Während die allermeisten Menschen das kaum merken werden, müssen bestimmte Unternehmen die extra Sekunde sehr exakt in ihren Systemen berücksichtigen.

Eingefügt wird die Schaltsekunde am 1. Juli nachts um 1 Uhr, 59 Minuten 59 Sekunden Schweizer Zeit, wie das Eidgenössisches Institut für Metrologie (METAS) vergangene Woche mitteilte.

Warum ist das notwendig? Zeit ist nicht gleich Zeit. Ein Tag - also eine Erdumdrehung um die eigene Achse - hat laut Weltzeit 86400 Atomsekunden. So ganz stimmt das aber nicht. Die Erde braucht ein ganz klein bisschen länger. Anders ausgedrückt: "Die Atomsekunde ist zu kurz", sagt Andreas Bauch vom Zeitlabor der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) im deutschen Braunschweig.

Der Grund: Die Atomsekunde beruht auf der Drehgeschwindigkeit der Erde von etwa 1820. Seitdem sei der Blaue Planet aber aus komplizierten Gründen ein ganz klein bisschen langsamer geworden, erklärt Bauch. Die Atomsekunde wurde aber nicht verlängert.

Die Folge: Die Weltzeit würde immer mehr von dem gewohnten Tag-Nacht-Rhythmus abweichen. Um das zu verhindern, wird alle paar Jahre ein Tag um eine Sekunde verlängert.

Warten vor Funkuhr lohnt sich nicht

Besitzer von Funkuhren können die zusätzliche Sekunde am frühen Mittwochmorgen aber nicht sehen. "Nicht davor setzen, das lohnt sich nicht. Da wird man nur enttäuscht", warnt Bauch. Normale Funkuhren passen sich der neuen Uhrzeit erst in den Stunden nach der Mini-Zeitumstellung an.

Anders ist das bei bestimmten Konzernen, wie beispielsweise Telekommunikationsunternehmen, die ihre Angebote sekundengenau abrechnen müssen. Oder Betreiber von Hochspannungsnetzen, die im Mikrosekundenbereich arbeiten. Sie übernehmen die Schaltsekunde praktisch in Echtzeit.

Einige System können damit auch überfordert sein. Bei der Schaltsekunde 2012 wurden mehrere Websites lahmgelegt, das Buchungssystem der Fluggesellschaft Qantas fiel zeitweise aus.

Die Schaltsekunden sind deshalb umstritten - seit längerem wird ihre Abschaffung diskutiert. Nach Angaben des METAS wird das zuständige Gremium der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) in Genf voraussichtlich kommenden November über die Zukunft der Schaltsekunden entscheiden.