Heinrich von Grünigen, Präsident der Schweizerischen Adipositas Stiftung, begründet die Entwicklung vor allem mit dem hohen Lebensstandard hierzulande. So würden die meisten industriell verarbeiteten Lebensmittel zu viele Kalorien enthalten und es mangle den Menschen an Bewegung im Alltag. «Ebenfalls haben Stress, Schlafmangel sowie die 24-Stunden-Gesellschaft einen negativen Einfluss auf den Stoffwechsel», sagt von Grünigen gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag».

Zu schwer sind mehrheitlich Menschen aus ländlichen Regionen mit einer niedrigen Ausbildung. Während jeder zweite Mann von Übergewicht betroffen ist, ist es bei den Frauen «nur» jede Dritte. «Bei den Frauen ist das Gesundheits- und das Körperbewusstsein anders ausgeprägt: Frauen stehen unter einem extremen Druck eines Schönheitsideals», sagt von Grünigen.

Einzige Massnahme mit Langzeiterfolgen bei adipösen Menschen sind die chirurgischen Eingriffe am Magen und am Darm. Denn neueste Erkenntnisse der Forschung gehen davon aus, dass Adipositas unheilbar ist. «Der Körper ist so veranlagt, dass er immer wieder sein einmal erreichtes Höchstgewicht anstreben will», sagt von Grünigen.

Für ihn steht deshalb fest: Durch frühzeitige Aufklärung und Verhaltens-Anleitungen ab Kindesalter soll sich eine Adipositas erst gar nicht entwickeln. «Dazu braucht es auch regulatorische Eingriffe bezüglich Werbung für Lebensmittel oder eine bewegungsförderliche Städteplanung.»

Die Gewichtszunahme erfolgt bei den meisten schleichend. Im Durchschnitt nimmt die Bevölkerung zwischen dem 25. und dem 55. Lebensjahr 13,6 Kilo zu. Den Höchststand erreicht die Altersgruppe der 50 bis 64-Jährigen.