Das überrascht alle. Schliesslich forscht Tech-Gigant Google bereits seit 2009 am selbstfahrenden Auto und galt damit bisher als unangefochtener Marktführer. Dass jetzt ausgerechnet das Start-up Uber, welches sich erst seit 18 Monaten offiziell mit der Technologie beschäftigt, erstmals solche Fahrzeuge kommerziell nutzt, damit hätte niemand gerechnet.

Uber wird derzeit auf einen Wert von über 60 Milliarden Dollar geschätzt. Die Firma konkurrenziert mit einer einfachen, disruptiven Idee das gesamte Taxigewerbe und weitet dieses Modell momentan auf weitere Geschäftszweige aus, beispielsweise auf die Essenslieferung. Damit profilieren sie sich – nicht aber mit selbstfahrenden Autos. Dieser Eindruck bestätigte sich auch vor drei Wochen bei einem Besuch in der Firmenzentrale in San Francisco. Man schien sich vor allem auf den Ausbau des bisherigen Angebots zu konzentrieren: Ein führender Entwickler gab zu verstehen, dass die Prioritäten momentan nicht beim autonomen Fahren lägen.

Doch der Eindruck täuschte. Gleichzeitig wurde nämlich im «Advanced Technologies Center» in Pittsburgh mit Hochdruck an der Software für die ersten selbstfahrenden Uber-Cars gearbeitet. Dort, in der Industriestadt im Osten der USA, können Uber-Nutzer noch diesen Monat einen selbstfahrenden Wagen als Transportmittel bestellen.

Trotz Autopilot nicht zur Nachahmung empfohlen: Dieses junge Pärchen geniesst die Selbstfahr-Funktion ihres Teslas offensichtlich sehr.

Trotz Autopilot nicht zur Nachahmung empfohlen: Dieses junge Pärchen geniesst die Selbstfahr-Funktion ihres Teslas offensichtlich sehr.

Noch nicht ganz selbstständig

Anders als Google oder Tesla setzt Uber bei den autonomen Fahrzeugen nicht auf Eigenentwicklungen, sondern arbeitet mit etablierten Autoherstellern zusammen. Beim ersten autonomen Uber-Fahrzeug wird es sich um einen modifizierten Volvo XC90 handeln. Bereits werden aber auch Fahrzeuge anderer Marken getestet.

Ganz autonom sind jedoch auch die Uber-Fahrzeuge in Pittsburgh noch nicht unterwegs. Am Steuer sitzt jeweils ein Ingenieur, der im Notfall eingreifen kann – momentan ist das gesetzlich sogar noch vorgeschrieben.

Im Normalfall aber wird der Wagen von einem Computer im Kofferraum und Dutzenden Sensoren gesteuert, welche laufend Daten aufnehmen, verarbeiten und analysieren. Die unglaubliche Menge an Daten ist die Grundlage, um detaillierte Strassenkarten zu erstellen und so selbstfahrende Autos überhaupt erst zu ermöglichen. Und genau das ist die grosse Chance von Uber.

Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten hat das Transportunternehmen bereits jetzt rund eine Million Fahrer unter Vertrag, deren Fahrzeuge ständig Daten generieren. Darauf aufbauend entwickelt Uber momentan ein eigenes Kartensystem, welches wohl nicht nur eine Alternative zu Google Maps, sondern auch die Basis für ihre selbstfahrende Autos darstellen wird.

Während Uber aus den USA nicht mehr wegzudenken ist, konnte sich die App in der Schweiz noch nicht komplett durchsetzen. Derzeit wird der Personentransport nur in den vier grössten Städten angeboten – für den Lieferservice UberEATS sind zwar online Stellen ausgeschrieben, offiziell angekündigt wurde er jedoch noch nicht.

Wer macht das Rennen?

Bis also die ersten autonomen Uber-Cars in Schweizer Städten anzutreffen sind, dürfte es noch eine Weile dauern. Zuerst will man bis Jahresende in Pittsburgh mit rund hundert Fahrzeugen präsent sein, das Ganze dann schrittweise erweitern. «Wir machen das Stadt für Stadt, aber ich verspreche, wir führen es überall ein», sagte Uber-Gründer Travis Kalanick gestern gegenüber Business Insider.

Höhere Sicherheit, weniger Verkehr und unzählige gewonnene Stunden seien die Hauptgründe, wieso die Welt langfristig autonom und selbstfahrend werde. «Damit das Realität wird, brauchen wir Dinge, die bis heute noch nicht erfunden wurden. Deshalb ist das Problem ja auch so interessant und herausfordernd – und macht so Spass.» Ebenfalls vor kurzem wurde bekannt, dass Uber das amerikanische Start-up «Otto» übernehmen wird.

Das Unternehmen wurde erst 2016 gegründet und beschäftigt derzeit einige der renommiertesten Ingenieure der Branche. Sie entwickeln ein System, welches Lastwagen mit wenig Aufwand komplett selbstfahrend machen soll. Damit setzt Uber die anderen grossen Player wie Google, Apple und Tesla zusätzlich unter Druck.

Diese Firmen werden jetzt nicht nur nachziehen wollen, sie werden nachziehen müssen. Mit Blick auf technologische Revolutionen in anderen Branchen ist es denkbar, dass sich auch bei den selbstfahrenden Autos wieder eine Firma ein Monopol sichern könnte. Und wer das Rennen der autonomen Fahrzeuge gewinnt, der sichert sich damit eine Siegesprämie, deren Höhe zurzeit noch nicht mal abschätzbar ist.