Siebe engmaschiger, schlüpfe zwar weniger Plastik durch, dabei werde aber auch der wertvolle Pollen herausgefiltert.

Der Bund sieht im Konsum von Honig keine Gesundheitsgefährdung. Michael Beer vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit sagt, die Konzentration sei gering, «etwa ein Sandkorn pro Kilo». Beer klingt wenig überrascht, wenn er sagt: «Lebensmittel interagieren mit der Umwelt. Dementsprechend finden wir kleinste Teilchen im Honig und auch in anderen Lebensmitteln.» Plastik wurde kürzlich in Deutschland auch im Trinkwasser und in Milch nachgewiesen.

Dass Plastik in grossen Mengen gesundheitsschädigend ist, ist deutlich: Wie der Film «Plastic Planet» zeigt, sterben jedes Jahr etwa hunderttausend Meeressäuger, weil sie Plastikmüll gefressen haben. Ob Plastik in geringer Konzentration gesundheitsschädigend ist oder nicht, ist hingegen umstritten.

Im «Kassensturz» sagte Hans-Peter Hutter, Professor für Umweltmedizin an der Universität Wien, es sei nicht möglich, das Gesundheitsrisiko anhand der heutigen Datenlage seriös abzuschätzen. Man könne weder sagen, Mikroplastik in der Luft und in Lebensmitteln verursache so und so viele Kranke und Tote, noch behaupten, die Teilchen seien harmlos.

Wer trotzdem seine Zähne nicht mit Plastik putzen will und einen Honig auswählen will, der möglichst wenig Plastik enthält, kann dies seit Dienstag mittels einer Gratis-App direkt im Geschäft vor dem Produkteregal tun. Wie an der Kasse scannt die Kamera im Smartphone den Produktecode; die Applikation Codecheck.info zeigt darauf an, ob und in welcher Konzentration Plastik im gecheckten Produkt drin ist. Die App liefert auch Angaben zu Nährwerten und anderen Inhaltsstoffen.

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