«Rücken der Nation»

Jeder Vierte leidet: Rückenschmerzen kosten die Schweiz über 20 Milliarden

Roger Federer leidet – und mit ihm ein Viertel seiner Landsleute. Rückenschmerzen kosten die Schweiz über 20 Milliarden Franken jährlich. Nur das Herz ist teurer.

Der Rücken ist das Kreuz der Schweizer: Ein Viertel der Bevölkerung im Alter von über 20 Jahren leidet an Rückenschmerzen.

Die Erkrankung des Bewegungsapparates setzt sich grösstenteils aus chronischen Rückenschmerzen und rheumatischen Erkrankungen zusammen. Die jährlichen Gesundheitskosten belaufen sich auf 8,7 Milliarden Franken. So sind im Vergleich nur noch die Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 10,4 Milliarden pro Jahr teurer.

Auf Platz 1

Die 8,7 Milliarden Franken umfassen die tatsächlich anfallenden medizinischen Kosten für stationäre und ambulante Behandlungen, wie etwa die ärztlichen und pflegerischen Leistungen, Medikamente und Krankenhausaufenthalte. In der Folge einer Rückenerkrankung entstehen Kosten durch Abwesenheit vom Arbeitsplatz – sei es, weil man selber krank ist oder einen Angehörigen pflegen muss. Mit 12,2 Milliarden Franken pro Jahr rangieren diese indirekten Kosten der Erkrankung des Bewegungsapparates auf Platz 1, wovon rund 7,5 Milliarden für chronische Rückenleiden anfallen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache und werden gemäss Schätzungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) weiter zunehmen. 2013 bezogen rund 54 000 Personen eine IV-Rente wegen einer Erkrankung des Bewegungsapparates. Es ist davon auszugehen, dass ein Teil dieser Fälle durch die berufliche Belastung ausgelöst wurde. Entsprechende Präventionsmassnahmen würden zu einer massgeblichen Reduktion der IV-Kosten beitragen.

Sportliche Kampfansage

Das Gesundheitswesen steht vor grossen Herausforderungen. So werden die Gesundheitskosten aufgrund der höheren Lebenserwartung und der gesellschaftlichen Veränderungen, wie kleineren Familien oder der Zunahme von erwerbstätigen Frauen, aber auch durch die Zunahme an chronischen Leiden weiter steigen.

Eine weitere Herausforderung stellt die Deckung des erhöhten Bedarfs an Ärzten und Pflegenden dar. Wie eine Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft belegt, wird beispielsweise der Bedarf an Physio- und Ergotherapeuten bis 2025 «substanziell steigen». Die derzeit 11 000 Physiotherapeuten in der Schweiz reichen bald einmal nicht aus, um den Behandlungsbedarf zu decken. Die Studie kommt zum Schluss, dass in den nächsten zehn Jahren gut ein Viertel mehr Bewegungstherapeuten benötigt werden.

Der Handlungsbedarf im Gesundheitsbereich wird im Bericht des Bundesrates mit dem programmatischen Titel «Gesundheit2020» gestützt. Das Papier formuliert entsprechend gesundheitspolitische Massnahmen über die vier Handlungsfelder: Lebensqualität, Chancengleichheit, Versorgungsqualität und Transparenz. Die Versorgung soll in Zukunft verstärkt auf die Krankheitsvorbeugung, die Pflege von Menschen mit chronischen Leiden und besonders auf die Pflege im letzten Lebensabschnitt ausgerichtet werden. Dies soll im Rahmen eines partizipativen Verfahrens zwischen Kantonen, Krankenkassen, Wirtschaft und Wissenschaft erfolgen. Experten gehen davon aus, dass die vorgesehenen Massnahmen zu Effizienzsteigerung und verbesserter Qualität im Gesundheitswesen führen und die heutigen Leistungen entsprechend 20 Prozent günstiger erbracht werden können.

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