Bald werden die Ufer der Schweizer Seen und Flüsse und die Badis voll sein mit sonnenhungrigen Menschen. Doch, wie wir alle wissen, bergen die Strahlen der Sonne viele Gefahren. Eine im vergangenen Jahr durchgeführte Studie bei Schweizer Hausärzten zum Thema Hautkrebsvorstufen hat ergeben, dass die Oberhaut von 25 Prozent der untersuchten und befragten Personen dauerhaft beschädigt ist.

Der Hautkrebsspezialist Piotr Michel-Dziunycz von der «Dermatologie Klinik» in Zürich Altstetten war Mitautor der Studie, und er sagt, dass die Schweiz bei der Verbreitung der Hautkrebsvorstufen und des Hautkrebses weltweit einen Spitzenwert einnimmt. Er gibt Tipps, wie man sich am besten schützt, räumt mit Missverständnissen auf – und erklärt, wann Botox, Laser und Hyaluron zur Faltenbehandlung Sinn machen – und wann nicht.

Sie beschäftigen sich täglich mit dem Thema Hautkrebs. Legen Sie sich überhaupt noch an die Sonne?

Piotr J. Michel-Dziunycz: Natürlich, aber nur in Massen. Und zur Mittagszeit meide ich sie. Ausserdem schütze ich mich ausreichend.

Piotr J. Michel-Dziunycz ist leitender Facharzt an der «Dermatologie Klinik» in Zürich Altstetten.

Piotr J. Michel-Dziunycz ist leitender Facharzt an der «Dermatologie Klinik» in Zürich Altstetten.

Was heisst das genau? Viele Menschen sind verunsichert, was das Thema Sonnenschutz anbelangt. Können Sie ein paar Tipps geben?

Sonnenschutz muss sein, unabhängig von den Jahreszeiten, und nicht nur dann, wenn man in die Badi geht. Die exponierten Hautstellen – in erster Linie das Gesicht, der Hals, die Arme und das Décolleté – sollten jeden Tag mit Sonnenschutz oder einer Tagespflege mit integriertem Sonnenschutz eingecremt werden. Das ist das beste Mittel gegen Hautkrebs, und es sorgt auch dafür, dass die Haut länger von Falten verschont bleibt.

Mittlerweile sind die Verkaufsregale voll mit Sonnenschutzcremes 50+, im Ausland gibt es sogar Faktor 100. Welchen Faktor empfehlen Sie?

Ich bin der Meinung, dass Faktor 30 ausreicht. Es kommt aber darauf an, ob man sich mehrere Stunden der Sonne aussetzt, zum Beispiel in den Bergen, oder an einem normalen Büroalltag die Mittagspause im Freien verbringt. Im ersten Fall ist ein Sonnenschutzfaktor von 50 durchaus angebracht. Zudem ist es, wenn man sich länger an der Sonne aufhält, ebenfalls wichtig, sich regelmässig einzucremen. Und in der Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr sollte man sich im Schatten aufhalten.

Die Schweiz nimmt bei der Verbreitung von Hautkrebsvorstufen weltweit einen Spitzenplatz ein. Das erstaunt, weil wir ja nicht im Süden leben. Sind wir besonders unvernünftig?

Ich denke, das hat unter anderem mit der geografischen Lage der Schweiz zu tun. Diese befindet sich relativ nah am Süden, aber viele Schweizer weisen einen hellen Hauttyp auf. Dazu kommt, dass Schweizer gerne Zeit an der Sonne verbringen. Zudem: Die Sonneneinstrahlung, also die UV-Strahlen sind in den Bergen, wo sich viele Schweizer gerne und oft aufhalten, besonders intensiv. Und vor 20 Jahren haben sich viele Menschen noch nicht täglich eingecremt, teilweise gar nicht. Das bestätigen mir diverse meiner Patienten, die von Hautkrebs betroffen sind.

Dann werden Sie in Zukunft also weniger zu tun haben.

Weshalb?

