Was schon länger thematisiert wird, ist nun Realität: Die Swissmedic (Schweizer Arzneimittelzulassungsbehörde) hat ein Gesuch von Blutspende SRK Schweiz genehmigt. Ab Juli dürfen auch schwule Männer Blut spenden. Doch es gibt eine Einschränkung: Sie dürfen nur spenden, wenn sie in den letzten zwölf Monaten vor der Spende keinen Sex mit Männern gehabt haben. Mit dieser Karenzzeit könne das Risiko einer Krankheitsübertragung weiterhin sehr tief gehalten werden, schreibt die Blutspendeorganisation im Newsletter. Bisher kamen Männer, die Sex mit Männern haben, gar nicht infrage. So gesehen ist es eine Lockerung.

Doch das SRK und die Schwulen-Organisation Pink Cross sind dennoch nicht zufrieden. SRK-Direktor Rudolf Schwab findet die Lösung nicht perfekt, er betont wiederholt, es sei lediglich ein Zwischenschritt. Entscheidend müsse das persönliche Risikoverhalten aller sein, nicht die sexuelle Neigung. Dass es nun vermehrt zu Blutspenden kommt, glaubt selbst Schwab nicht.

Doch das SRK wie auch die Swissmedic selbst geben auf Nachfrage an, dass zum jetzigen Zeitpunkt nur diese eingeschränkte Variante eine Chance hatte, von Swissmedic bewilligt zu werden. Also nimmt man halt erst einmal das. Auch Bastian Baumann von Pink Cross sieht die Neuerung als ersten guten Schritt. Doch es sei eher ein symbolischer Akt und ziemlich realitätsfremd: «Keiner verzichtet auf Sex wegen einer Blutspende», sagt Baumann. Er ist mit dem SRK einer Meinung, das Angebot werden nur ganz wenige Homosexuelle nutzen. Pink Cross strebt gleiche Zugangskriterien für alle an.

Baumann stört sich daran, dass «die heterosexuelle Sexualwelt stets als monogam und ideal angesehen wird». Auch dort gebe es One-Night-Stands und Seitensprünge. Übrigens werden auch Heterosexuelle abgewiesen, wenn sie in den letzten 12 Monaten mit wechselnden Partnern Sex hatten. Doch Homosexuelle dürfen gar nicht sexuell aktiv sein. Lukas Jaggi von Swissmedic verteidigt die Zurückhaltung mit der Datenlage: Jede zweite Neuinfektion von HIV betreffe Männer, die mit Männern Sex haben. Die Verteilung sei in dieser Gruppe höher. «Deshalb sind wir sehr vorsichtig bei Änderungen an den Spenderkriterien», sagt Jaggi. Man wolle das Restrisiko so klein wie möglich halten und wäge Risiko und Nutzen ab. Dabei könne man nicht allen gerecht werden.

Dass es nicht darum geht, die Versorgung zu optimieren, darüber sind sich alle einig. Vielmehr sei es ein Signal gegen Diskriminierung. Gerade jetzt vermeldet das SRK eine «ernsthafte Blut-Knappheit». Schuld sei die heftige Grippewelle. In solchen Zeiten wäre das SRK auf mehr Spenden angewiesen.