Auf einem Friedhof im nordwestpolnischen Dörfchen Drawsko Pomorskie wurden zwischen 2008 und 2012 285 Skelette ausgegraben. Sie stammen alle aus dem 17. und 18. Jahrhundert und wiesen keine Besonderheiten auf – bis auf 6 von ihnen.

Sicheln um den Hals und Steine unter dem Kinn brachten Archäologen zum Schluss: Diese Menschen wurden einst für Vampire gehalten und so beerdigt, dass sie ihre Ruhestätten nie wieder verlassen konnten. Sicheln und Steine sollten sicherstellen, dass der Kopf vom Rest des Körpers abgetrennt geworden wäre, hätte der «Vampir» auf Jagd nach Menschenblut gehen wollen.

Bei dieser Frau (45-49 Jahre alt) sollte ein Stein unter dem Kinn eine Wiederkehr verhindern.

Bei dieser Frau (45-49 Jahre alt) sollte ein Stein unter dem Kinn eine Wiederkehr verhindern.

Der Glaube an Vampire war in Osteuropa jahrhundertelang weit verbreitet. Aber wieso wurden gewisse Menschen für potenzielle Untote gehalten? Bisher nahm man an, dass unter anderem der «Outsider-Status» dafür verantwortlich war: Fremde, die neu in eine Dorfgemeinschaft kamen, gerieten schnell in Verdacht, nach ihrem Tod als Vampire wiederzukehren.

Diesen Grund haben Wissenschafter der University of South Alabama nun widerlegt. Sie untersuchten den Zahnschmelz der sechs «Vampire» – ein Mann, eine jugendliche und drei erwachsene Frauen sowie ein Kind undefinierbaren Geschlechts – mit der sogenannten Strontiumanalyse. Isotope des Elements Strontium unterscheiden sich je nach Gegend. Der Vergleich der Proben mit jenen von 60 weiteren Skeletten und von lokal ansässigen Tieren zeigte: Die Strontiumisotope stimmten überein, die Menschen waren keine Fremde.

Den eigentlichen Grund, warum die sechs von Drawsko Pomorskie für Vampire gehalten wurden, kennen die Forscher nicht. Sie haben aber eine Vermutung: Menschen, die beim Ausbruch einer Infektionskrankheit wie Cholera als erste starben, wurden ebenfalls für potenzielle Wiederkehrer gehalten. Im 17. Jahrhundert fegten tatsächlich mehrere Cholera-Epidemien durch Polen und das übrige Osteuropa.

Dass Cholera im Fall des polnischen Dorfes für die Vampirbestattungen verantwortlich war, können die Forscher allerdings nicht herausfinden. Sie schreiben in der Fachzeitschrift «Plos One»: «Cholera tötet den Menschen schnell und lässt keine sichtbaren Spuren auf dem Skelett zurück.» (mwa)