Märchen

Stammt Rotkäppchen ursprünglich aus China?

Die Forscher untersuchten 58 Varianten von Rotkäppchen

Die Forscher untersuchten 58 Varianten von Rotkäppchen

Die Geschichte vom «Rotkäppchen» kennt wohl jedes Kind - britische Forscher wollten es nun aber ganz genau wissen und haben die Ursprünge des Märchens analysiert. Dafür nutzten sie ein mathematisches Modell.

Das Berechnungsmodell nutzen Biologen normalerweise, um die Entwicklung verschiedener Arten zu untersuchen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler um den Anthropologen Jamie Tehrani von der Universität in Durham in der US-Fachzeitschrift "PLOS ONE".

Der Untersuchung zufolge ist "Rotkäppchen" eng verwandt mit dem Märchen "Der Wolf und die sieben jungen Geisslein", das sich allerdings schon im ersten Jahrhundert nach Christus und somit 1000 Jahre eher in Europa und im Nahen Osten verbreitete.

58 Varianten untersucht

"Rotkäppchen" erschien in den vor über 200 Jahren veröffentlichten Märchenbüchern der Gebrüder Grimm, geht laut Tehrani aber auf ältere mündliche Überlieferungen aus Frankreich, Österreich und Norditalien zurück. Abwandlungen der Geschichte werden auch in Afrika und Asien erzählt.

Tehrani untersuchte 58 Varianten der Geschichte. Er konzentrierte sich dabei auf 72 Variablen und verglich etwa, ob es sich beim Hauptcharakter um ein Mädchen, einen Jungen oder um Geschwister handelt, ob der Bösewicht in Gestalt eines Wolfes, eines Tigers oder eines anderen Tieres auftritt und ob der Protagonist am Ende gerettet wird oder nicht.

Export nach China

Vermutungen, wonach "Rotkäppchen" über China den Weg nach Europa gefunden hat, wiesen die Forscher zurück. "Meine Untersuchungen zeigen, dass die chinesische Version der europäischen mündlichen Überlieferung entstammt und nicht umgekehrt", erklärte Tehrani. Die chinesische Variante sei eine Mischung aus "Rotkäppchen", "Der Wolf und die sieben jungen Geisslein" sowie lokalen Erzählungen.

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