Die letzten Wochen haben einmal mehr bewiesen: Bei den ersten milden Sonnenstrahlen, streckt man sich voller Vorfreude dem nahenden Sommer entgegen. Die ersten Blüten spriessen, die Natur lebt auf und auch die Laune der Menschen steigt spürbar an. Letzteres allerdings nicht bei allen, denn es gibt da eine Gruppe Geplagter die gerade in dieser wunderschönen Jahreszeit mit geröteten Augen, laufender Nase und Brummschädel durch die Welt läuft.

Erle, Birke, und Hasel – ab Februar schleichen die ersten Pollen durch die Luft und machen etwa 16 Prozent der Bevölkerung zu schaffen. Pollen sind für unseren Körper völlig harmlos, führen aber bei einer Gruppe von Menschen zu einer überempfindlichen Reaktion des Immunsystems, einer sogenannten allergischen Reaktion. Allergien könnte man auch als eine Art Fehlalarm des Immunsystems bezeichnen. Das Immunsystem ist ja dazu da, fremde und gefährliche Eindringlinge in unseren Organismus abzuwehren. Wenn aber das Immunsystem ungefährliche Substanzen wie Pollen, Erdnüsse oder Fischeiweiss fälschlicherweise als bedrohlich deklariert, entsteht eine Allergie, welche im schlimmsten Fall in Form einer anaphylaktischen Reaktion zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen kann.

Glücklicherweise kommen solche anaphylaktischen Reaktionen bei Pollen praktisch nicht vor, aber lästig sind die Symptome dennoch. Doch was ist zu tun? Zunächst einmal gilt es einige Verhaltensregeln zu beachten.

  • Schlafzimmer nicht zulange bei offenem Fenster lüften, um die Pollenbelastung möglichst gering zu halten.
  • Abends vor dem Schlafengehen abduschen, um Pollenreste in den Haaren und am Körper zu entfernen.

Da diese hygienischen Massnahmen meistens nicht ausreichen, greifen viele Betroffenen in der Akutphase zu Antihistaminika oder als Prophylaxe mit einem zwei- bis dreiwöchigen Vorlauf zu sogenannten Mastzellenstabilisatoren. Bei einer allergischen Reaktion sind es – vereinfacht formuliert – Mastzellen, welche Histamin ausschütten. Dadurch kommt es zu einer Reizung und Schwellung der Schleimhäute. Beide oben aufgeführten Medikamente setzen entweder die Histaminaktivität herab oder beruhigen die Mastzellen.

Etwas langwieriger aber durchaus erfolgsversprechend ist die sogenannte De- und Hyposensibilisierungstherapie. Dabei wird dem betroffenen Patienten zunächst Blut entnommen, um sein individuelles Allergieprofil zu bestimmen. Danach wird für den Betroffenen eine Art Impfstoff hergestellt, welcher diesem über drei Jahre hinweg in zunächst minimalen und sich dann langsam steigenden Dosen injiziert wird. Das Immunsystem des Körpers soll sich sprichwörtlich langsam an die Allergene gewöhnen und dabei feststellen, dass diese ungefährlich sind und das Immunsystem beim Stichwort Pollenflug getrost auf seinem Wachposten weiter schlummern darf. Immerhin 80 Prozent der Allergiker können mit dieser Methode von ihren Beschwerden befreit werden.

Wer zeitlich und räumlich flexibel ist, kann sich die geografischen Besonderheiten der Schweiz zunutze machen - nämlich die Berge! Ab 1500 Meter über dem Meer sinkt die Pollenbelastung drastisch. Und schön ist es dort oben ja auch.

Damit sich alle Betroffenen auf die Saison und die unterschiedlichen Pollenarten einstellen können, gibt es im Internet Pollenkalender, in denen er die Flugzeiten der ihn betreffenden Allergene ablesen kann. Nicht jeder Allergiker ist auf jede Pollenart allergisch, allerdings ist es interessant, dass es sogenannte Kreuzallergien gibt. Wer zum Beispiel auf Birkenpollen allergisch reagiert, mag eventuell vergleichbare Symptome beim Verzehr eines Apfels feststellen. Oder auch bei Nüssen, Karotten oder Banane. Auch Erle-, Hasel- oder die Latexallergie zeigen mögliche Kreuzallergien zu unterschiedlichen Nahrungsmitteln.

Wer also saisonal im Frühling oder auch zu anderen Jahreszeiten Symptome einer allergischen Reaktion feststellt, ist im Kanton Aargau durch ein ausgezeichnetes Netzwerk aus Hausärzten und Allergiespezialisten bestens versorgt.

fbertram@skinmed.ch