Was für eine Nachricht würden Sie Ausserirdischen schicken? Sie sollte von diesen verstanden werden und gleichzeitig repräsentativ für die Menschheit und den Planeten Erde sein. Keine einfache Frage, gewiss. Es könnte allerdings durchaus lohnenswert sein, etwas länger darüber nachzudenken. Denn wer die beste Botschaft an Aliens formuliert, gewinnt eine Million Dollar. 

«Breakthrough Message» heisst der Wettbewerb, den der russische Investor und Unternehmer Yuri Milner kürzlich ausgerufen hat. Teilnehmen kann jeder. Es ist dies ein Nebenprojekt der Initiative «Breakthrough Listen», die namhafte Forscher mit den nötigen Mitteln ausstattet, um den Kosmos mit riesigen Radioteleskopen nach Signalen von ausserirdischen abzuhorchen (siehe Box).

«Für mich ist diese ‹Breakthroug Message› der interessanteste Teil der ganzen Initiative», sagt die Astrophysikerin Lisa Kaltenegger, die an der Cornell University in New York unterrichtet und nicht am Projekt beteiligt ist. «Was auch immer die Nachricht sein könnte, es muss etwas sein, das uns als Menschen verbindet, das zeigt, dass wir nicht so verschieden sind.» Sich das ab und zu vor Augen zu halten, ist gewiss nicht falsch. Doch was könnte die Botschaft sein?

Schon seit Jahrzehnten zerbrechen sich Forscher, die an Ausserirdische glauben und an Kontakt mit ihnen interessiert sind, darüber den Kopf. Denn längst sind einige sogenannte Seti-Forscher, dazu hinübergegangen, aktiv Botschaften in das All zu schicken – in der Hoffnung, Ausserirdische könnten sie empfangen. Seti steht für «Search for Extraterrestrial Intelligence» und meint das Suchen nach ausserirdischen Signalen. Wohingegen das Versenden von Nachrichten als Active Seti bezeichnet wird. Obwohl sich Astronomen mittlerweile weitgehend einig sind, dass es in einem unendlichen Universum neben uns weitere Lebewesen geben muss, scheiterte bisher jeder Kontaktversuch.

Könnt ihr uns hören?

Im 19. Jahrhundert schlug der Mathematiker Carl Friederich Gauss vor, den Satz des Pythagoras als kilometergrosse Struktur in Kornfelder zu mähen, um Ausserirdischen – die damals noch auf dem Mars vermutet wurden – zu signalisieren, dass hier intelligente Wesen leben. Keine schlechte Idee: Denn die Sprache der Mathematik, so sagt man, sei «universell» und damit per Definition auch Ausserirdischen zugänglich.

Ab den 1970er-Jahren begann man dann Botschaften mit Raumsonden oder als Radiowellen ins Weltall zu schicken. Darunter waren wiederum geometrische Skizzen (beispielsweise ein Kreis) und mathematische Zahlenreihen (etwa Primzahlen). Versendet wurde aber darüber hinaus auch Wissen aus der Kosmologie (die Position der Erde in der Milchstrasse) und aus der Biologie (die Struktur der DNA). Letzteres ist gar keine so schlechte Idee, verfügen doch alle uns bekannten Lebewesen über dieses Biomolekül. Und ein solches oder ähnlich geartetes Speichermedium für Erbinformationen scheint eine Bedingung für Leben zu sein.

Generell gilt: Je allgemeiner eine Botschaft formuliert ist, desto grösser sind die Chancen, dass sie verstanden wird – doch desto weniger sagt sie auch über ihren Absender aus. Deshalb sollte man vielleicht statt mathematischer Formeln besser ein Abbild der Menschheit verschicken. Doch welches soll es sein? Als zusammen mit den Forschungssonden Pioneer 10 und 11 eine Plakette mit einer Skizze von Mann und Frau in das Weltall gesendet wurde, gab das Anlass zu Diskussionen. Den einen waren die Körper zu weiss, den anderen zu schwarz. Wiederum andere beklagten, dass die gehobene Hand des Mannes als Hitlergruss missverstanden werden könnte – was, notabene, ziemlich viel an kulturellem Kontext voraussetzt.

Auch Songs wurden in den Kosmos gesendet. Zum Beispiel 2008 «Across the Universe» von The Beatles – worüber sich natürlich Rolling-Stones-Fans echauffierten. Im selben Jahr verliess auch «A Message from Earth» unseren Planeten. Es handelt sich hierbei um eine Sammlung von Botschaften, die gewöhnliche Leute verfasst haben und die aufgrund einer demokratischen Abstimmung ausgewählt wurden.

Eine einzige, für alle Erdenbewohner repräsentative Botschaft zu kreieren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Der Astronom Seth Shostak schlägt deshalb vor, den Inhalt des gesamten Internets in den Kosmos zu senden – sind wir dort doch alle mit unseren Vorstellungen und Wünschen verankert. Andere raten ausdrücklich davon ab.
Überhaupt sollen wir besser schweigen meinen Kritiker der Active-Seti-Bewegung. So warnt etwa der berühmte Physiker Stephen Hawking: «Eine sehr fortschrittliche Zivilisation zum jetzigen Zeitpunkt unserer Entwicklung zu kontaktieren, wäre ein wenig so, als würden wir als Ureinwohner Amerikas auf Kolumbus treffen.» Und die Indianer sind nur ein Volk auf der Erde, die durch ein technisch weiterentwickeltes besiegt und stark dezimiert wurden. Mit Blick auf unsere eigene Geschichte kann man eigentlich nur zu einem Schluss kommen: Wir sollten besser nicht auf hoch entwickelte Aliens treffen.

Psst, seid besser still!

Doch ob sich diese irdische Erkenntnis auch auf den interstellaren Raum übertragen kann, ist offen. So meint etwa der berühmte Science-Fiction-Autor Isaac Asimov, dass nur eine Gesellschaft, die ihre Kampflust im Zaum zu halten vermöge, sich so weit entwickeln kann, dass sie zu interplanetaren Reisen fähig ist. Sonst hätte sie sich schon längst selbst zerstört.

Auch wenn dieses Argument durchaus eine gewisse Plausibilität hat, gibt es keine Garantie, dass hoch entwickelte ausserirdische Spezies stets friedlich sind. Und weil dem so ist, sollten wir wohl besser vorsichtig sein, mit dem Verschicken von interstellaren Nachrichten. So halten dann auch die Initianten der «Breakthroug Message» fest, dass sie derzeit nicht planen, die auserkorene Botschaft auch tatsächlich abzuschicken.

Das macht durchaus Sinn – und ist letztlich auch eine mögliche Erklärung für das grosse Schweigen im All. Vielleicht sind andere intelligente Lebewesen in unserer Galaxie einfach bloss vorsichtig und verhalten sich deshalb still.