Körperkult

Definiert, nicht aufgeblasen: Der neue Mann ist «spornosexuell»

Kommen dem neuen Schönheits-Ideal ziemlich nahe: Nati Stars Gökhan Inler und Reto Ziegler (rechts)

Kommen dem neuen Schönheits-Ideal ziemlich nahe: Nati Stars Gökhan Inler und Reto Ziegler (rechts)

Metrosexuell war gestern, heute heisst der Anspruch des männlichen Geschlechts «spornosexuell». Ein perfekt trainierter Körper, kein Fleischberg, sondern wohldefinierte Muskeln. Man(n) tut es für sich, aber natürlich nicht nur.

Als die Schweizer Nati am vergangenen Sonntag auf dem Spielfeld um den Sieg rannte, blieb so mancher Blick weit über der Gürtellinie hängen. Nämlich genau dort, wo sich die perfekt trainierten Muskeln unter dem eng anliegenden Leibchen abzeichneten. Da liess die Damenwelt schon mal einen schmachtenden Seufzer von sich. Und so manche hätte sich gewünscht, dass Behrami, Inler und Co. wenigstens nach dem Schlusspfiff ihre Shirts vom Leibe reissen würden.

Schliesslich zeigt die Männerwelt neuerdings gerne, was sie sich in schweisstreibender Arbeit antrainiert hat. Ein Blick in die Strandbäder genügt. Dort fällt sie mit kräftigen Schultern und straffen Bauchmuskeln auf. Keine furchterregenden Muskelprotze, sondern einfach nur wohldefinierte Männerkörper.

Sport und Porno

Dieser Männertyp hat seit kurzem auch einen Namen: Nachdem der Mann sich vom Versorger zum Softie, dann über den Macho zum Metrosexuellen gewandelt hat, gibt er sich nun spornosexuell. Eine Wortkreation, die die Welt dem britischen Journalisten Mark Simpson zu verdanken hat. Jenem Mann, der schon 1994 den Begriff metrosexuell etablierte. Spornosexuell bedeutet so viel wie «when sport meets porn» und bezeichnet die Orientierung am Sportler als Sexsymbol.

Hatten wir das nicht schon bei den Metrosexuellen, dessen Vorbild David Beckham und andere Sportler waren?

Es sei an der Zeit, einen neuen Begriff für die Weiterentwicklung des metrosexuellen Mannes zu finden, so Simpson in seinem Essay im britischen «Telegraph». Nun komme eine noch «extremere, übersexualisierte und körperfokussierte Version».

Die Männer stehen heute nämlich nicht stundenlang vor dem Spiegel, um sich Brauen zu zupfen, Brusthaare zu rasieren und sich mit den neuesten Hautcremen einzuschmieren. Der Körper ist ihr wichtigster Botschafter, ihr Statussymbol schlechthin. Ihre Welt sind die Fitnessstudios, wo sie am liebsten sich selbst im Spiegel betrachten. Wenn keine vorhanden sind, reichen auch Selfies, um den Narzissmus auszuleben.

Optimierung des Körpers

Schliesslich will der Spornosexuelle begehrt werden, «ein Wunsch, der bislang nur Frauen zugestanden wurde», meint Simpson. Anders als die Metrosexuellen habe sich die neue Männergeneration im wirklichen Leben einer Selbst-Retusche unterzogen. Endlich kann der Mann einfach nur schön sein - und zwar für sich.

Die Optimierung seines Körpers darf die Gesellschaft selbstverständlich dennoch teilen. Idealerweise auf dem virtuellen Marktplatz der Eitelkeiten oder eben in der Badi oder auf dem Fussballfeld. Dank den Social-Media-Plattformen könne die heutige Generation die männliche Sehnsucht, begehrt zu werden, perfekt ausleben, schreibt der Journalist.

Die Spornosexuellen wollen für den Körper bewundert werden, nicht für ihren Modestil. «Und schon gar nicht für ihren Verstand.»

Müssen sie auch nicht. Im Falle der Schweizer Nati reicht es, wenn davon etwas für die Füsse übrig bleibt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1