Spione, Waffenträger, unbemannte Killermaschinen: Wenn Drohnen in den Nachrichten landen, dann meist als hochmoderne und skrupellose Vollstrecker von Militärmissionen. Das US-Militär führt seinen Kampf gegen Terroristen vielfach mit den lautlosen Jägern. Der steuernde Mensch bleibt dabei im Hintergrund, fernab jeglicher Kampfhandlungen.

Der Duden kennt die Drohne denn auch als «unbemanntes militärisches Aufklärungs- und Kampfflugzeug». Diese Definition hat aber eine Überarbeitung nötig. Denn die Drohne wird zunehmend für nichtmilitärische Zwecke gebraucht.

Einsatz in Hongkong

Zum Beispiel als politisches Instrument. Jüngstes Beispiel: der Vorfall im Belgrader Partizan-Stadion. Er ist nur der aktuellste in einer Reihe von Einsätzen, die Drohnen unter dem Banner politischer Intentionen geflogen haben.

Bei den Protesten in Hongkong veröffentlichte die prodemokratische Zeitung «Apple Daily» Ende September Drohnen-Aufnahmen. Erst durch die Vogelperspektive wurde das wahre Ausmass der «Occupy Central»-Bewegung sichtbar – Zehntausende protestierten für mehr Demokratie. In Thailand filmten Blogger die Reibereien zwischen Demonstranten und Polizei Anfang Jahr mit einer Drohne.

Gleiches geschah bei den Anti-Regierungsprotesten in der Türkei im Juni 2013: Ein von einem selbst ernannten «Drohnen-Journalisten» gesteuertes Gerät filmte, wie die protestierende Bewegung und die Polizei im Istanbuler Gezi-Park aufeinandertrafen – bis ein Ordnungshüter die Drohne abschoss. Etwa zur gleichen Zeit hielten Demonstranten in der brasilianischen Metropole São Paulo eine Drohne sogar für ein UFO. Eine TV-Station klärte die Verwirrung, indem sie Videomaterial veröffentlichte, das vom angeblichen UFO stammte.

Schon 2011 hatten russische Aktivisten per Mini-Drohne ihre Kundgebungen in Moskau live im Internet übertragen.

Mit Drohnen gegen Drohnen

Vor einem Jahr liess die Deutsche Piratenpartei eine Drohne an einer Wahlkampfveranstaltung über dem Kopf von Angela Merkel schweben und brachte sie nur wenige Meter neben der Bundeskanzlerin zum Absturz. Damit wollten die Piraten aufmerksam machen auf die gescheiterte Beschaffung von – Aufklärungsdrohnen.

Serbien, China, Thailand, Türkei, Brasilien, Russland, Deutschland – und die Schweiz? Drohnen werden auch hierzulande immer mehr genutzt, wenn auch nicht für politische Zwecke. Der (Online-)Handel habe einen Boom hinter sich, sagt Patrick Kobel vom Online-Verkaufsportal futuretrends.ch: «Der Verkauf von Drohnen ist in den letzten eineinhalb Jahren massiv angestiegen.» Mittlerweile hätten sich die Zahlen eingependelt, seien aber immer noch «lukrativ».

Strengere Vorschriften

Die wachsende Zahl unbemannter Flugobjekte am Schweizer Himmel hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) auf den Plan gerufen. Anfang August erliess das Bazl strengere Vorschriften für die Drohnen-Fliegerei: So bleibt der Luftraum 100 Meter rund um grosse Menschenansammlungen für Drohnen mit einem Gewicht zwischen 500 Gramm und 30 Kilogramm gesperrt. Für grössere Flieger galt die Sperre bereits zuvor.

Schlechte Erfahrungen hat die Stadtpolizei Zürich mit ihrer neuen Drohne gemacht: Anfang September 2014 kaufte die Stapo einen Multikopter – ein «Helikopter» mit mehreren Armen und Motoren – für 60 000 Franken. Bei einer Vorführung kaum einen Monat später stürzte der Multikopter in ein Kiesbett und ging kaputt. Das Fluggerät hatte eine Fehlfunktion. Das Einsatzgebiet des Multikopters ist beschränkt. Er darf Aufnahmen bei Unfällen machen, nicht aber von Demonstrationen, Festen und anderen Veranstaltungen.