Raumfahrt
Kometensonde «Rosetta» mit Schweizer Technik im Zielanflug

Die Raumsonde "Rosetta" nähert sich heute auf 100 Kilometer ihrem Zielkometen "Chury". Nach zehn Jahren Reise wird sie bald mit dem von der Uni Bern entwickelten Instrument "Rosina" die ersten Moleküle aus dem Gasschweif des Kometen «riechen» können.

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Die Raumsonde «Rosetta» im Zielanflug. (ESA/Keystone)

Die Raumsonde «Rosetta» im Zielanflug. (ESA/Keystone)

Keystone

"Wir haben die Umlaufbahn des Kometen Chury um die Sonne erreicht", zitiert die Mitteilung Kathrin Altwegg vom Center for Space and Habitability (CSH) der Universität Bern, das "Rosina" entwickelt hat. Das Instrument besteht aus zwei Massenspektrometern und einem Drucksensor.

Es soll unter anderem die Frage beantworten, ob Kometen Wasser und organische Moleküle - die Grundbausteine des Lebens - auf die Erde gebracht haben. Kometen sind Überbleibsel aus der Urzeit des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren. Sie bestehen aus dem gleichen Material, aus dem vermutlich auch Sonne und Erde "gewachsen" sind.

Landeplatz ohne Krater

"Rosina" (der Rosetta Orbiter Spektrometer für Ionen- und Neutralgas-Analyse) hat bereits auf der Reise zum Kometen Messungen vorgenommen und funktioniert laut seinen Betreuern gut. "Mit grosser Wahrscheinlichkeit können wir spätestens Mitte August die ersten kometären Moleküle messen", erklärt Annette Jäckel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am "Rosina"-Projekt.

Auf der Umlaufbahn des Kometen Churyumov-Gerasimenko wird "Rosetta" abgebremst. In Relation zum Kometen sei sie dann nur noch im langsamen Schritttempo unterwegs, erklärte Jäckel. Erst nähert sich "Rosetta" dem Kometen auf 100 Kilometer, dann bis auf 30 Kilometer.

Als erstes muss "Rosetta" einen Landeplatz für das Landemodul "Philae" finden, das im November auf dem Kometen aufsetzen wird - ein Manöver, das erstmals überhaupt versucht wird. Damit die Landeeinheit stehen bleibt, sollen zwei Harpunen in den Boden des Kometen geschossen werden.

Der Landeplatz soll auf der Sonnenseite liegen und nicht zu viele Löcher oder Steine und keine Krater haben. "Auch nicht zu viel Gas, damit das Landemodul nicht weggeblasen wird", erklärte Jäckel. Das zu prüfen, sei wiederum eine Aufgabe für "Rosina".

Schnabellose Gummiente

Das Instrument hat die Zürcher Firma RUAG Space gebaut. Sie hat auch einen speziellen "Schlafsack" der "Rosetta" , den Zentralcomputer für den Weckruf sowie eine Hochleistungsantenne für "Rosetta" beigesteuert, wie das Unternehmen mitteilte.

Für Aufregung sorgten bereits die ersten Bilder der - ebenfalls mit Berner Beteiligung entwickelten - Kamera "Osiris", die aus 12'000 Kilometern Abstand gemacht wurden. Der Komet ähnelt nicht wie erwartet einer Kartoffel, sondern eher einer schnabellosen Gummiente.

In den nächsten Wochen und Monaten muss das Berner Team die Messungen von "Rosina" vorbereiten und die bereits erhaltenen Daten auswerten. "Rosina" misst die molekulare Zusammensetzung der Gasschicht um den Kometenkern, sowie die Temperatur und Geschwindigkeit des Gases.

Superlative

Das gut eine Milliarde Euro teure "Rosetta"-Projekt steckt voller Premieren und Superlative: Nie zuvor erhielt eine Raumsonde in so grosser Sonnenentfernung Energie von Solarzellen. Nie zuvor schwenkte eine Sonde auf eine Umlaufbahn um einen Kometen ein. Und noch nie wurde ein Forschungsmodul auf einem Kometen abgesetzt.

Gestartet war "Rosetta" am 2. März 2004. Sie wurde für 957 Tage in Tiefschlaf versetzt, um Energie zu sparen. Nach dem Weckruf am 20. Januar 2014 fuhr das System hoch - zur Freude der Forscher ohne grössere Probleme. Im November wird die Sonde etwa 480 Millionen Kilometer von der Erde entfernt sein. Sie wird dann insgesamt mehr als 6,4 Milliarden Kilometer zurückgelegt haben.

Auf dem Rücken des Kometen soll "Philae" begleitet von "Rosetta" Richtung Sonne fliegen. Bis August 2015 wird sich das Dreiergespann dem Feuerball auf 195 Millionen Kilometer nähern - mit Teleskopen ist der Komet dann auch von der Erde aus zu sehen.

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