Ostsee

Moby Dicks kleiner Bruder: Extrem seltener weisser Schweinswal gesichtet

Extrem seltener weisser Schweinswal ist in der Ostsee

Extrem seltener weisser Schweinswal ist in der Ostsee

Aus den vergangenen 100 Jahren gibt es weltweit nur 15 dokumentierte Sichtungen.

Ein extrem seltener weisser Schweinswal ist in der Ostsee gesichtet worden. Ein Wassersportler hatte das Tier bereits am 4. Juni in der Ostsee im Grossen Belt (Dänemark) entdeckt und gefilmt.

In den letzten 100 Jahren seien weltweit nur 15 Sichtungen von weissen Schweinswalen dokumentiert worden, wie der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke, am Mittwoch sagte. "Wir nehmen an, dass es sich um dasselbe Tier handelt, das bereits 2008 im Grossen Belt und 2012 bei Fehmarn gesichtet wurde."

Das Tier leide unter einem genetischen Defekt, offenbar dem sogenannten Leuzismus. Bei diesen Tieren habe die Haut keine farbstoffbildenden Zellen (Melanozyten).

Schweinswale, eine der kleinsten Zahnwalarten, kommen in allen Ozeanen vor. Gesichtet wurden weisse Exemplare der bis zu 2,5 Meter grossen Meeressäuger laut Benke unter anderem im Schwarzen Meer sowie im Atlantik. 2007 wurde ein weisses Exemplar dokumentiert, als es die Golden Gate Bridge von San Francisco durchschwamm.

"Der weisse Schweinswal in der Ostsee ist quasi der kleine Bruder von Moby Dick", sagte Benke scherzhaft. Der im Roman von Hermann Melville 1851 beschriebene legendäre weisse Wal gehört zur grössten Zahnwal-Gruppe, den Pottwalen.

Fotoabgleich soll Sicherheit bringen

Ein genauer Fotoabgleich soll jetzt endgültige Sicherheit bringen, ob es sich um dasselbe Tier handele, das bereits in den Vorjahren in der Ostsee gesichtet wurde, wie die Stralsunder Meeresbiologin Anja Gallus sagte. Die räumliche Nähe spreche aber dafür.

Auch erste Erkenntnisse liessen sich dann ableiten. "Sollte es das identische Tier sein, dann wissen wir, dass es trotz seines auffälligen Aussehens über Jahre hinweg erfolgreich jagen kann", sagte Gallus.

Bei den Schweinswalen ist der Rücken normalerweise grau und die Unterseite hell, damit die eleganten Schwimmer im Wasser nicht zu schnell von Fressfeinden entdeckt werden können. Als natürliche Feinde gelten die Schwertwale.

Neueste Hinweise aus den Niederlanden und Schottland sprächen dafür, dass zumindest in der Nordsee auch Kegelrobben Jagd auf Schweinswale machen, wie Gallus sagte. Darauf deuten Bissspuren an Schweinswal-Kadavern.

Für die Ostsee gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass Kegelrobben Schweinswale angreifen. Schwertwale kommen in der Ostsee nicht vor. "Hier fehlen den Schweinswalen die natürlichen Feinde."

Zwei Schweinswal-Populationen

In der Ostsee leben zwei Schweinswal-Populationen: die Beltsee-Population mit schätzungsweise 12'000 bis 20'000 Tieren und die seltene Ostseeschweinswal-Population mit rund 450 Tieren.

Die Ostseeschweinswale unterscheiden sich nicht nur räumlich, sondern auch morphologisch von der grösseren Beltsee-Population. Zur Beltsee-Population gehört nach Angaben der Forscher offenbar auch das nun gesichtete weisse Exemplar. 

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