Er war einst der Herr der Weltmeere. Der Hai mit der lateinischen Bezeichnung Carcharocles megalodon war der grösste Hai, der je auf der Erde gelebt hat. Vor etwa 2,6 Millionen Jahren starb er aus, wie nun eine neue Fossilienanalyse eines Zürcher Forschers und einer US-Kollegin aufzeigt.

Carcharocles megalodon beherrschte die Weltmeere während etwa zehn Millionen Jahren, vom Mittleren Miozän bis zum Pliozän. Er war ein Topräuber, der sich von Walen ernährte, wie man von Zahnspuren auf den Knochen grosser Wale weiss. Die grössten Exemplare werden auf 18 Meter Länge und hundert Tonnen Gewicht geschätzt. Die Meeresjäger waren damals so schwer wie Blauwale oder wie zirka 61 Ferrari F12 Berlinetta aufeinandergestapelt. Was die Länge betrifft, kann man sich am weissen Hai (bis zu acht Meter) und am Walhai, der etwa 14 Meter erreicht, orientieren. Das heisst: Der grösste Hai aller Zeiten war mehr als zweimal so lang wie der heutige weisse Hai, wenn der seine geschätzte Höchstlänge erreicht, dessen lateinischer Name übrigens Carcharodon carcharias ist.

Wegen ihres Knorpelskeletts halten sich Haifossilien schlecht. Dies gilt aber nicht für die Zähne, sie waren beim Megalodon bis zu 16 Zentimeter gross. Trotz ihrer Popularität sei erstaunlich wenig über ihr Aussterben bekannt, schreiben Christopher Clements von der Universität Zürich und Catalina Pimiento von der Universität Florida im Fachjournal «PLOS One». Die beiden Forscher haben die neuesten Daten aus der Fachliteratur sowie Fossilien in wissenschaftlichen Sammlungen neu analysiert. Mit einer mathematischen Modellierungsmethode haben sie die Zeit abgeschätzt, als Megalodon ausstarb – nämlich vor gut 2,6 Millionen Jahren.

Dabei zeigte sich, dass zeitgleich mit seinem Aussterben die grossen Bartenwale, die mit Reusen aus Horn das Meerwasser filtrieren und heute die grössten Tiere auf der Erde sind, ihre heutige Form und enorme Grösse entwickeln konnten. «Unsere Schätzung des Aussterbens von Megalodon gibt einen Hinweis darauf, was es bedeutet, einen Topräuber aus einem Ökosystem zu entfernen», schreiben die Autoren.

Dies liefere eine historische Perspektive für den Schutz heutiger Ökosysteme. Der Befund dürfte ausserdem auch Gerüchte widerlegen, dass der Megalodon noch am Leben sein könnte, wie es unlängst eine Dokumentation eines US-Fernsehsenders nahelegte. Die filmischen «Beweise» stellten sich später als gefälscht heraus. (SDA/ALF)