Als ich die Box mit den weissen Ohrstöpseln öffne, kommt ein mulmiges Gefühl auf. Die Dinger sind enorm klein, die werde ich doch früher oder später verlieren, denke ich. Bloss ein unachtsamer Moment und weg sind sie. Vielleicht wenn ich betrunken bin. Oder einer wird mir beim Joggen rausfallen und just in einem Gully landen. Platsch! Und weg ist er.

Doch nur wegen einer bösen Vorahnung auf die AirPods verzichten, will ich nicht. Dafür gefallen mir die neuen Apple-Kopfhörer viel zu gut. Auch wenn sie im Internet als Mini-Föhne, elektrische Zahnbürsten oder Wattestäbchen verhöhnt worden sind, finde ich das schlichte Design gelungen. Sie sehen aus wie die herkömmlichen Apple-Ohrhörer einfach ohne Kabel. Und das ist gut so. Denn Daten strömen heute «wireless» durch die Luft.

Natürlich kann man da auch anderer Meinung sein. Schliesslicht geht es bei der Entscheidung zwischen kabellosen und herkömmlichen Kopfhörern nicht nur um Stil, sondern auch um eine philosophische Frage: Was will man, Sicherheit oder Freiheit? Kabelkopfhörer geben Sicherheit. Man weiss, was man hat, wenn mans in die Buchse einsteckt: eine Verbindung, die hält. Auch verliert man die Hörer nicht so schnell, weil ja immer noch ein Kabelknäuel dranhängt. Bluetooth-Kopfhörer hingegen sorgen für Freiheit, kein Kabel um den Hals, das einen in seinen Bewegungen einengt. Ich ziehe (in diesem Fall) die Freiheit gerne der Sicherheit vor.

Die AirPods (seit dieser Woche zu 179 Franken erhältlich) sind, wie man das von Apple erwartet, ein durchdachtes Produkt. Wenn man die weisse Box (böse Zungen behaupten, sie sähe aus wie eine Zahnseideschachtel) zum ersten Mal öffnet, poppt auf dem danebenliegenden iPhone ein Fenster auf, in dem man auf «Verbinden» tippen muss. Fortan koppeln sich die Kopfhörer immer automatisch mit dem Gerät.

Über die kleine Box werden die Hörer mit Strom geladen. (Nach rund 20 Stunden Musikgenuss muss die Box aufgeladen werden; die Hörer selber halten vier Stunden durch.) Sensoren in den Hörern erkennen, wenn die kleinen Knöpfe im Gehörgang sitzen und aktivieren sie automatisch. Nimmt man einen der Hörer aus dem Ohr, pausiert die Musik; setzt man ihn wieder ein, gehts weiter. Auch telefonieren funktioniert gut.

Die Klangqualität finde ich für In-Ear-Hörer beachtlich; der Bass ist satt. Der Musikredaktor meint zwar «zu dominant», er übertöne so die anderen Spuren zu sehr. Die Hörer sitzen auch fest im Ohr. Trotz meinen anfänglichen Bedenken, habe ich es gewagt und bin joggen gegangen. Die Stöpsel flogen nie raus. Und ich hab sie auch in zumindest sehr angetrunkenem Zustand ausprobiert – zu reinen Testzwecken natürlich. Kein weisser Ohrhörer ging verloren.

Doch dann ists passiert, ohne Vorwarnung. Oder war meine Angst, die Hörer zu verlieren, eine selbst erfüllende Prophezeiung? Als ich am Montagmorgen die Box öffnete, war da nur noch ein AirPod. Keine Ahnung, wo und wie der andere verloren ging. Bei einem Sonntagsspaziergang am Wasser habe ich die Hörer zum letzten Mal als Paar gesehen. Und danach wie immer mit Achtsamkeit in die Box zurückgelegt. Zumindest glaubte ich das. Die Dinger sind wirklich verdammt klein.