«Die Zahl hat in den letzten Jahren sicher zugenommen», sagt Kaspar Aebi, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, in der «Sonntagszeitung». Zu den Psychopharmaka gehören Anti-Depressiva, Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Neuroleptika, die zum Beispiel zur Behandlung der Schizophrenie eingesetzt werden.

Wie stark die Zunahme von Medikamenten ist, die auf die Psyche wirken, zeigt der neuste Arzneimittel-Report der Krankenversicherung Helsana. So stieg in den Jahren 2013 bis 2016 die Zahl der Bezüge von Psychostimulanzien um mehr als 10 Prozent auf über 4,2 Millionen. Psychostimulanzien umfassen nebst Psychopharmaka auch Medikamente gegen Demenz.

Gemäss einer neuen Auswertung von Gesundheitsökonomie-Professor Simon Wieser rangieren psychische Leiden bei den Kosten mittlerweile auf Rang drei – gleich hinter Herz-Kreislauf-Krankheiten und muskuloskelettalen Leiden wie Rückenschmerzen.

Über 10 Prozent der gesamten Gesundheitskosten von 80 Milliarden fallen heute in der Psychiatrie an. Ökonom Wieser ortet in diesem Bereich denn auch grosses Sparpotenzial. Der Medikamenteneinsatz ist allerdings nur einer der Kostentreiber. Ins Gewicht fällt auch die «veraltete Versorgungsstruktur», wie Andreas Daurù von der Stiftung Pro Mente Sana sagt. «Die Mehrheit der Patienten wird auch heute noch stationär in Kliniken behandelt, obwohl eine ambulante Behandlung nach modernen Ansätzen ausreichen würde.» Ein stationärer Aufenthalt ist viel teurer als eine ambulante Behandlung.