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Wissen über die schädigende Wirkung der Sonne in den Köpfen festgesetzt, und ich wage zu behaupten, dass sich nun die meisten ausreichend schützen …

… das erachte ich als einen Trugschluss. Es gibt auch noch heute viele, viele Leute, die sich nicht oder nicht genug schützen. Und die Solariumgeneration kommt erst noch …

Weisen vor allem ältere Patienten Hautkrebs oder eine Hautkrebsvorstufe auf?

Grundsätzlich nimmt das Risiko einer Hautkrebserkrankung mit dem Alter zu. Dementsprechend sind ältere Personen häufiger damit konfrontiert. Man darf aber nicht vergessen, dass auch jüngere Menschen daran erkranken. Erst kürzlich war ein Patient bei mir, Anfang 30, mit schwarzem Hautkrebs! Er ist Sportler und hält sich viel in den Bergen auf. Bevor er zu mir kam, hat er noch nie eine Hautkontrolle durchgeführt, da gehört er nicht zur Minderheit. Die meisten Patienten, bei denen ich eine Hautkrebsvorstufe feststelle, kommen wegen eines anderen dermatologischen Anliegens zu mir.

In Ihrer Dermatologieklinik bieten Sie auch Behandlungen in der ästhetischen Medizin an. Welche davon werden am meisten nachgefragt?

Immer noch und sehr rege: die Faltenbehandlung. Die Frage nach der genauen Behandlungsmethode, ob mit Botox, Hyaluronsäure oder mit dem Laser, muss bei jedem Patienten und Problem individuell angepasst werden.

Welche Falten behandeln Sie am meisten mit Botox?

Definitiv die Zorn-, Stirnfalten und Krähenfüsse. Dabei handelt es sich um Falten, die durch Mimik entstanden sind. Falten am Décolleté oder die Nasolabialfalten unterspritzen wir derweil mit Hyaluronsäure, da es sich hier um Statikfalten handelt.

Botox hat einen denkbar schlechten Ruf. Was ist bei all den Stars aus Hollywood, etwa Meg Ryan, Nicole Kidman, aber auch Popstars wie Madonna oder jüngst das TV-Starlet Silvie Meis, nur schiefgelaufen?

Im Showbiz ist es halt immer noch das grösste Ziel, möglichst lange jung auszusehen. Gerade bei Frauen. Die stehen unter einem immensen Druck. Bei Botox ist es eine Frage der Dosis. Nach gründlicher Analyse wende ich Botox bei meinen Kunden erst mal in Kleinstmengen an. In einer zweiten Phase wird das Ergebnis analysiert und bei Bedarf nachgespritzt. Ich halte nichts von «Botox to go».

Haben Sie auch schon Botox ausprobiert?

Ja. Und zwar habe ich es mir in die Fältchen rund um die Augen spritzen lassen. Allerdings habe ich danach feststellen müssen: Botox kann die Mimik gerade in diesem Bereich stark beeinflussen. Ich lachte anders, nicht mehr mit den Augen. Deshalb sollte jeder es sich sehr gut überlegen, ob er die Lachfältchen tatsächlich behandeln lassen will. Ich finde, sie können ganz schön sexy sein und verhelfen zu einer natürlichen Ausstrahlung.

Natürlichkeit ist sowieso wieder in, viele Stars verzichten auf Botox, allen voran Schauspielerin Julia Roberts. Spüren Sie das auch?

Ja, die Leute fragen nach Alternativen. Sie wollen nicht unbedingt jung, aber frisch und gesund aussehen.

Was sind das für Alternativen?

Da gibt es diesen Trend aus Hollywood, bei dem man sich Eigenblut unterspritzen lässt. Allerdings muss man damit früh anfangen. Wenn die Falten erst einmal da sind, bringt diese Therapie nicht mehr viel. Was derweil immer beliebter wird, ist die Behandlung mit Lasern, die die Haut straffen. Da haben Sie immer noch die volle Bewegung im Gesichtsbereich, und die Haut sieht jünger aus. Allerdings zeigt die Behandlung ihre Wirkung erst nach sechs Monaten, ausserdem sind etwa drei Behandlungen nötig – bei Botox ist es eine einzige. Die Leute wollen am liebsten meist sofort Resultate sehen.