In den EU-Mitgliedsstaaten gab es nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC bis Ende Oktober über 1460 gemeldete Infektionen. Im gesamten Vorjahr waren es in der EU nur gut 200 gemeldete Infektionen gewesen. In allen europäischen Ländern zählte die Behörde damals 25 Todesfälle. Auch aus den Jahren davor sticht keines so heraus wie das Jahr 2018. Dabei dürfte in allen Jahren die Dunkelziffer noch höher liegen, da das Virus oft keine oder nur leichte Symptome hervorruft.

Besonders viele Todesfälle gab es 2018 in Europa in Italien (44), Griechenland (42), Rumänien (42) und Serbien (35). Dabei sind Todesfälle bei Infektionen selten. Rund 80 Prozent der Infizierten haben keine Symptome, rund 20 Prozent bekommen eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung. Nur etwa jeder 150. Mensch - in der Regel ältere Patienten mit Vorerkrankungen - erkrankt schwer mit hohem Fieber und Gehirnhautentzündung. Kaltes Wetter trägt nun in Richtung Jahresende dazu bei, dass die vor allem durch Mücken übertragenen Erreger zurückgehen.

Erstmals in Uganda nachgewiesen

In der Schweiz sind beim West-Nil-Fieber gemäss derzeitigem Kenntnisstand des Bundes keine Übertragungsfälle weder bei Menschen noch bei Tieren bekannt. Angesichts der Lage in Europa und des Umstands, dass Mücken als Übertrager und Wildvögel als Hauptwirte auch in der Schweiz vorkommen, könnte auch die Schweiz zukünftig vom Fieber betroffen sein. In diesem Jahr war das Virus erstmals bei Vögeln und Pferden in Deutschland nachgewiesen worden.

Das West-Nil-Virus hat sich seit seinem ersten Nachweis rasch über fast alle Erdteile ausgebreitet. Erstmals wurde es 1937 in der Region West Nil in Uganda nachgewiesen, später in anderen Ländern Afrikas und Asiens. In den 1990er-Jahren schaffte es den Sprung über den Atlantik. Im Sommer 2002 erlebten die USA eine erste grössere Epidemie mit über 4000 Erkrankten und 250 Todesfällen.