Friends Reunion
Endlich: Das grosse Wiedersehen mit den sechs «Friends»

17 Jahre nach der letzten Folge kommen die Schauspieler der Serie «Friends» noch einmal vor der Kamera zusammen. Das ist zum Heulen.

Katja Fischer De Santi
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Courteney Cox, Jennifer Aniston, Lisa Kudrow (vorn, von links) und Matthew Perry, Matt LeBlanc und David Schwimmer (hinten, von links) haben sich zu einer Wiedervereinigung getroffen.

Courteney Cox, Jennifer Aniston, Lisa Kudrow (vorn, von links) und Matthew Perry, Matt LeBlanc und David Schwimmer (hinten, von links) haben sich zu einer Wiedervereinigung getroffen.

HBO Max

Die Tränen fliessen in Strömen in dieser 100-minütigen Reunion-Show. Wenn nicht gerade aus Ergriffenheit und Nostalgie, dann weil ein Justin Biber als tanzende Kartoffel verkleidet einfach zu viel des Guten für die Lachmuskeln ist. Aber von vorne.

Endlich stehen die sechs «Friends» Monica, Chandler, Joey, Phoebe, Rachel und Ross wieder in diesen New Yorker Wohnungen, die eigentlich jeder kennt, der irgendwann in den späten 1990er-Jahren mal einen Fernseher angeschaltet hat. Alle sind sie heute über 50, die drei Männer sind etwas dicker, die drei Frauen etwas ernster geworden. Einige Schönheitsoperationen wurden wohl auch mehr oder weniger erfolgreich durchgeführt. Gut sehen sie alle immer noch aus.

Damals, als sie noch keine 30 Jahre alt, ungebunden und dauernd in die falschen verliebt waren: Die «Friends»-Crew in den 1990er-Jahren: Ross, Rachel, Monica, Chandler, Phoebe und Joey.

Damals, als sie noch keine 30 Jahre alt, ungebunden und dauernd in die falschen verliebt waren: Die «Friends»-Crew in den 1990er-Jahren: Ross, Rachel, Monica, Chandler, Phoebe und Joey.

Getty Images / Hulton Archive

Keine Fortsetzung, sondern ein pompös inszeniertes Klassentreffen

Andächtig wandeln die sechs, die sich nach eigenen Angaben nie mehr alle zusammen gesehen haben, durch die alte Studio-Szenerie. Alles wirke irgendwie so viel kleiner als früher, sagt Jennifer Aniston (Rachel) und streicht ergriffen über die Küchenabdeckung. Courteney Cox (Monica) braucht ein Taschentuch, die Erinnerungen seien zu stark gerade, schluchzt sie. Derweil schwelgen Matt LeBlanc (Joey) und Matthew Perry (Chandler) in dicken Ledersesseln in Erinnerung an jene Folge, an der sie ebendiese Sitze tagelang nicht verlassen wollten.

So beginnt sie, die weltweit so sehnlich erwartet «Friends»-Reunion-Show. Keine Fortsetzung der TV-Serie ist es, nur ein pompös inszeniertes Wiedersehen der sechs Hauptdarsteller in den legendären Kulissen der Warner Bros. Studios. Um die drei Millionen Dollar soll jeder und jede der sechs für den Auftritt bekommen haben.

Fühlten sich im alten Set sofort wieder wie zu Hause: David Schwimmer, links und Matthew Perry während der Reunion-Show.

Fühlten sich im alten Set sofort wieder wie zu Hause: David Schwimmer, links und Matthew Perry während der Reunion-Show.

Terence Patrick / AP

Nun kann man sich fragen, was an einer TV-Serie aus den Nullerjahren um sechs weisse, heterosexuelle Freunde und Freundinnen heute noch interessieren soll? Nun, es ist die Mutter aller Freunde-Serien. Die zehn Staffeln «Friends» waren von 1994 bis 2004 das Erfolgreichste was die TV-Landschaft bis dato gesendet hatte. 52 Millionen Zuschauer sahen alleine in den USA das Finale der Show, die 236 Folgen laufen bald 20 Jahre später immer noch und werden von Teenagern, die in den 1990er-Jahren noch nicht mal geboren waren, geschaut. Es gibt Lego-Sets um das Studio nachzubauen, «The Rachel» ist bis heute eine beliebte Frisur, die Sprüche von Chandler und Joey wurden auf T-Shirts gedruckt und in Memes geschrieben. Und der Kult geht weiter: Lady Gaga gesteht in der Reunion-Show, dass die schräge Phoebe ihr ein Vorbild gewesen sei und performt mit ihr den legendären «Smelly Cat»-Song.

Justin Biber präsentiert die schrägsten Kostüme aus der Serie, darunter eben dieses Kartoffelkleid. David Beckham erzählt, er sei so putzpedantisch wie Monica und dass er immer, wenn er traurig und einsam sei «Friends» schaue, um sich aufzumuntern. Damit trifft er einen Punkt. Denn bei allem Beziehungskram, den die Sitcom auch verhandelt, die sechs waren zusammen vor allem auch sehr, sehr lustig. Zig Einspieler erinnern an das komödiantisches Talent der Freundegruppe.

Ross und Rachel waren auch in echt verliebt

Die besten Momente hat die Show, wenn sie die Darstellerinnen und Darsteller erzählen und in Erinnerungen schwelgen lässt. Sie spielen das legendäre Quiz aus der vierten Staffel nach, lesen nochmals die Drehbücher unvergessener Momente und beteuern sich gegenseitig, dass sie sich lieben. Besonders emotional wird es als Jennifer Aniston und David Schwimmer als Rachel und Ross ihren ersten TV-Kuss nachsprechen und gestehen, dass sie damals wirklich unglücklich ineinander verliebt waren.

Man leidet nochmals mit Joey als er sich beim Dreh die Achsel ausgekugelt hat, glaubt ihnen, wenn sie erzählen, dass sie zehn Jahre lang die besten Freunde waren, glaubt ihnen das noch mehr, wenn dazu Szenen eingespielt werden, in denen sie sich hinter der Kamera küssen, umarmen, veräppeln. Der unglaubliche Erfolg dieser Serie, daran lässt diese perfekt inszenierte Reunion-Show keinen Zweifel, beruht auf der echten Freundschaft der sechs Darstellenden. Man wird unweigerlich in diese «Weisst du noch»-Stimmung, hineingezogen. Zumal Fans aus aller Welt eingeblendet werden, die erzählen, wie die Sitcom ihr Leben verändert habe, warum die sechs sich wie ihre echten Freunde anfühlen. Amerikanisch kitschig ist das und etwas unglaubwürdig.

Die «Friends» sind unglaublich gut gealtert

Auch die Produzentin und der Produzent kommen in der Wiedervereinigungs-Sendung zu Wort. «Friends» sei eine Serie um jene Zeit im Leben, wo Freundschaften wichtiger als die Familie sind, erklären Marta Kauffman und David Crane. Spätestens nach den ersten Serien-Babys und Hochzeiten habe Schluss sein müssen. Fans trauern dem Ende immer noch nach, aber eigentlich muss man den Produzenten dankbar sein. Die «Friends» sind gerade deswegen so gut gealtert, weil wir nicht mit ansehen mussten wie sich die sechs vor lauter Babygeschrei, Jobstress und Hauskäufe auseinanderlebten.

«Friends Reunion» läuft ab heute, 27. Mai, in der englischsprachigen Originalfassung mit deutschen Untertiteln auf Sky Show.