Fahren wir noch schnell in den Mac?», hiess es bei uns immer. Schnell ein Big-Mac-Menü bestellen, schnell den von Öl und Sauce eingeweichten Burger runterschlingen, schnell einen halben Liter Cola runterstürzen. Je nach Magenvolumen und Kälteunempfindlichkeit in zwei Minuten auch noch einen Mac Flurry reinschaufeln. Und schon standen wir wie ausgespuckt wieder auf dem Parkplatz mit dem riesigen M, das in die Höhe ragte. So ging das jeden Sonntag. Direkt nach dem Unihockey-Match. Zur Belohnung. Auch wenn wir verloren hatten. Oder gerade dann. Dann waren die Kalorienbomben unser Trost. Und der Mac unser Leuchtturm, der uns während unserer orientierungslosen Teenagerjahre den Weg zeigte. Egal, wo wir waren, Ronald Mc Donald war immer für uns da.

Mit ihm der Big Mac. Der wird dieses Jahr fünfzig. Fünfzig! Jedes Kind weiss heute, wie das neun Millimeter dünne Fleisch, die Scheibe Käse, die Essiggurke und das Ketchup schmecken. Das Hacktätschli-Sandwich ist längst in der Gesellschaft angekommen. Was niemand gedacht hätte, als McDonald’s 1976 die erste Schweizer Filiale in Genf eröffnete.

Zwar kamen hierzulande schon vorher einige auf die Idee, Hamburger anzubieten. Die Restaurantkette Silberkugel aus Zürich gehörte zu den Pionieren. Doch fehlte ihnen das gewisse Etwas: Ein Stück echte USA, das man damals vom Fernsehen her kannte. MacDonald’s stand für vieles, was die meisten an den Staaten cool fanden. Für andere war genau das befremdlich. In Genf weigerten sich einige anfangs, das neue Restaurant zu betreten. Sie hatten teilweise Angst, dass sie wegen der Burger ersticken würden – schliesslich gabs weder Messer noch Gabel, um den Burger in mundgerechte Stücke zu zerkleinern.

Mehlwürmer snacken

Später kamen Proteste hinzu. Vor allem als die Restaurantkette 1981 anfing, sich in Zürich breitzumachen. Im Stadtparlament schimpfte der damalige SP-Gemeinderat und spätere Bundesrat Moritz Leuenberger die fettigen Burger als «kulinarischen Affront gegenüber jedem halbwegs kultivierten Mitteleuropäer». Im gleichen Jahr brannte es in der Filiale am Zürcher Stauffacher. Eine USA-kritische Gruppe hatte einen Anschlag verübt.

Die Anfeindungen schadeten der Schnellrestaurantkette aus den USA nicht. Im Gegenteil. Mit dem Protest der Kulinarisch-Konservativen boomte sie. Und eröffnete Filiale um Filiale. Mittlerweile sind es 165 Restaurants in der Schweiz. Eine stattliche Zahl – die trügt. Die Fastfoodkette muss Läden schliessen. Letztes Jahr machte das dreistöckige Restaurant im Zürcher Niederdorf dicht. Der Umsatz stimmte nicht mehr.

Der Big Mac hat als Bestseller ausgedient. Kaum einer verdrückt heute noch die 500 Kalorien und 25 Gramm Fett, ohne danach ein schlechtes Gewissen zu haben. Essen ist zur Ersatzreligion geworden. Längst werden Nahrungsmittel in gut und böse eingeteilt. Während wir früher gedankenlos bei der Arbeit eine Tafel Schokolade am Tag verputzten, beissen wir heute stattdessen in einen sauren Apfel. Das weiss auch McDonald’s. Seit einigen Jahren setzt der Fastfood-Riese auf grün und gesund. Neben Burgern, Fritten und Nuggets bietet er Salate, mageres Hähnchenfleisch und Gemüsegerichte an. Mit mässigem Erfolg. Das Junkfood-Image wird er nicht los.

Andernorts erlebt der Burger gerade eine Renaissance – als gesunder und hochwertiger Snack. Im Angebot: Vegiburger mit Avocado und Gourmetburger mit Angus-Beef. Seit gestern gibt es zudem eine exotische Variante: den Insektenburger. Als erster Detailhändler in der Schweiz bietet Coop Mehlwürmer als Burgerfladen an. Bereits haben andere angekündigt nachzuziehen. Unter ihnen Manor oder der Sternekoch Eduard Hitzberger. Der will ab September als erster in der Schweiz eine Take-away-Kette mit Krabbeltierchen in Burgerform anbieten.

Gut möglich, dass die Delikatesse aus Asien in der Schweiz durchstartet. Auch dank dem Kick. War es beim Big Mac der Touch des Anrüchigen, Unkultivierten aus den USA, ist es hier der Wäh-Effekt. Alleine die Vorstellung davon, eine Ladung Insekten in den Mund zu schieben, bringt viele ins Schwitzen.