Vor zwei Jahren hat Google die Pappbrille Cardboard präsentiert, die aus jedem neueren Smartphone eine Computer-Brille macht. Um in die virtuelle Realität einzutauchen, braucht man einfach das Handy in die Kartonschachtel zu schieben und durch die zwei Linsen zu gucken. Über 50 Millionen Apps wurden bereits für Cardboard installier.

Nun bringt Google Virtual Reality (VR) einen Schritt weiter. An der Entwicklerkonferenz hat der Konzern in Kalifornien eine VR-Brille aus Kunststoff vorgestellt, in welche sich Handys diverser Hersteller verankern lassen. Denn die bisherige Konstruktion mit dem Karton hat zwar etwas Originelles, ist aber auch ein bisschen behelfsmässig. Die neue Kunststoffbrille soll ein besseres VR-Erlebnis bieten.

Eine ähnliche Brille hat Samsung bereits auf dem Markt. Die Gear VR funktioniert aber nur im Zusammenspiel mit den neusten Smartphones des koreanischen Herstellers. Google will sich für alle Hersteller öffnen. Daydream, so der Name der neuen Google-Brille, ist ein sogenanntes Referenz-Design. Das heisst, dass es nicht geschützt ist und von jedem nachgebaut werden kann.

Google will also nicht etwa mit dem Vertrieb der Brille Geld verdienen, sondern mit Apps respektive in deren Umfeld platzierter Werbung. Mit Google Play für VR wird ein spezieller App-Store für VR-Anwendungen eingerichtet. Dort wird es etwa Games von Ubisoft geben, aber auch News Apps der «New York Times» und des «Wall Street Journal». Ausserdem wurde eine spezielle Version von Youtube angekündigt, die für VR-Videos optimiert ist.

Ein besonderes Augenmerk hat der Controller verdient, den Google ebenfalls vorgestellt hat. Er verfügt über Knöpfe sowie ein Trackpad und er ist bewegungsempfindlich. Die Steuerungsmöglichkeiten, die in einem kurzen Video gezeigt wurden, erinnern ein wenig an die Fernbedienung der Spielkonsole Nintendo Wii. Die Idee ist gut: Denn Game-Controller sind für die virtuelle Realität nicht optimal – sie lassen sich zu wenig intuitiv bedienen.

Mit einer speziellen App sollen auch die eigenen Fotos in der virtuellen Realität angeschaut werden können. Besonders geeignet dürfte die Funktion für 360-Grad-Panorama-Aufnahmen sein. Auch Street-View wird auf diese Weise genutzt werden können. Das gesamte VR-Konzept Daydream wird in die kommende Android-Version N eingebunden und ist fest im Betriebssystem integriert.

Anders als im Vorfeld spekuliert worden ist, hat Google aber keine eigenständige VR-Brille gezeigt, die ohne einen Handy-Bildschirm auskommt. Solche Brillen haben derzeit Facebook mit der Oculus Rift und HTC mit der Vive im Angebot. Beide bieten ein qualitativ hochstehendes VR-Erlebnis, kosten aber zwischen 700 und 900 Franken und erfordern einen sehr guten Computer.