Die meisten Menschen gehen erst dann zum Arzt, wenn sie Schmerzen spüren oder etwas Aussergewöhnliches sehen. Das ist im Falle von Krebs oft zu spät. Erkennt man beispielsweise Brustkrebs frühzeitig, ist die Heilungschance 98 Prozent. Diagnostiziert der Arzt den Tumor aber erst spät, sinken die Heilungschancen auf 25 Prozent.

Nun hat ein Forscherteam der ETH Zürich um den Biotechnologen Martin Fussenegger ein Implantat entwickelt, mit dem Krebs schon im Anfangsstadium sichtbar wird. Das könnte Leben retten und die Kosten und Belastungen durch Therapien verringern. Getestet wurde das Implantat bislang an Mäusen und Schweineschwarten. Der Prototyp erkennt die vier häufigsten Krebsarten Prostata-, Lungen-, Dickdarm- und Brustkrebs in einem sehr frühen Stadium, wie die ETH mitteilt. Ein Nachteil des Implantats sei allerdings, dass die Lebensdauer nur rund ein Jahr betrage. Danach müsse es ersetzt werden.

Kalzium als Frühindikator

«Beim Zellimplantat werden genetisch veränderte, mit Algengelatine verkapselte Zellen mit einer Spritze unter die Haut injiziert», erklärt Fussenegger. Sie verbinden sich daraufhin mit den Blutbahnen und messen konstant den Kalziumgehalt, denn ein erhöhter Kalziumwert könnte als Vorbote für eine der vier Krebserkrankungen gelten. Steigt der Kalziumpegel über längere Zeit an, produziert der Körper dank des Implantats den Bräunungsstoff Melanin. Daraus entsteht ein rund fünf Millimeter grosser Leberfleck auf der Haut. Dieser erscheint laut Medienmitteilung lange, bevor der Krebs mit herkömmlichen Methoden erkannt wird.

Der braune Fleck sei aber noch kein Grund zur Panik. Vielmehr ist er ein Warnsignal, das besagt, dass der Betroffene zu Abklärungen zum Arzt gehen sollte. Wer sich von der ständigen Selbstkontrolle gestresst fühle, könne ein Implantat verwenden, dessen Fleck sich nur mit rotem Licht erkennen lässt. In diesem Fall könne der regelmässige Check vom Arzt durchgeführt werden.

«Das Implantat ist für alle Menschen anwendbar», sagt Martin Fussenegger. «Doch es ist besonders empfehlenswert für Leute, die bereits an Krebs erkrankten oder eine familiäre Vorbelastung haben.» Fussenegger bezeichnet die Erfindung als «biomedizinisches Tattoo». Dieses sei auf andere, sich schleichend entwickelnde Krankheiten wie Parkinson oder multiple Sklerose übertragbar. Doch von Tests an Menschen sind die Forscher noch weit entfernt. Bis wir von unseren Leberflecken gewarnt werden, rechnet Fussenegger noch mit mindestens zehn Jahren Forschungs-und Entwicklungszeit.