«Livia» – das klingt, als ob es mir peinlich wäre, das Wort «Menstruation» auszusprechen und ich deswegen meiner Periode einen flotten Kosenamen verpasst hätte. Hab ich aber nicht.

Abgesehen vom Namen hat «Livia» meine Aufmerksamkeit geweckt, weil es mich auf den sozialen Medien wochenlang gestalkt hat. Überall tauchten diese begeisterten Frauengesichter auf, die erzählten, dass sie nach Jahren des Leidens nun endlich das Wundermittel gegen Schmerzen während der Periode gefunden haben.

«Livia» ist ein Schmerztherapie-Gerät, das Frauen bei Menstruationsbeschwerden Abhilfe verschaffen soll.

OMG! Das Gerät ist super!

Keine Schmerzen mehr, während der Periode, wow!

Ich gebe zu, ich bin ein Opfer solcher Werbung. «Ich möchte auch endlich so glücklich sein, wie diese Frauen», hab ich mir gedacht und das Gerät bestellt. Es ist nicht billig – 185 Franken kostet der Spass.

Bevor wir nun zum meinem Erfahrungsbericht mit «Livia» kommen, vorab dies: Wer keine weiblichen Geschlechtsteile hat, kann kaum nachvollziehen, welche Höllenqualen wir Frauen monatlich durchstehen. Laut Studien sind es 30 bis 50 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter, die Monat für Monat an heftigen Schmerzen im Unterbauch leiden. 

Bei vielen beginnen die Beschwerden bereits kurz vor der Periode und sie dauern mehrere Tage an. Die Symptome sind krampfartige, bohrende Schmerzen im Unterbauch. Zusätzlich kann es auch zu Rückenschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen kommen. Es gibt Frauen, die so starke Schmerzen haben, dass sie in Ohnmacht fallen. 

Um es plastischer zu machen: Bei mir fühlen sich die Mensbeschwerden an, als würde ich auf der Höhe meiner Eierstöcke von zwei Messern durchbohrt, die sich dann zwei Tage und Nächte lang im Minutentakt um die eigene Achse drehen. 

Mit Heilmitteln wie krampflösende Tees, Massagen, Wärmepads, Akupunktur oder Homöopathie muss man mir dann gar nicht erst kommen. Ich hab alles ausprobiert. Mein einziger zuverlässiger Helfer heisst: Ibuprofen 400. Das knalle ich mir also an zwei Tagen pro Monat alle paar Stunden ein, ansonsten würde ich es kaum aus der Horizontalen schaffen.

Dass mich jetzt ein Gerätchen von Pein und Schmerz (und Tablettenkonsum) befreien soll, fand ich deshalb ein besonders verlockendes Versprechen. 

Angeliefert kam das Produkt in einer Box, die nebst dem Gerät und seinem Behälter ein Anschlusskabel, zwei Elektroden und vier Ersatz-Gel-Pads beinhaltet. 

Die Anwendung ist simpel: Die zwei Elektroden werden in einem Abstand von etwa 15 Zentimetern auf Höhe Unterhosensaum oder einfach dort, wo es weh tut, auf die Haut geklebt. Das Kabel verbindet die Elektroden mit dem Gerät. 

Es ist der erste Tag meiner Periode, als ich das Ding ausprobiere. Ich habe starke Unterleibsschmerzen und kann ohne Schmerztablette kaum gerade stehen. «Hoffentlich nützt das», denke ich und schalte das Gerät ein.

Zuerst spüre ich gar nichts. Ich drücke ein paar Mal auf das Pluszeichen und zucke dann zusammen. Im ersten Moment ist es wie ein Kitzeln. Nach dem ersten Schreckmoment stellt sich dann ein anhaltendes Kribbelgefühl ein – ungewohnt, aber nicht unangenehm. 

Laut Gebrauchsanleitung sendet das Gerät elektronische Pulse in den Körper. Diese elektronischen Hochfrequenzsignale sollen die Schmerzsignale blockieren, die bei der Menstruation an das Gehirn gesendet werden. Je mehr ich auf das Pluszeichen drücke, umso stärker werden die Elektro-Impulse. 

Weg sind die Schmerzen nicht. Aber ich kann nun zumindest aufstehen. Ich befestige das Gerät am Hosenbund und ziehe den Pullover darüber. Von aussen ist so nichts sichtbar. 

Herumgehen, sich bücken, sitzen ist mit den Elektrodenpads kein Problem. Mit der Zeit könnte ich fast vergessen, dass das Gerät an meiner Hose steckt. Wären da nur nicht die Schmerzen, die mich daran erinnern und die auch nach einer längeren Anwendungsdauer nicht verschwinden. 

Mit dem Gerät geht es zwar besser. Aber eher, weil die elektronischen Impulse irritieren und darum ablenken. Gegen die alle paar Minuten wiederkehrenden Unterleibskrämpfe vermag es jedoch nichts auszurichten.

Zwei Stunden halte ich durch, dann beende ich den Selbstversuch und erlöse mich mit einer Tablette. Mit dem Gerät wären die Schmerzen zwar aushaltbar – aber nicht, wenn man nebenbei noch arbeiten und sich konzentrieren muss.  

Mein Fazit lautet: Für Frauen mit gelegentlichen oder mittelstarken Menstruationsschmerzen kann «Livia» eine Alternative zu Schmerzmitteln bieten. Wer allerdings so wie ich starke oder sehr starke Schmerzen hat, dem ist mit dem Gerät nicht geholfen. Allenfalls am zweiten Tag der Periode, wenn die Schmerzen ein wenig nachlassen, kann dank den Elektro-Impulsen auf Schmerzmittel verzichtet werden. Aber das ultimative Allheilmittel ist «Livia» leider nicht.