Forscher der ETH Zürich haben ein Implantat entwickelt, das bei Glücksgefühlen Wirkstoffe ausschütten kann. Es wird über den Glücksbotenstoff Dopamin im Gehirn aktiviert. Damit rückten Therapien näher, die über das Unterbewusstsein gesteuert werden, schreiben die Forscher im Fachjournal "PNAS".

Das Team um Martin Fussenegger vom Departement Biosysteme in Basel hat menschliche Zellen im Labor so umprogrammiert, dass sie eine blutdrucksenkende Substanz produzieren, sobald sie Dopamin ausgesetzt sind. Dopamin ist ein körpereigenes Hormon, das bei angenehmen Erlebnissen - Klassiker sind Sex, Drogen und Essen - ausgeschüttet wird, wie die ETH Zürich am Dienstag mitteilte.

Diese Zellen haben die Forscher in Mikrokapseln eingepackt und in männliche Mäuse mit Bluthochdruck gespritzt. Sobald diese Mäuseriche in der Gegenwart von Weibchen waren, stieg mit der sexuellen Erregung ihr Dopaminspiegel an. Das Implantat setzte daraufhin die blutdrucksenkende Substanz frei und der Bluthochdruck der Tiere sank auf ein normales Niveau.

Mehr "Kick" - mehr Medikament

Der Effekt liess sich auch mit dem Trinken von Zuckersirup oder mit der Droge Metamphetamin erzielen. Beide regen ebenfalls die Dopamin-Produktion an. Die Wirkung war abhängig von der Dosis, also von der Stärke des "Kicks": Je mehr der Zuckersirup verdünnt war, desto weniger Freude hatten die Mäuse daran und schütteten weniger Dopamin aus.

Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse in Zukunft Therapien ermöglichen werden, die über das Unterbewusstsein gesteuert werden. "Mit dem Gennetzwerk klinken wir uns in das normale Belohnungssystem ein", sagte Fussenegger in der Mitteilung. So könnten tägliche Aktivitäten wie ein gutes Essen zu therapeutischen Interventionen genutzt werden, indem sie das implantierte Modul "einschalten".

Fest dosierte Medikamente würden damit der Vergangenheit angehören. Allerdings gibt Fussenegger zu bedenken, dass ihr Implantat erst ein Prototyp ist und die Entwicklung eines marktreifen Produkts viele Jahre dauern würde.