Nebenwirkungen

Junge Frau erkrankt nach Krebs-Impfung an Multipler Sklerose

Jessica Mühlethaler ist ein Leben lang auf Medikamente angewiesen.

Jessica Mühlethaler ist ein Leben lang auf Medikamente angewiesen.

Die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) ist umstritten, weltweit sind Fälle mit gravierenden Nebenwirkungen, die meistens das Nervensystem betreffen, bekannt. Der Hersteller des Impfstoffs sieht keinen Zusammenhang.

Jessica Mühlethaler ist eine von vielen jungen Frauen, die sich mit dem Impfstoff «Gardasil» gegen humane Papillomaviren (HPV) impfen liess. Die Impfung soll vor Gebärmutterhalskrebs schützen und wird vom Bundesamt für Gesundheit mit einem grossen Werbeaufwand angepriesen.

In einem Beitrag der Rundschau beschreibt die  junge Frau, wie sie nach der Impfung von schweren Nebenwirkungen heimgesucht wurde. Ihre Sicht war stark beeinträchtigt, sie sah nur noch in schwarz-weiss. Als die damals 17-Jährige schliesslich ins Spital Lausanne gebracht wurde, war die Beeinträchtigung zur kompletten Blindheit fortgeschritten. Die erschütternde Diagnose: Multiple Sklerose.

Ihr Sehvermögen erhielt die junge Frau wieder zurück, ansonsten ist in ihrem Leben nichts mehr wie zuvor. Jessica Mühlethaler muss täglich Medikamente einnehmen, damit ihre Krankheit nicht fortschreiten kann. Sie ist auf IV angewiesen und kann nur noch zu 50 Prozent arbeiten.

Jessicas Eltern meldeten die Krankengeschichte ihrer Tochter der Swissmedic, der Schweizerischen Zulassungsstelle für Medikamente. Der Verdacht der Eltern: Die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) hat die schwere Krankheit bei ihrer Tochter ausgelöst.

Für Rudolf Stoller von Swissmedic kann ein Zusammenhang zwischen der Impfung und Jessicas Diagnose nicht ausgeschlossen werden, da ein starker zeitlicher Zusammenhang bestehe, wie er gegenüber der Rundschau mitteilt. Ob der Impfstoff aber die Krankheit verursacht hat, lässt er offen.

Sehen Sie sich den Beitrag der Rundschau an:

Umstrittene HPV-Impfung

Nervensystem am meisten von Nebenwirkungen betroffen

Der zweite Impfstoff Cervarix kommt in der Schweiz nur bei zwei Prozent aller Impfungen zum Einsatz, Swissmedic hat zu diesem Impfstoff bisher zwei Meldungen erhalten. Für Rudolf Stoller übertrifft der Nutzen die Risiken bei weitem. Er weist darauf hin, schwere Nebenwirkungen sehr selten seien. 

Auch in anderen Ländern wurden schwere Nebenwirkungen nach HPV-Impfungen gemeldet. In Frankreich ist eine junge Frau nach einer HPV-Impfung an Multipler Sklerose erkrankt und leidet heute an der Nervenkrankheit.

Eine Gesundheitskommission überprüfte in Frankreich den Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und den aufgetretenen Nebenwirkungen und kam zum Beschluss, dass die Impfung die Krankheit der betroffenen Frau ausgelöst oder beschleunigt habe. Ihre Familie entschied sich darauf, rechtlich gegen die französische Prüfstelle für Medikamente und den Impfstoffhersteller vorzugehen. 

In Japan sind mehrere tausend Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der  beiden Impfstoffen HPV-Impfung aufgetreten. Diese betrafen mehrheitlich das Nervensystem. Im April 2014 präsentierte die Vereinigung betroffener Eltern erschütternde Daten und Videos ihrer Töchter. Gleichzeitig hat das japanische Gesundheitsministerium beschlossen, die Impfung nicht mehr zu empfehlen.

In den USA entschädigt die Regierung Impfopfer aus einem staatlichen Fonds. Bis jetzt wurden 259 schwere Nebenwirkungen gemeldet, darunter befinden sich auch 12 Todesfälle. In 73 Fällen enthielten die Betroffenen eine Entschädigung.

Hersteller sieht keinen Zusammenhang

Gemäss Informationen der Hersteller Sanofi der Impfstoffe liegen keine Hinweise für einen  Zusammenhang zwischen der Impfung und schwerwiegenden Nebenwirkungen vor. Sanofi verweist auf Australien, wo eine hohe Durchimpfung der der jungen Mädchen erreicht wurde und sich bereits nach wenigen Jahren hervorragende Resultate zeigen würden.

Der Deutsche Kinderarzt Steffen Rabe bleibt kritisch, bis jetzt sei erst ein einziger Fall bekannt, wo die Impfung Gebärmutterhals verhindern konnte. Beweise für weitere Fälle stehen aus. Er sagt gegenüber der Rundschau: «Die Studie zeigt nur, dass die Impfung Genitalwarzen verhindert, dafür ist sie aber nicht gemacht.» 

Für Sanofi dagegen ist der Rückgang von Genitalwarzen von grossem Interesse, da so nachgewiesen werden könne, dass der Impfstoff funktioniert. Mit dem Rückgang der Warzen könne auch mit einem Rückgang von Krebsarten gerechnet werden.

Die Familie von Jessica Mühlethaler hat nicht vor, sich rechtlich zu wehren. Sie findet es jedoch äusserst wichtig, dass Swissmedic alle Fälle gemeldet werden, damit mehr Leute auf die Thematik aufmerksam werden.

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