Allergie

Kältejucken und Staubniesen: Manchmal ist Niesen kein Erkältungszeichen

Niesattacken und eine verstopfte Nase: Auch im Winter kann das auf eine allergische Reaktion hindeuten. Thinkstock

Niesattacken und eine verstopfte Nase: Auch im Winter kann das auf eine allergische Reaktion hindeuten. Thinkstock

Verstopfte Nase und Niesattacken im Winter? Eine Erkältung! Jedoch ist Niesen manchmal kein Erkältungszeichen, sondern eine Reaktion auf Reizstoffe. Wie kommt es dazu?

Verstopfte Nase und Niesattacken im Winter? Kein Wunder, wieder mal eine typische Erkältung, denkt man sofort. Irrtum: Manchmal sind keine Viren Schuld, sondern eine Allergie.

Wie aber merkt man, welches von beidem der Auslöser ist? Eine Erkältung, sagt Jürgen Grabbe, Spezialarzt und Leiter Allergologie am Kantonsspital Aarau, ist meist erkennbar: «Erkältungen sind immer nur vorübergehend und sollten nach 14 Tagen wieder abgeklungen sein.» Nach einigen Tagen werde das Sekret aus der Nase im Allgemeinen gelblich oder eitrig. «Typisch sind auch vorausgegangene Halsschmerzen, ein allgemeines Grippegefühl und ein Husten mit Sekret.» All diese Symptome deuten tatsächlich auf eine ausgewachsene Erkältung hin.

Dauerverstopfte Nase: Allergie

Eine Allergie hingegen zeigt sich darin, dass die Nase dauernd verstopft ist, ohne dass weitere Entzündungszeichen vorliegen. «Auch wenn jemand vor allem im Haus – besonders im Schlafzimmer – von Niesanfällen geplagt wird, wenn das Sekret wässrig ist und statt Abhustens von Sekret ein trockener Reizhusten auftritt, sollte an eine Allergie gedacht werden», sagt Grabbe. Er vermutet dann in erster Linie eine Überreaktion gegen Hausstaubmilben oder felltragende Haustiere wie Katzen, Hunde oder Nagetiere.

«Manchmal drängt sich der Verdacht auf einen Allergieauslöser von selber auf: wenn beispielsweise beim Kontakt mit einem Haustier die Beschwerden deutlich zunehmen», sagt der Spezialarzt. Auch, wenn beim Bettenaufschütteln akute Beschwerden auftreten, zieht er sofort eine Hausstaubmilbenallergie in Betracht. «In vielen Fällen braucht es aber einen Allergietest, um den vermuteten Allergieauslöser zu bestätigen oder ihn überhaupt zu identifizieren.» Im Hausinneren seien felltragende Haustiere und Hausstaubmilben eindeutig die häufigsten Allergene: Nur ein kleiner Teil der Betroffenen hat laut Jürgen Grabbe Probleme mit Schimmelpilzen und Pflanzen in der Wohnung. «Allerdings können Duftlampen, Räucherkerzen oder staubiger Weihnachtsschmuck durchaus Allergie-ähnliche Beschwerden an Nase und Lunge auslösen.» Dabei handle es sich jedoch fast immer um eine sogenannte unspezifische Reizung der Schleimhäute. «Diese kann bei empfindlichen Personen auch durch andere Dinge wie Lagewechsel, heisse Getränke oder scharfe Gerichte ausgelöst werden.»

Bei einer überempfindlichen Nase kann auch kalte Winterluft Niesanfälle hervorrufen und die Nase zum Laufen bringen. «Das ist durchaus keine seltene Erscheinung», sagt Grabbe. Auf eine Erkältung deute das nicht hin. «Im Gegenteil, hört ein solcher Anfall an der Wärme rasch wieder auf und tritt beim nächsten Aufenthalt in der Kälte wieder auf, spricht das eindeutig für einen solchen Mechanismus.»

Eine besondere Art von Allergie, die vorwiegend im Winter auftreten kann, ist eine Überreaktion auf Grippemittel: «Diese enthalten oft Aspirin oder ähnliche entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkstoffe», erklärt Allergologe Grabbe. «Diese können zu Unverträglichkeitsreaktionen wie Nesselfieber, Schleimhautschwellungen oder Asthmaanfällen führen, insbesondere dann, wenn sie im Rahmen eines Virusinfektes eingenommen werden.»

Nüsse und Gewürze: Reizfaktor

Sogar die Weihnachtsbackstube kann einigen zu schaffen machen: Besonders bei Menschen, die auf Birkenpollen allergisch sind, können Hasel- und Erdnüsse eine Nahrungsmittelallergie auslösen, und manche von ihnen reagieren auch nach dem Backen noch auf diese Nüsse. «Im Weihnachtsgebäck sind es selten auch einmal die Gewürze wie Anis oder Koriander, die einzelnen Allergikern Probleme bereiten», sagt Grabbe. Die Behandlung der verschiedenen Allergieformen richtet er zunächst einmal nach den Symptomen: «Angewendet werden sogenannte Antihistaminika, meist in Tablettenform, antiallergische Augentropfen, kortisonhaltige Nasensprays und bei asthmatischen Beschwerden verschiedene Medikamente zum Inhalieren.» Die gleichen Medikamente werden im Übrigen auch bei einer nichtallergischen Überempfindlichkeit der Nasen- oder Bronchialschleimhaut angewendet.

Allergiefrei leben: Schwierig

Eine allergiefreie Winterzeit kann Jürgen Grabbe nicht garantieren, auch wenn man sich noch so umsichtig verhält. Die Empfehlungen des Allergologen richten sich nach der speziellen Allergie der einzelnen Patientinnen und Patienten. «Als Erstes versuchen wir, den entsprechenden Allergieauslöser zu vermeiden oder zu beseitigen.» Für Hausstaubmilben-Allergiker beispielsweise gibt es spezielle Bettbezüge, die helfen, die Belastung mit Milbenallergenen im Schlafzimmer zu reduzieren.

Kaum ist die Weihnachtszeit vorbei, geht für viele ohnehin schon wieder die leidige Pollenzeit los: Hasel und Erle beginnen zwar meistens in den ersten Februarwochen zu blühen. Dies wechselt aber je nach Witterung von Jahr zu Jahr, und Jürgen Grabbe hat die Erfahrung gemacht, dass Betroffene die ersten Beschwerden oft schon im Januar verspüren.

Manchmal jedoch können weder Pollen noch Tierhaare etwas dafür: Wenn trotzdem Viren am Werk sind und das Niesen und Schnupfen ganz einfach eine fiese Wintererkältung anzeigen.

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