Jung geblieben

Noch lange nicht alt: Nach der Menopause fühlt sich Frau deutlich jünger

Studien zeigen, dass ältere Menschen sich deutlich jünger fühlen, als es ihrem Lebensalter entspricht.Thinkstock

Studien zeigen, dass ältere Menschen sich deutlich jünger fühlen, als es ihrem Lebensalter entspricht.Thinkstock

Frauen fühlen sich nach der Menopause elf Jahre jünger, als sie tatsächlich sind. Überraschender noch: Besonders attraktiv fühlen sich Frauen mit Übergewicht

Neugeborene Mädchen in der Schweiz haben heute eine durchschnittliche Lebenserwartung von 85,2 Jahren – so hoch wie in kaum einem anderen Land. Aber auch im Alter von 50 Jahren haben Schweizerinnen laut Bundesamt für Statistik Aussicht auf weitere 35,8 Lebensjahre.

Frauen befinden sich also zum Zeitpunkt der Wechseljahre gewissermassen in ihrem mittleren Alter. Auch nach dem Verlust ihrer Fruchtbarkeit liegt ein Drittel ihres Lebens noch vor ihnen, Jahre, die bewältigt und mit Sinn erfüllt werden müssen. Die meisten schaffen das auch: Selbst, wenn sie bereits Grossmutter geworden sind, haben die meisten Frauen mit dem früheren «Muttchen»-Image dieser Altersgruppe nichts mehr am Hut.

Im Gegenteil: Sie fühlen sich jünger, als sie tatsächlich sind. Und zwar im Schnitt 11 Jahre. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, im Fachblatt «Journal für Psychologie» veröffentlichte Studie. Alexandra Grillitsch und Brigitte Jenull vom Institut für Psychologie der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt haben für die Untersuchung Frauen im Alter zwischen 50 und 85 Jahren befragt. Das Durchschnittsalter betrug 58 Jahre. Der Mittelwert des gefühlten Alters lag jedoch bei nur 47 Jahren.

«Frauen sehen jünger aus»

Für Renate Huch ist dieses Ergebnis keine Überraschung. «Auch ich gehöre zu denen, die sich jünger fühlen, als sie an echten Jahren alt sind», sagt die emeritierte Professorin der Universitäts-Frauenklinik Zürich und fügt hinzu: «Aber wir Frauen fühlen uns nicht nur jünger, wir sehen auch viel jünger aus.»

Huch erlebte am sichtbaren Beispiel der eigenen Familie den ungeheuren Wandel im Leben von Frauen zwischen damals und heute: Als sie vor 76 Jahren getauft wurde, versammelten sich für das Tauf-Foto um das Baby Renate die Mutter (22), Grossmutter (39) und Ur-Grossmutter (69). Ein gleiches Bild stellte die Familie bei der Geburt der ersten Enkelin von Renate Huch nach: Um die drei Monate alte Tara setzten sich die Mutter (36), Grossmutter Huch (damals 65) und die Ur-Grossmutter (87, mittlerweile 99) in Positur. «Die Unterschiede sind bei den Gross- und Urgrossmüttern unglaublich gross», sagt die Wissenschafterin: «Die damalige Oma und Uroma sahen um eine ganze Generation älter aus als wir heute und das, obwohl sie noch viel jünger waren.»

Die Ursachen für diesen augenfälligen Wandel sind vielfältig: Heutige Frauen ernähren sich gesünder, rauchen seltener und leben allgemein in einem grösseren Wohlstand. Renate Huch nennt die berufliche Verankerung als weiteren Grund: «Frauen haben heute einen grösseren Spielraum. Sie können berufliche Aufgaben erfüllen, die von grösserer Bedeutung sind als bei früheren Generationen.» Das erfordert aber auch, dass sie sich pflegen und auf ihr Erscheinungsbild achten.

Ein überraschend deutlicher Unterschied ergab sich in der Klagenfurter Studie zwischen normalgewichtigen und übergewichtigen Frauen. Die Autorinnen berichten, dass sich Frauen mit Übergewicht attraktiver fühlen als Frauen mit Normalgewicht. «Sie fühlen sich möglicherweise wohler in ihren Körpern als zu früheren Zeitpunkten ihres Lebens. Der Druck, dünn zu sein, könnte sich mit zunehmendem Alter verringern», schreiben Alexandra Grillitsch und Brigitte Jenull.

Gleicher Ansicht ist auch Renate Huch: «Einer gängigen Volksweisheit zufolge wandelt sich die Figur der Frauen nach der Menopause entweder in Richtung ‹Typ Ziege› oder in Richtung ‹Typ Kuh›. Im letzteren Fall, wenn die Frau also Pfunde ansetzt, sind die Falten weniger zu sehen – und die Frau fühlt sich einfach schöner.»

Attraktiv dank aktivem Ruhestand

Die Ergebnisse zum gefühlten Alter stimmen mit den Erkenntnissen früherer Studien überein. So ergab eine Befragung der Gesellschaft für Konsumforschung im Jahre 2008, dass sich 73 Prozent der Deutschen etwa neun Jahre jünger einschätzen, als sie sind.

Für ihre 2009 im «Journal of Gerontology: Psychological Sciences» veröffentlichte Studie untersuchten Psychologinnen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung Berlin und der Universität Michigan sechs Jahre lang 516 Berliner Frauen und Männer im Alter von 70 bis 104 Jahren, die an der Berliner Altersstudie teilnahmen. Die Studie kam zum Ergebnis, dass Menschen über 70 Jahre sich durchschnittlich 13 Jahre jünger fühlen, als es ihren Lebensjahren entspricht. Das Überraschende war: An dieser Einschätzung der Berliner Senioren hat sich im Laufe des sechsjährigen Beobachtungszeitraums so gut wie nichts geändert. Ältere Studienteilnehmende berichteten über die Zeit sogar ein vergleichsweise noch jüngeres gefühltes Alter als die Jüngeren.

Der Trend, länger jung zu bleiben, wird sich fortsetzen, davon ist Renate Huch überzeugt: «Die Frauen werden aktiver. Ihre erfolgreich gemeisterten Jahre in Beruf und Familie und ein intensiv gelebter Ruhestand mit Reisen und dem Genuss der Kulturangebote sind alles gute Gründe, um sich selbstbewusst, jung und attraktiv zu fühlen.»

Und dabei immer älter zu werden: In der wohlhabenden und friedlichen Enklave Monaco hat die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen bereits 93,71 Jahre erreicht.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1