Florida

Wenn der Computer auf Verbrecherjagd geht

Der Computer weiss, wo nächstens Auto aufgebrochen werden könnten. (Symbolbild)

Der Computer weiss, wo nächstens Auto aufgebrochen werden könnten. (Symbolbild)

Die Stadt Lauderhill setzt bei der Kriminalitätsbekämpfung auf einen farbenblinden Computer: Ein Softwareprogramm soll helfen, Verbrechen zu verhindern.

So also sieht die Polizeiarbeit der Zukunft aus: Adam Willson sitzt in einem Grossraumbüro und schaut aufmerksam auf einen Grossbildschirm. Dann greift der junge Polizeioffizier zur Computermaus und vergrössert eine elektronische Karte der Gemeinde Lauderhill: «Hier, sehen Sie», sagt Willson, und tippt auf drei rote Quadrate, die in einem Wohnquartier an der Autobahn aufscheinen. «Das sind unsere heutigen Hotspots.» Innerhalb dieser imaginären Kasten, die nicht viel grösser als zwei Hektaren sind, könnten sich schon bald Einbrüche oder Autodiebstähle ereignen.

Hohe Kriminalitätsrate

Lauderhill ist eine gesichtslose Vorstadt von Fort Lauderdale an der Atlantikküste Floridas. Die Gemeinde wurde in den frühen 1960er-Jahren für Ruheständler aus kälteren Landesteilen aus dem Boden gestampft. Heute wohnen nicht mehr viele Weisse in Lauderhill. Mehr als ein Drittel der 70 000 Einwohner stammen aus der Karibik. Die Kriminalitätsrate ist, jedenfalls im Grossraum Fort Lauderdale, überdurchschnittlich hoch. Dafür gebe es keine einfache Erklärung, sagt Polizist Willson. Vielleicht sei die Lage der Gemeinde dafür verantwortlich: Eine stark befahrene Autobahn durchschneidet Lauderhill und bietet einen idealen Fluchtweg. Vielleicht aber ist der grösste Flohmarkt Floridas, der sich am östlichen Rand der Stadt befindet, eine Triebfeder der Kriminalität. 12 Millionen Menschen sollen angeblich jedes Jahr den «Swap Shop» besuchen, darunter auch viele Hehler. «Die Ware wird buchstäblich auf der einen Strassenseite gestohlen, und auf der anderen verhökert», behauptet der Ordnungshüter.

Im vorigen Jahr musste Polizeichef Andrew Smalling jedenfalls zur Kenntnis nehmen, dass die traditionellen Mittel zur Kriminalitätsbekämpfung ausgeschöpft sind. Deshalb klopfte er bei der Firma Predictive Policing (PredPol) an, die 2012 an der Westküste Amerikas von Kriminologen und Technologieexperten gegründet worden war. Die Software von PredPol basiert auf Daten lokaler Polizeidepartemente aus den letzten zehn Jahren, mit denen das Programm manuell gefüttert werden muss. Dann berechnet der Algorithmus die Wahrscheinlichkeit von weiteren Verbrechen.

Vorurteile werden herausgefiltert

Der Vorteil: Der Computer ist farbenblind und filtert allfällige Vorurteile der Ordnungshüter heraus. Im Gegenzug wissen die Polizisten von Lauderhill beim Planen der Tages- und der Nachtschicht, in welchen Quartieren sie mehr Zeit verbringen müssen. Polizeioffizier Willson tippt erneut auf seinen Grossbildschirm und die drei roten Quadrate an der Autobahn. «Hier und hier und hier», sagt er, «wird heute ein Streifenwagen Halt machen.» Allzu lange müssten die Polizisten dabei nicht an den Hotspots verweilen, es reichten schon 15 oder 30 Minuten Präsenzzeit, um potenzielle Verbrecher abzuschrecken.

Natürlich kennt Willson die Vorbehalte, die gegen PredPol geltend gemacht werden. Da sind zum einen die gruseligen Parallelen zum Thriller «Minority Report» aus dem Jahr 2002, in dem Tom Cruise einen Polizisten spielt, der bei der Bekämpfung von Kriminalität auf Hellseher zurückgreift. Ordnungshüter liefen Gefahr, heisst es bei der Bürgerrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberties Union), den Anweisungen des Computers blind Folge zu leisten und unbescholtene Bürger zu schikanieren. Zum andern gibt es Vorbehalte der Datenschützer. Willson weist diese entschieden zurück. Die Polizeiberichte, mit denen das System gefüttert werde, seien grösstenteils anonymisiert.

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