Übergewicht

Dick ist nicht gleich dick

Die Zahl an übergewichtigen Menschen ist seit Anfang der 1990er-Jahre in der Schweiz stark gestiegen. (Symbolbild)

Die Zahl an übergewichtigen Menschen ist seit Anfang der 1990er-Jahre in der Schweiz stark gestiegen. (Symbolbild)

Stark Übergewichtige haben in der Regel einen niedrigeren gesellschaftlichen Status.

Es gibt nicht einfach den Dicken oder die Dicke. Übergewichtige sind keine homogene Gruppe, wie eine Untersuchung der Universität Zürich zeigt. Demnach gibt es verschiedene Gruppen, was für die Prävention von Übergewicht von Bedeutung ist. Die Zahl an übergewichtigen Menschen ist seit Anfang der 1990er-Jahre in der Schweiz stark gestiegen.

Mit der Erhebung über die Ernährung mit dem Namen «menuCH» hat man zwischen Januar 2014 und Februar 2015 erstmals detaillierte Informationen zur Ernährung in der Schweiz erhalten. Demnach sind 20 Prozent der Frauen übergewichtig und damit deutlich weniger als die Männer mit 41 Prozent.

Bei den schwer Übergewichtigen, den Adipösen, ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern geringer: 11 Prozent bei den Frauen, 14 Prozent bei Männern. Das dafür angewandte Mass des BMI steht allerdings oft in der Kritik, weil es nach Meinung einiger Experten nicht das Wohlbefinden eines Menschen abbilde. «Der BMI wird tatsächlich kritisch diskutiert», sagt Studienautorin Nicole Bender vom Institut für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich.

Unbestritten ist, dass Übergewicht das Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes II, kardiovaskuläre und Atemwegs-Erkrankungen wie auch für einige Krebsarten erhöht. Um eine Prävention zielgenau auszurichten, muss man nicht nur den Body-Mass-Index und die Ernährungsgewohnheiten kennen. Nicole Bender und ihre Forschergruppe gingen der Frage nach, ob die befragten Übergewichtigen sich bezüglich Lebensstil und Risikofaktoren Ernährung, Bewegungsverhalten, Rauchen und Alkoholkonsum und vor allem im sozioökonomischen Status von Normalgewichtigen unterscheiden: Normalgewichtige sind generell nicht nur besser ausgebildet, sondern auch jünger. Das Einkommen ist bei normalgewichtigen Frauen am höchsten, bei den Männern spielt das Einkommen gemäss der Studie keine Rolle. Adipöse Männer und Frauen leben häufiger allein als normal- und übergewichtige. «Der wichtigste Faktor ist sicher der sozioökonomische Status», sagt Bender.

Generell gilt wenig überraschend: Je gesünder die Ernährung, desto kleiner die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht. Nicole Bender sagt, es sei wichtig, zu sehen, «dass wir bei der Prävention über die üblichen Risikofaktoren hinausgehen müssen, um Übergewicht und Folgekrankheiten besser zu verstehen».

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1