Ernährung

Gesundheitsrisiko Fastfood: Nur Salat ist auch nicht gesund

«Fastfood macht dumm» – dieses Argument gegen einen saftigen Burger können Eltern künftig mit einer Studie der ETH belegen. Thinkstock/Getty Images

«Fastfood macht dumm» – dieses Argument gegen einen saftigen Burger können Eltern künftig mit einer Studie der ETH belegen. Thinkstock/Getty Images

ETH-Forscher analysierten, wem fettreiches Essen am meisten schadet – ausgerechnet Teenagern.

Jahrelang hiess es: «Dieser Broccoli wird auch noch gegessen, sonst gibts kein Dessert.» Natürlich bestellt der Teenager dann nicht Ratatouille, wenn er die elterliche Futterkrippe über Mittag meiden kann. Abends vor dem Ausgang auch eher nicht. Lieber eine Pizza, einen Döner oder Burger. Die sind nicht nur lecker, sie sind günstig und einen Tisch reservieren muss man auch nicht.

Blöd nur, dass Forscher der ETH Zürich nun herausgefunden haben, dass just den Teenagern die fettreiche Nahrung besonders schadet.

Der übermässige Konsum von gesättigten Fettsäuren, wie sie im Fastfood vorkommen, ist schlecht für die Gesundheit. Das ist nichts Neues. Fettreiche Ernährung begünstigt Diabetes Typ 2 und Herzinfarkte. Doch die meisten bisherigen Studien haben sich vor allem auf Erwachsene bezogen. Das sagt Urs Meyer, ehemaliger Gruppenleiter des Labors für Physiologie und Verhalten an der ETH Zürich und heute Professor an der Uni Zürich. «Unsere Studie deutet nun erstmals darauf hin, dass Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind, weil sich ihre Stirnhirnrinde noch im Wachstum befindet.»

Extrem fettreiches Futter

Herausgefunden haben die Forscher dies, indem sie Mäuse mit extrem fettreicher Nahrung fütterten. 60 Prozent der Kalorien nahmen die Versuchstiere nur mit Fett auf. Bei Menschen ist ein Anteil von 20 bis 40 Prozent üblich.

Nach nur vier Wochen beobachteten die Forscher bei den Jungtieren erste kognitive Defizite. Dabei hatten die Mäuse noch nicht mal an Gewicht zugelegt. Im Vergleich mit den normal gefütterten Mäusen zeigten diese Jungtiere laut Meyer «markante Defizite im Arbeitsgedächtnis und in der geistigen Flexibilität». Zudem hätten sie Mühe gehabt, sich zu konzentrieren und unwichtige Stimulationen auszublenden. Insgesamt wichen die Defizite um 30 bis 35 Prozent von der Leistung der normalen Mäuse ab.

Verantwortlich für diese Leistungen ist die Stirnhirnrinde, der präfrontalen Cortex. Diese Gehirnregion reift spät. Die Entwicklung ist sowohl bei Mäusen wie auch bei Menschen erst im frühen Erwachsenenalter abgeschlossen. Defizite sind dort besonders heikel, da die Gehirnregion laut den Forschern das ist, «was den Mensch zum Menschen macht»: Es ist der Sitz von Gedächtnis, Planung, Impulskontrolle und Sozialverhalten.

Die ausgewachsenen Mäuse zeigten auch nach längerer Zeit kein abnormales Verhalten. Doch ihr Stoffwechsel geriet durcheinander und sie wurden fett.

Wie gesättigte Fettsäuren das Gehirn schädigen können, wurde auch am deutschen Max-Planck-Institut untersucht. Im April veröffentlichten Forscher in Köln eine Studie dazu. Freie gesättigte Fettsäuren wirken an der Blut-Hirn-Schranke toxisch. Sie machen, dass weniger von einem bestimmten Glukose-Transporter gebildet wird, der das Gehirn mit Zucker versorgt. Das Gehirn beginnt zu hungern. Bleibt es unterversorgt, lernen ausgewachsene Mäuse langsamer.

Für junge Mäuse sind die Auswirkungen von gesättigten Fettsäuren gemäss der ETH-Studie noch gravierender. Die Ergebnisse seien auf den Menschen übertragbar, sagt Meyer. Nicht nur reift der präfrontale Cortex bei Mäusen wie Menschen vor allem im Teenager-Alter, auch die Nervenzellstruktur, auf welche die fettreiche Nahrung einwirke, ist die gleiche.

Bloss nimmt kaum ein Mensch 60 Prozent Kalorien in Form von Fett zu sich. Die Forscher ernährten die Mäuse bewusst extrem, um den Effekt auf die Gehirnreifung deutlich zu zeigen.

«Nur Salat ist auch nicht gesund»

Ernährungsberaterin Stephanie Hochstrasser von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung, schockiert das Ergebnis dennoch nicht. Das A und O jeder Ernährung sei die Ausgewogenheit. «Ich würde auch sonst von einem derart einseitigen Essverhalten mit hohem Fettkonsum abraten.» Wenn die Ernährung sonst ausgewogen sei, sei es aber kein Problem, wenn man ein bis zwei Mal pro Woche Fastfood konsumiere.

Doch im Oktober wurde die Geschichte eines 13-jährigen Australiers publik, der beinahe erblindete, weil er sich, seit er fünf oder sechs Jahre alt war, fast ausschliesslich von frittierten Hünchen, Brot, Kartoffeln und Cola ernährte. Er litt an Vitamin-A-Mangel.

Die ETH-Studie wie auch das Beispiel des australischen Jungen sind hervorragende Argumente für Eltern, die ihrem Nachwuchs Gemüse beliebt machen wollen. Schlecht herausgekommen ist aber bekanntlich auch das Erbsen-Experiment mit Woyzeck im gleichnamigen Werk von Georg Büchner. Nachdem Soldat Woyzeck ausschliesslich Erbsen essen musste, litt er an Halluzinationen und hatte Vergiftungserscheinungen. Solche Auswirkungen sind verbrieft durch ein Experiment eines Deutschen Chemikers im 19. Jahrhundert mit Soldaten.

«Die Dosis macht das Gift», sagt Ernährungsberaterin Stephanie Hochstrasser, «man lebt auch ungesund, wenn man zu viel Salat und dafür zu wenig anderes isst.» Auch Forscher Urs Meyer rät deshalb in seinem Fazit: «Während der Adoleszenz sollten Kinder und Jugendliche möglichst ausgewogen und hochwertig essen.»

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