Altersforschung

Wer knackt den Code der Alterung?

Wer knackt den Code, der hinter dem Altern steckt?

Wer knackt den Code, der hinter dem Altern steckt?

Altersforscherin und Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn will ewig leben. Ihr neues Buch liefert dafür praktische Handlungsanweisungen.

Wir werden immer älter, die durchschnittliche Lebenserwartung steigt mit jedem Jahr. Verantwortlich für die höhere Lebenserwartung sind der medizinische Fortschritt, ein gesünderer Lebensstil sowie bessere Hygiene und Ernährung. Doch wer knackt den Code, der hinter dem Altern steckt?

Die neuseeländische Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn versucht es. Sie fand bereits 1984 in seichten Gewässern erste Hinweise zum Rätsel des ewigen Lebens. Jetzt hat sie zusammen mit der Psychologin Elissa Epel im Buch «Die Entschlüsselung des Alterns – der Telomer-Effekt» ihre neusten Erkenntnisse veröffentlicht. Die Forscherin beschreibt ein mikroskopisch kleines Wimpertierchen.

Die Spezialität des Einzellers: Er altert nicht. Stattdessen schützt er sein Erbgut durch lange, regenerierbare Schutzkappen an den Genstrang-Enden. Sie werden Telomere genannt. «Stellt euch einen Schnürsenkel vor, am Ende sind diese Plastik-Schutzenden. Stellt euch vor, dass diese Schnürsenkel eure DNA sind. Dann sind die Schutzenden die sogenannten Telomere», erklärt Blackburn. Dabei sind ausfransende Schnürsenkel nicht mehr zu gebrauchen.

Ähnlich verhält es sich bei Telomeren. Blackburn dazu: «Sie sind sehr wichtig. Wird unsere DNA beschädigt, indem sie Telomere verliert, können sich die Zellen nicht erneuern. Das beschleunigt das Altern und fördert Krankheiten.» Die Leistung der Wimpertierchen: Sie können verkürzte Telomere in einem Selbstheilungsprozess reparieren. Die Überlebenskünstler verlangsamen, ja stoppen den Alterungsprozess. In einer Laborsituation sind sie unsterblich.

Ein Enzym für ewiges Leben

Und der Mensch? In Zusammenarbeit mit der Psychologin für Gesundheit und Stress Elissa Epel machte Blackburn eine interessante Beobachtung. Mütter, die sich konstant mit Sorgen um ihre behinderten Kinder plagen, zeigen unter allen Teilnehmern einer Studie die stärksten Schäden an Zellen und Chromosomen.

Die Gleichung heisst also: je höher der Stresspegel, desto kürzer die Telomere und desto kürzer das Leben. Die Telomere fit zu halten, lohnt sich also und braucht laut der passionierten Skifahrerin Blackburn keine Eingriffe in die Erbsubstanz. «Zum Glück gibt es Wege, die Telomere gesund zu halten. Einer davon ist tatsächlich mehr Bewegung», erklärt sie. Damit erinnert das Anti-Aging-Programm der Nobelpreisträgerin an die gängigen Gesundheitsratschläge.

Zum Abc des Alterns gehört neben den Telomeren das Enzym Telemorase. Die winzige Reparaturmaschine kommt in Stammzellen und weissen Blutkörperchen vor. Das Enzym sorgt dafür, dass die Telomere nicht zu schnell altern. Dazu ergänzt es den Doppelstrang der DNA bei der Zellteilung und verlängert somit die Telomere. Gäbe es also eine «Zellen-Bar», an der Telemorase getankt werden könnte, das Rätsel des ewigen Lebens wäre gelöst.

Das Enzym hat aber seine Tücken: «Das hängt damit zusammen, dass die Telemorase eine dunkle Seite hat. Vergleichbar mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Wir benötigen unsere gute Dr.-Jekyll-Telemorase, um gesund zu bleiben, aber wenn man in den falschen Zellen zur falschen Zeit zu viel davon bekommt, verwandelt sich Telemorase in Mr. Hyde, der das unkontrollierte Zellwachstum fördert, das typisch für Krebs ist», schreibt Blackburn in ihrem Buch und warnt vor Rezepturen, bei denen Telemorase künstlich aufgenommen wird.

Blutige Experimente

Um den Tod zu überlisten, investiert auch Google Millionen in Bio-Tech-Startups. Auch Blackburn ist mit Telome Health an einem solchen Unternehmen beteiligt. Dabei wird auf Forschung der amerikanischen Stanford University zurückgegriffen. Forscher spritzten hier alten Mäusen menschliches Nabelschnurblut. Die Leistung ihres Hirns, ihres Gedächtnisses verbesserte sich dadurch signifikant und das Leben der Mäuse konnte um ein Drittel verlängert werden. Auch lustvollere Ansätze, wie die Verwendung zur Lebensverlängerung werden getestet. Der Durchbruch ist allerdings noch nicht geglückt.

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