Brustkrebs

Damen in Rosa stehen Patientinnen bei Angst oder Fragen zur Seite

Radiologieärztin Daniela Schwegler bei einer Punktion: Da hilft Breast Care Nurse Maria Weibels Anwesenheit.

Radiologieärztin Daniela Schwegler bei einer Punktion: Da hilft Breast Care Nurse Maria Weibels Anwesenheit.

Breast Care Nurses sind Fachfrauen für Brusterkrankungen. Sie begleiten betroffene Frauen während der Behandlung intensiv, stehen ihnen zur Seite und sind da, wenn sie Angst oder Fragen haben.

Das Wartezimmer in der Radiologie ist hell, modern und an sich nicht einschüchternd. Frauen, die hier warten müssen, verbringen trotzdem oft zähe Minuten: Meist sind sie angespannt und ängstlich – hier landen sie, wenn eine Kontrolle bei der Frauenärztin einen Verdacht auf Brustkrebs ergeben hat.

Margrit von Däniken aus Erlinsbach erinnert sich noch genau an jenen Tag im Mai 2013, als sie die Diagnose erhielt: Wahrscheinlich bösartiger Brustkrebs. «Ich fühlte mich sehr allein und ausgeliefert», sagt die elegante 67-Jährige heute. Die Radiologie ist dann nur eine von vielen Stationen, auf denen Untersuchungen und Therapien warten – ein banger Weg, den in der Schweiz jährlich über 5000 Frauen gehen müssen.

Im Kantonsspital Aarau (KSA) sind sie dabei nicht alleine: Ein Team von drei jungen Breast Care Nurses (BCN) mit fröhlichen Gesichtern begleitet sie, nimmt sie quasi bei der Hand, und steht ihnen zur Seite, wenn sie Angst oder Fragen haben. «Für diese Ringsum-Unterstützung bin ich noch heute enorm dankbar», sagt Margrit von Däniken. Zwar wusste sie nach 30 Jahren Arbeit in der Pflege, was sie erwartet. «Aber die Breast Care Nurses halfen mir, alles besser zu verkraften.»

Perücken organisieren

Die onkologischen Pflegefachfrauen haben sich auf die Unterstützung, Information und Beratung von brustkrebsbetroffenen Frauen spezialisiert. «Wenn eine Frau das wünscht, begleiten wir sie von der Erstdiagnose an durch alle Untersuchungen», erklärt Maria Weibel, die das BCN-Team am Kantonsspital zusammen mit Ildiko Tanner aufgebaut hat. «Wir koordinieren aber auch alle nötigen Spezialisten und Hilfsstellen.» Finanzielle Unterstützung, Sorgen rund um den Umgang mit Kindern, Beratung bei der Frage «welche Prothese?» oder ganz einfach das Organisieren einer Perücke – das Team hilft jederzeit.

Im Untersuchungsraum hat inzwischen Daniela Schwegler, Leitende Ärztin Radiologie, alles für eine Punktion vorbereitet. Die Raumbeleuchtung lässt sich diskret abdimmen, und fluoreszierende Blumenmuster an den Wänden sollen beruhigend wirken. Dennoch kann man sich angesichts der langen Nadel gut vorstellen, wie tröstlich es auf die Patientin auf dem Untersuchungstisch wirkt, wenn eine Breast Care Nurse nötigenfalls ihre Hand hält.

Fragen beantworten

Die Biopsie ist überstanden, Ärztin Schwegler hilft der Patientin beim Aufstehen und versorgt ihre Instrumente. Jetzt geht das Warten los. «Das ist eine harte Zeit für eine Frau, die nicht weiss, was auf sie zukommt», sagt «Nurse» Ildiko Tanner. Auch in dieser Zeit unterstützen sie und ihre Kolleginnen die Frauen, rund um die Uhr ist eine von ihnen per Mail oder Telefon erreichbar. Und das sei auch nötig, sagt Tanner: «Sehr häufig tauchen während dieser Zeit, in der sie zu Hause warten müssen, Fragen auf: ganz kleine, aber auch ganz dringende, die wir beantworten und damit die Frauen manchmal schon beruhigen können.»

Dass sich eine solche Begleitung positiv auf den Genesungsprozess auswirkt, liegt für Dimitri Sarlos, Chefarzt Gynäkologie KSA, auf der Hand: «Die positive Wirkung der Breast Care Nurses ist von unschätzbarem Wert – wenn auch nicht finanziell berechenbar», sagt er. «Die Arbeit früher ohne sie und heute mit ihrer Unterstützung – das ist wie Tag und Nacht.» Aus langjähriger Erfahrung weiss er: «Bei mir im Untersuchungszimmer haben fast alle Frauen keine Fragen. Bleiben sie dann noch eine Weile mit der Breast Care Nurse im Raum sitzen, um die schlechte Nachricht zu verarbeiten, taucht oft doch noch die eine oder andere Frage auf.»

An die Zeit kurz nach der Diagnose erinnert sich auch Petra Badertscher aus Geroldswil lebhaft. Sie war sehr froh, dass ihr die dritte aus dem Team, Silvia Schiffer, von Anfang an zur Seite stand: «Tatsächlich war die Hemmung viel weniger gross, auch winzige Details zu fragen», sagt die muntere 57-jährige Lehrerin. «Ich fühlte mich sofort verstanden, und Frau Schiffer war immer für mich da – wie ein Schutzengel.»

Chefarzt Sarlos konnte die Spitalleitung vom Nutzen der Nurses überzeugen: Ab nächstem März wird eine vierte Fachfrau angestellt. Silvia Schiffer zeigt auf die vier wuchtigen Behandlungsstühle im Chemotherapieraum: Auch hier kann dann das Team nicht nur Brustkrebs-Patientinnen betreuen, sondern alle Frauen mit einer gynäkologischen Krebserkrankung, beispielsweise jene mit Eierstock- oder Gebärmutterkrebs. «Breast and Cancer Care Nurses» werden sie dann neu heissen, BCCN, und sie freuen sich darauf.

In den Alltag zurückbegleiten

Die letzte Station, welche Brustkrebspatientinnen meist durchlaufen, ist die Strahlentherapie. Heute herrscht auf der Abteilung Hochbetrieb, jedes der grossen weissen Bestrahlungsgeräte ist besetzt. «Diese Therapie ist schmerzlos und dauert jeweils nur ein paar Minuten», erklärt Oberärztin Elisabeth Meier. «Für die Patientinnen heisst es aber in der Regel, während vier bis sechs Wochen von Montag bis Freitag zur Bestrahlung zu kommen.»

Hier werden die Breast Care Nurses selten gebraucht. Umso wichtiger werden sie in der Zeit danach: Fragen um Brustimplantate und Narbenpflege oder psychische Nachbetreuung – sie helfen weiter. Einigen Frauen wie Petra Badertscher hilft eine Gruppentherapie mit Malen, Austausch und Autogenem Training. Auch das bietet das Breast Care Team: Sie begleiten die Frauen nicht nur den ganzen Weg durch die Behandlung, sondern auch wieder zurück in das Alltagsleben.

Zum Thema: «Vom Anfangen und Weitermachen – Frauen erzählen von ihrem Leben nach Brustkrebs», Teelke Beck/Irene Brenneisen, Verlag Rüffer & Rub, 2014. 208 Seiten, 32 Franken.

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