Das Forschungsteam der fakultätsübergreifenden Plattform "Molecular and Cognitive Neurosciences" ging in der gross angelegten Untersuchung mit insgesamt 3398 Versuchspersonen der Frage nach, warum Frauen bei vielen Gedächtnistests besser abschneiden als Männer. Die Arbeit wurde im Fachblatt "Journal of Neuroscience" veröffentlicht, wie die Universität Basel am Mittwoch mitteilte.

Bekannt ist, dass Frauen bewegende Ereignisse oft emotionaler bewerten als Männer. Zudem haben frühere Untersuchungen gezeigt, dass Emotionen unsere Erinnerungen beeinflussen. Dies könnte der Grund für die besseren Leistungen von Frauen in Gedächtnistests sein, schreiben die Forschenden.

Die Untersuchung ergab, dass Frauen emotionale Bildinhalte - im Besonderen negative - gefühlsmässig stärker bewerteten als die männlichen Probanden. Bei neutralen Bildern fand sich kein Geschlechtereffekt.

Verarbeitung beruht auf unterschiedlichem Mechanismus

Die Frauen konnten sich beim anschliessenden Gedächtnistest auch an mehr Bilder frei erinnern. Doch überraschenderweise zeigten hier die Frauen einen speziellen Vorteil für positive Bilder. "Dies deutet darauf hin, dass die Geschlechterunterschiede in der Verarbeitung von Emotionen und der Gedächtnisleistung auf unterschiedlichen Mechanismen beruhen", wird Studienleiterin Annette Milnik in der Mitteilung zitiert.

Zudem konnte die Forschungsgruppe mithilfe von bildgebenden Verfahren (fMRI) mit 696 Versuchspersonen zeigen, dass während der Bewertung negativer emotionaler Bildinhalte bei den Frauen die Hirnaktivierung in motorischen Arealen stärker war. "Dieses Ergebnis würde zur landläufige Meinung passen, dass Frauen den Emotionen grösseren Ausdruck verleihen, als Männer dies tun", erklärt Erstautorin Klara Spalek.

Laut den Forschenden tragen die Ergebnisse dazu bei, die unterschiedliche Informationsverarbeitung von Frauen und Männern besser zu verstehen. Dieses Wissen sei von Bedeutung, weil viele neuropsychiatrische Erkrankungen Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufwiesen.