Vor 15 Jahren schlug ihr Arzt die IV-Rente vor. «Aber das kam für mich nicht infrage», sagt Dorothée Schupp. 12 bis 17 Migräneanfälle hat die 46-Jährige pro Monat, «manchmal bis zur Bewusstlosigkeit».

Eine Hormonspirale zur Empfängnisverhütung wirkt verlässlich gegen die starke Übelkeit, die Schupp während der Anfälle jahrelang plagte, doch die starken Schmerzen sind geblieben.

Jetzt gibt es Hoffnung, dass auch diese noch verschwinden, zumindest zu einem grossen Teil. Die Pharmakonzerne tüfteln derzeit an neuartigen Medikamenten, die gezielt gegen die Migräne-Auslöser wirken.

Kaum Nebenwirkungen

Der Basler Pharmakonzern Novartis etwa hat im Mai die Zulassung bekommen, sein Medikament «Aimovig» in den USA zu verkaufen. Dorothée Schupp hat an einem wissenschaftlichen Versuch in der Schweiz teilgenommen – auch hier soll das Medikament bald zugelassen werden, die Verhandlungen mit dem Bundesamt für Gesundheit laufen.

Das Medikament ist in zweierlei Hinsicht vielversprechend. Einerseits haben Studien ergeben, dass es die Migränetage bei Betroffenen teilweise um über die Hälfte reduziert. Andererseits ist die Verträglichkeit sehr gut. «Die Nebenwirkungen sind fast nicht vom Placebo zu unterscheiden», sagt der Neurologe Andreas Gantenbein, der den Versuch in der Rehaklinik Bad Zurzach durchgeführt hat.

Das Molekül und die Blutgefässe

Der Schlüssel ist der Botenstoff CGRP. Dieser wird während Migräneanfällen vermehrt nachgewiesen. Der Wirkstoff Erenumab im Medikament Aimovig blockiert dieses Molekül.

Weshalb das so effizient gegen den Migräneschmerz ist, hat das Deutsche Ärzteblatt so beschrieben: «CGRP gehört zu den stärksten vasodilatatorischen Substanzen, was seine Blockade für die Behandlung der Migräne interessant macht. Denn die Schmerzattacken sollten nach einer derzeit bevorzugten Hypothese durch die Vasodilatation von Blutgefässen im Kopfbereich ausgelöst werden.»

Die Zulassung in der Schweiz und der grosse Haken

Andreas Gantenbein rechnet damit, dass das Medikament ab Herbst 2018 auch in der Schweiz erhältlich ist. Für zahlreiche Betroffene könnte das endlich Linderung bedeuten: Rund eine Million Schweizer haben regelmässig Migräne. Gantenbein: «Die Krankheit gehört zu jenen fünf, aufgrund deren die meisten Patientenjahre verloren gehen.» 

Das Ganze hat aber einen grossen Haken: den Preis. 570 Dollar kostet die Behandlung mit dem neuen Medikament  in den USA pro Monat. Grund dafür sind laut Andreas Gantenbein vor allem die hohen Herstellungskosten des Wirkstoffs.

Nach der Frage der Zulassung stellt sich also die Frage der Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Laut dem Gesundheitsmagazin CheckUp kann es deshalb sein, dass die Verfügbarkeit eingeschränkt wird und es nur bei schweren Fällen eine Vergütung gibt. (smo)

Gesundheitsmagazin CheckUp jeden Montag um 18.20 Uhr mit stündlichen Wiederholungen – auf Tele Züri und Tele M1.